Schon wieder ein Skandal im Distanzsport

Glücklicherweise geht es diesmal nicht um schwer verletzte oder gar tote Pferde, sondern „nur“ um einen mutmaßlichen Betrug. In den Vereinigten Arabischen Emiraten (UAE) sollen zwei Qualifikationsrennen für den President’s Cup in Wahrheit gar nicht stattgefunden haben. Und das scheint erst der Anfang zu sein …

Für den prestigeträchtigen President’s Cup, ein 160 Kilometer-Rennen, hätten eigentlich zwei vorherige Rennen stattfinden müssen, eins über 80 Kilometer am 23. Dezember in Abu Dhabi und eins über 120 Kilometer am 21. Januar in Dubai. Nun heißt es, diese Rennen seien niemals gelaufen worden. Zwar kann man detaillierte Ergebnisse beider Rennen sowie die Rangierungen von 41 Pferden innerhalb der Wertung auf der Website des Weltreiterverbands (FEI) einsehen, aber: Die Ergebnisse beider Rennen inklusive Geschwindigkeiten und Zwischenstände sind exakt dieselben, wie die anderer Rennen, die definitiv stattgefunden haben. Die britische Journalistin Pippa Cuckson, die sehr viel zur Aufklärung der Skandale im Distanzsport beträgt, schreibt im The Telegraph: „Die Chancen, dass die Ergebnisse eines einzigen Pferdes, die aus mindestens acht Unterergebnisse bestehen exakt dieselben sein sollen, wie in einem vorangegangenen Rennen, sind angesichts der äußeren Einflussfaktoren wie Untergrund, Witterung, Fitness und Erfahrung von Pferd und Reiter, verschwindent gering.“ Dass dies bei 41 Pferden der Fall sein soll, ist also praktisch unmöglich.

Tatsächlich stimmen die Ergebnisse der 47 führenden Pferde vom 23. Dezember mit denen der Pferde auf den Plätzen zehn bis 56 bei einem Rennen in Bou Thib vom 21. bis 22. November überein. Und die Ergebnisse vom 21. Januar scheinen von Finishern in einem Rennen am 19. Dezember in Dubai übernommen worden zu sein. Auch das 90 Prozent der Teilnehmer die Rennen beendet haben sollen, ist ungewöhnlich das ist rund dreimal so viel, wie normalerweise in den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Die FEI wollte sich auf Nachfrage nicht zu den Anschuldigungen äußern, betonte lediglich noch einmal, dass man die Abschaffung der Missstände im Distanzsport zur obersten Priorität erklärt habe.

Roly Owers, CEO von World Horse Welfare, einer Tierschutzorganisation, die der FEI beratend zur Seite steht erklärte, strenge Qualifikationsmodi seien dazu gedacht dafür zu sorgen, dass die vierbeinigen Athleten den Anstrengungen gewachsen sind, die sie im eigentlichen Hauptwettkampf erwarten. „Jeglicher Verstoß in diesem System gefährdet das Wohl der Pferde.“

Dem Telegraph ist es nicht gelungen, Kontakt zu der Reiterlichen Vereinigung der UAE für ein Statement aufzunehmen. Aber wie weitere Recherchen ergaben, scheint das nicht der einzige Fall zu sein, bei dem Ergebnisse gefälscht wurden. Pippa Cuckson sagt, dies könnte der schlimmste Skandal sein, mit dem die FEI es je zu tun hatte. Denn hier handele es sich auch um ein strafrechtliches Vergehen.

St.GEORG NEWSLETTER

Schnell, aktuell und auf einen Blick wissen, was Sache ist!
Das bietet der St.GEORG Newsletter.