WM Zweispänner: Deutschland auf Silberkurs und die Gesetze der Natur

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(© Toffi)

Die Weltmeisterschaften der Zweispännerfahrer in Drebkau sind nicht nur in sportlicher Hinsicht eine spannende Angelegenheit! Nach prügelnden US-Fahrern sorgte heute ein Hornissennest für Aufregung.

Der Marathon ist für Pferde und Fahrer immer die anstrengendste Disziplin der kombinierten Prüfung. Bei dem sonnigen Wetter und den guten Bodenverhältnissen fanden die Teilnehmer in Drebkau beste Bedingungen vor, guten Sport zu zeigen. Und die Zuschauer kamen auch zu ihrem Recht, wenngleich es da auch noch einen kleinen Zwischenfall gab, aber dazu später. Fest steht schon jetzt: Diese WM bietet auch jenseits der – fraglos großartigen! – sportlichen Leistungen jede Menge Gesprächsstoff!

Derartige Völkerwanderungen im Gelände wie heute in Drebkau kennt man sonst nur von der Geländefahrt in Aachen. Alle Hindernisse waren dicht beieinander angeordnet, kein Problem, sämtliche Gespanne von kleinen Hügeln aus zu beobachten. Laut wurde es bei jedem Bewerber, ohne Rücksichtnahme auf die Nationalität wurden Pferde und Fahrer angefeuert und mit Applaus gefeiert.

Die deutschen Fahrer

Als erster deutscher Fahrer startete Arndt Lörcher in die Geländestrecke. Sein Ergebnis war enttäuschend (Rang 51), vor allem vor dem Hintergrund, dass er, als starker Geländefahrer eingeschätzt, für das Team nominiert war.

Jörg Zwiers, Deutscher Jugendmeister 2018, war der zweite Deutsche, er war im Ziel sehr zufrieden (Rang 43). „Meine Pferde wurden von Hindernis zu Hindernis besser. Obwohl das hier mit den vielen Zuschauern schon eine andere Nummer ist, war es am Ende ein großer Spaß.“, strahlte er.

Marco Freund, als Einzelfahrer am Start, führte über lange Zeit das Feld der 83 Starter an. Er lenkte seine ehrgeizigen Pferde Heppie und Crack zügig und fehlerfrei durch die acht Hindernisse, fuhr enge Wendungen und demonstrierte, dass schnelles Fahren auch gut aussehen kann (Rang vier im Gelände). Noch immer wird der junge Mann als „Sohn der Fahrsport-Legende Michael Freund“ angekündigt, er ist aber auf dem besten Weg, sich einen eigenen Titel zu erarbeiten.

Sandro Koalick schloss die Geländefahrt auf dem siebten Rang ab. Er war glücklich mit seinem Marathon, den Parcoursbauer Barry Hunter auf dem einer Weltmeisterschaft entsprechenden Niveau erstellt hatte. „Nur an Hindernis drei lief es nicht gut, sonst war ich sehr zufrieden“, sagt er im Ziel. Für das Team ein gutes Ergebnis.

An ihrem 24. Geburtstag hätte Anna Sandmann sich gern ein Geburtstagsgeschenk mit einer schnellen Geländefahrt gemacht, allein ihre Pferde machten nicht so mit, wie sie sich das gewünscht hatte. „Sie waren echt guckig“, erklärt sie die langen Zeiten, Rang 34.

Torsten Koalick, den man unermüdlich im Einsatz als Veranstalter im Einsatz war, konnte für den Marathon alles andere ausblenden, fuhr mit seinen Rappen ohne große Zwischenfälle auf Rang 45.

Stefan Schottmüller hatte Probleme mit seinen zu langen Leinen. Aufgrund dessen nahmen seine Pferde einmal beinahe eine Ausfahrt zu früh, er musste zurücksetzen, das kostete wertvolle Zeit. „Aber sonst waren meine Pferde super, ich hatte viel Spaß in diesen tollen Hindernissen“ äußert er sich dennoch zufrieden.

Sebastian Warneck ist eigentlich Staatsanwalt in Berlin, den Fahrsport betreibt er als reines Hobby, hat dennoch auch bei Weltmeisterschaften schon zahlreiche Medaillen gewonnen. So war er 2017 in Lipica/ Slowenien Vize-Weltmeister im Einzel und mit der Mannschaft. In Drebkau beendete er die Geländefahrt auf dem 25. Rang.

Als letzter deutscher Fahrer ging Lars Schwitte an den Start, seine Fahrt wurde mit besonderer Spannung beobachtet. Für die Mannschaft musste unbedingt ein gutes Ergebnis in den Hindernissen eingefahren werden. Schwitte, der seine Stärken eher auf dem Dressurviereck denn im Marathon hat, erreichte mit einer soliden Leistung auf Rang 41.

Der Star des Championats ist Martin Hölle, seine Fans sind die temperamentvollsten und lautesten. Der Ungar gewann nicht nur überlegen die Dressur, sondern auch den Marathon. Um einen Wimpernschlag langsamer war der Österreicher Thomas Blumschein (101,91 P.).

Ergebnisüberblick

Die Zwischenwertung nach Dressur und Gelände führt Hölle mit deutlichem Vorsprung an (134,32 P.) An zweiter Stelle liegt Lokalmatador Sandro Koalick (149,49 P.) vor Stan van Eijk (NED, 152,33 P.). Noch in Medaillennähe rangiert Lars Schwitte auf dem sechsten Platz (156,71 P.). Sebastian Warneck liegt relativ abgeschlagen auf Rang neun, Anna Sandmann fiel vom fünften auf den zehnten Rang zurück.

In der Teamwertung führen wenig überraschend die Ungarn mit 291,56 P. An zweiter Stelle mit 306,50 Punkten liegt das deutsche Team auf Silberkurs denkbar knapp vor den Niederländern, die mit 306,68 Punkten auf dem Bronzerang liegen. Da darf beim morgigen Kegelfahren kein Ball fallen!

Hilfe, Hornissen!

Das Veranstalterteam um Torsten und Sandro Koalick hatte alles perfekt geplant für die Weltmeisterschaft der Zweispänner. Für Pferde, Fahrer, Funktionäre und Zuschauer war im Vorfeld alles bis ins Detail durchdacht und organisiert.

Aber gegen die Einfälle der Natur ist selbst er erfahrenste und umsichtigste Veranstalter nicht gefeit. Es waren schon mehrere vorüberfahrende Radfahrer gestochen worden, als ein riesiges Hornissennest entdeckt wurde. Zum Glück befand es sich nicht an der Strecke, die die Gespanne beim Marathon passieren mussten, aber Zuschauer mussten auf ihrem Weg zu den Hindernissen daran vorbei.

Nach wie vor geistert ja der Mythos, dass sieben Hornissenstiche ein Pferd, drei einen Menschen töten können. Dem ist nicht so, widersprechen Fachleute, dennoch war der Respekt vor den großen, laut herumschwirrenden Insekten natürlich groß. Die eigenmächtige Entfernung der unter Naturschutz stehenden Hornissennester ist untersagt, darf nur von einem Fachmann ausgeführt werden. Darauf konnte in Drebkau verzichtet werden, eine Umleitung der Radfahrer und Fußgänger war an dieser Stelle machbar.

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