Nördlingen: Schöner, besser – und teurer

Das Nördlinger Scharlachrennen glänzt in diesem Jahr erstmals als Drei-Sterne-CSI. Dafür haben die Veranstalter tief in die Tasche gegriffen und kräftig investiert. Schirmherr Hans Günter Winkler rührte kräftig die Werbetrommel. Ein neuer Sand-Abreiteplatz für die Springreiter, ein neues Dressurviereck, höhere Geldpreise für die Springkonkurrenzen und ein internationales Starterfeld mit klangvollen Namen wie Marcus Ehning und Otto Becker, ein neuer VIP-Bereich für Sponsoren und Gäste werten das Turnier deutlich auf.

Ein weiterer Höhepunkt soll nach dem Willen der Süddeutschen Zuchtverbände die Elite-Fohlen-Auktion werden, die erstmals in Nördlingen stattfindet. Der Zuschauerandrang hielt sich am Freitag und Samstag allerdings in Grenzen. Der deutlich erhöhte Eintrittspreis von neun Euro schreckte viele Nördlinger vom Kommen ab.

Das Hauptspringen am Freitag gewann Tobias Meyer auf Lucrate Deau Grenou vor Frederik Knorren mit Aspen und Otto Becker auf ECL Lunatic. Die zweite Qualifikation zum Großen Preis sicherte sich am Samstag Marcus Ehning mit seinem Neuzugang Plot Blue vor Tobias Meyer mit Annabell und Janne-Friederike Meyer mit Chicas Way. Im Finale der Mittleren Tour gewann Toni Haßmann mit Queen Lisa. Otto Becker mit Con Air kam eine Sekunde langsamer ins Ziel. Hugo Simon mit Caldato war zwar der Schnellste, kassierte aber einen Abwurf.

Bei den Süddeutschen Championaten in Nördlingen wurden am Samstag die ersten Titel vergeben. Die Konkurrenz der Fünfjährigen sicherte sich überlegen Heraldo S v. Heraldicus unter Michael Kölz. Der Deutsche Sportpferde-Hengst aus dem Besitz des Gestüts Sachsen in Cavertitz und aus der Zucht von Marco Bottani im bayerischen Birmensdorf qualifizierte sich außerdem mit 8,2 für das Bundeschampionat. Die bayerisch gebrannte Guantanamera v. Luberon unter Lawrence Green (Züchter und Besitzer: Haupt- und Landgestüt Schwaiganger) wurde mit 7,0 Süddeutsche Vize-Championesse. Der drittplatzierte Hengst Lady Star v. La Salle, ein Deutsches Sportpferd, erhielt unter Bernd Hofbauer 6,7. Insgesamt waren nur sieben Pferde am Start.

In der diesmal stark besetzten Qualifikation zum Bundeschampionat der 6jährigen Deutschen Springpferde holten sich gleich zehn Paare ihre Tickets für Warendorf. Der bayerische Hengst Chintan v. Cento (Z: Albert Stegmann, B: Klaus Richter) siegte unter Otto Becker mit Weile: 9,0. Nationenpreis-Reiter Jürgen Kraus kam mit dem westfälischen Hengst Rahmannshofs Baluga v. Baloubet du Rouet und einem halben Punkt Abstand auf den zweiten Platz vor Jörg Schaffner mit dem westfälischen Cento-Sohn Centox (8,3).

Für Diskussionen sorgte der Sieg von Birkhofs Denario v. Denaro (Züchter: Manfred Lauber, Besitzer: Familie Casper) unter Nicole Casper bei den Fünfjährigen Dressurpferden. Der bayerisch gebrannte Bundeschampion von 2007 galoppierte im Mitteltrab an und beschleunigte heftig. Die Reiterin ritt nach der Prüfung auf die Mittellinie, hielt aber nicht zur Grußaufstellung, sondern hob die Hand und winkte. Zuschauer werteten die Geste als Verzicht, die Richter jedoch nicht. Sie bewerteten die Vorstellung des Paares mit 8,3. Wir haben gedacht, sie winkt uns zu. Der Hengst ging sehr gut. Nach so einem Ritt gibt man doch nicht auf. Nicole Casper hat auch nichts dergleichen gesagt. Den Ungehorsam muss man einem so jungen Pferd verzeihen. Für die Durchlässigkeit haben wir allerdings nur 7,5 vergeben sagte Johann Speth. Die Reiterin selbst räumte ein, dass sie überlegt habe, auf die Note zu verzichten. Denario ist ein Deckhengst, da muss man vorsichtig sein, sagte sie.

Verzicht oder Winken, die Konkurrenz war über das zumindest missverständliche Verhalten der Reiterin nicht begeistert. Zweiter wurde der bunte Bayer Rentagroups Rudolph v. Rivero (Z: Haupt- und Landgestüt Schwaiganger) unter Uwe Schwanz mit 8,0. Nur ein Zehntel dahinter platzierte sich die Hessenstute Anastasia v. Almaz (Z: Inge Berkes, B: ZG Brodhecker) unter Volker Brodhecker als Dritte.

Bei den Sechsjährigen Dressurpferden gingen Gold und Silber an Nicole Casper. Nach einer schönen, soliden Vorstellung auf dem Württemberger Birkhofs Meraldik v. Muenchhausen (Z: Thomas Casper, B: Betz Logistik & Lagerhaus GmbH) lag die Donzdorferin lange mit 8,1 in Führung. Mit dem mehrfachen Titelträger Alassios Boy v. Alassio (Z: Peter Merktle, B: Familie Casper) erhielt sie noch ein Zehntel mehr und wertete damit die Bilanz des Bayerischen Zuchtverbands auf. Die Bronzemedaille ging mit 7,6 an den bayerischen Monteverdi-Sohn Montepiano II unter Matthias Kempkes. Das Paar verpasste damit knapp die Bundeschampionats-Qualifikation im Gegensatz zu Jessica Werndl und dem hochtalentierten Hannoveraner Rotspon-Sohn Renommee, die sich mit ihrem überlegenen Sieg in der Bundeschampionats-Qualifikation für die Sechsjährigen Dressurpferden die Fahrkarte nach Warendorf holten.

In der nicht eben hochklassig besetzten Qualifikation zum Finale des Nürnberger Burgpokals holte sich Dr. Tina von Block auf dem im Süden stets hoch bewerteten und in jungen Jahren mit Championatserfolgen bedachten 8jährigen Bayernhengst Lautrec v. Lord Sinclair. Für ihre solide Vorstellung erhielt die Lebensgefährtin von Uwe Schwanz 69,30 Prozent. Deutlich dahinter mit 68,40 Prozent platzierte sich der mit viel Versammlungsbereitschaft, sehr guter Mechanik und viel Ausstrahlung ausgestattete 8jährige Hannoveraner De Niro-Sohn DAgostino unter dem störend unruhig sitzenden Martin Waldvogel. Bei der Siegerehrung zeigte der strahlende Fuchshengst, dass Piaffen für ihn kein Problem sind. Gute Perspektiven für den Grand Prix-Sport dürfte auch die erst 7jährige drittplatzierte Queeny v. Quattro B haben, die sich unter der von Stefan Münch trainierten Juniorin Victoria Michalke locker und gleichmäßig präsentierte. Dass die Richter für die harmonische, korrekte Vorstellung nur 66 Prozent vergaben, verwunderte manchen.             Sabine Neumann