Olympische Erinnerungen: Los Angeles 1984

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Franke Sloothaak gehörte mit Farmer 1984 zum deutschen Team, das Bronze holte. (© Ernst)

Neun Olympische Spiele hat St.GEORG-Herausgeberin Gabriele Pochhammer als Berichterstatterin begleitet. Zurück kam sie jedes Mal mit tausenden Anekdoten im Gepäck. Hier erzählt sie von Los Angeles 1984 …

Der olympische Zauber lässt auch uns Sportjournalisten nicht kalt. Akkreditierungen sind rar und deswegen heiß begehrt. Olympia – das sind jedes Mal zweieinhalb Wochen voller Stress, Kämpfen mit der Technik (Überlebensfrage: Funktioniert das W-Lan?), mit Deadlines, die schon durch die Zeitverschiebung eine tägliche Herausforderung sind, mit Bussen die nicht kommen, mit bescheidener Unterbringung bei miserablem Essen. Alles egal, am Ende ist man übermüdet, ausgelaugt und urlaubsreif, aber beseelt von dem wunderbaren Gefühl: Man war dabei, live und hautnah. Neunmal durfte ich für den St.GEORG bei Olympia als Berichterstatterin dabei sein, Tokio soll das Zehnerpack voll machen. Nun also nicht 2020, sondern 2021.

OLYMPIA IN LOS ANGELES 1984

Nach Los Angeles fuhren wir zu zweit, mit mir Alexandra Jahr, damals gerade mit dem Abitur fertig, heute unsere Verlegerin des Jahr Top Special Verlags. Wir sahen uns im Aufzug des Flughafenhotels Frankfurt zum ersten Mal und teilten dann vier Wochen lang ein Hotelzimmer, ein schönes großes. Da habe ich später noch ganz andere Bleiben kennengelernt. Wir flogen bereits 14 Tage vor Beginn der Spiele in derselben Maschine wie die Vielseitigkeitsreiter. Sie sollten Zeit haben, sich und ihre Pferde an die Hitze zu gewöhnen, die bereits damals ein Thema war. Die Rennbahn von Sante Anita stand als olympischer Schauplatz zur Verfügung, weil die Rennszene mitsamt ihren Pferden vor der kalifornischen Hitze in kühlere Gefilde geflüchtet war.

Es ist üblich, dass die Sportler und die Funktionäre schon bei der Anreise die offizielle Olympiakleidung tragen, das waren in diesem Fall hellblaue Trainingsanzüge, die an Bettina Overesch (heute Hoy), Dietmar Hogrefe & Co. flott aussahen, an über 50-Jährigen wie Bundestrainer Dr. Bernd Springorum und Equipechef Hilarius Simons eher gewöhnungsbedürftig. Aber sie waren alle schon von weitem nicht zu übersehen. Die Pferde flogen in derselben Maschine wie wir, im hinteren Teil, nur durch eine einfache Stahltür getrennt. Wir konnten sie dort sogar besuchen, Team-Tierarzt Dr. Karl Blobel war da ganz locker und weidete sich an unserem Grusel, als er verriet, dass er immer eine Pistole dabei habe. Für alle Fälle, falls ein Pferd durchdreht und die ganze Maschine in Gefahr bringt. So geschehen auf dem Rückflug von den Spielen in Mexiko 1968, als ein DDR-Dressurpferd und Lapislazuli, das Pferd von Buschreiter Jochen Mehrdorf, den Flug nicht überlebten.

In Los Angeles überlebten alle Pferde die Flüge und erreichten mit ihren Zweibeinern im Sattel trotz „aufmüpfiger Buschtruppe“ und Patzern der Favoriten einige Medaillen. Mehr Einzelheiten zu den Olympischen Spielen 1984 gibt es in der St.GEORG-Ausgabe 7/2020 zu lesen, die morgen erscheint.

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