10 Dinge über das Springsport-Dreamteam Simone Blum und Alice

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Dreamteam: Simone Blum und Alice, hier nach der Nullrunde zum Nationenpreissieg beim CHIO Aachen 2018. (© Pauline von Hardenberg)

Dass Alice zu Belohnung nach einer fehlerfreien Runde eine frische Mango kredenzt bekommt, ist ja inzwischen hinlänglich bekannt. Während der Weltreiterspielen 2018 waren die Südfrüchte ein begehrtes Produkt, denn bislang war Alice in jedem Parcours von Tryon fehlerfrei. Zeit, sich noch ein bisschen genauer mit den beiden Superstars der WM 2018 zu beschäftigen!

Schicksalsjahr 2014

2014 war in jeder Hinsicht ein besonderes Jahr für Simone Blum. Denn 2014 lernte Simone ihren heutigen Verlobten kennen, Hans-Günter „Hansi“ Goskowitz. Ein schwieriges Pferd brachte sie zusammen. Sie verliebten sich. Dann fuhr Hansi los, um ein Pferd auszuprobieren, eine Fuchsstute v. Askari, sieben Jahre jung. Er kam, sah und griff zum Telefon: „Ich habe das perfekte Pferd für Dich gefunden: viel Blut und richtig was drin!“ Jene Fuchsstute kam ein paar Tage zum Ausprobieren, erwies sich als ein Feuerstuhl – ganz nach Simones Geschmack. Sie durfte bleiben. Ihr Name: Alice.

 

Pauline von Hardenberg

Nicht nur Partner, sondern auch Trainer ist Hansi Goskowitz für Simone Blum und Alice. Dass er einen super Job macht, hat man nicht zuletzt gerade wieder in Tryon gesehen. (© Pauline von Hardenberg)

 


Einfach Freude am Springen

Simone sagt heute, sie habe auf den ersten Blick gewusst, dass da etwas Besonderes zwischen ihr und dieser Stute ist. Wer bezweifelt, dass Pferde gerne springen, kennt Alice nicht. Zuhause steht normalerweise nur Gymnastik auf dem Programm. Und klettern im Gelände für die Kraft. Alice liebt Ausritte! So wie sie im Parcours beinahe zu platzen scheint vor Energie, so gechillt ist sie, wenn sie mit Simone im Gelände ihres bayerischen Zuhauses im Münchener Umland spazieren geht. Aber wenn dann nach einer soooo langen Winterpause endlich, endlich wieder das erste Kreuz in der Bahn steht, dann ist Alice wieder die Alte. Anvisieren, Attacke, Abdrücken! Man kann sich ja wenigstens vorstellen, dass da 1,65 Meter stehen! Und damit es nicht nur ein einziges mickriges Hindernis ist, legt Alice danach gleich noch mal ein paar Bocksprünge ein und macht sich ihren eigenen Parcours. Dabei schnaubt sie typischerweise laut und hart, so als sei sie entrüstet über diese unwürdigen Stängelchen, die man ihr da zumutet. Dieses Schnauben hat ihr bei ihrer Reiterin den Spitznamen „kleiner Drache“ eingebracht. Wenn sie nicht gerade die „Else“ ist.

Jacques Toffi

Je dicker die Klamotten, desto größer der Spaß! Hier beim Global Champions Tour-Turnier in Berlin 2017 – man achte auf Simone Blums Gesicht! (© Jacques Toffi)

 

 


Familiensache Pferd

Simone Blum kommt aus einer Pferdefamilie. Zusammen mit Hansi, ihren Eltern, Großeltern, Cousinen und Cousins wohnt sie zusammen auf dem Eichenhof in Zolling unweit von München entfernt. Und 42 Pferde leben hier. Simone Blums Großvater Gustav-Adolf Blum, selbst begeisterter Pferdenarr, hatte den Hof – der einst dem Fix & Foxi-Erfinder Rolf Kauka gehörte – entdeckt und daraus ein Paradies für seine Familie und seine Pferde geschaffen.

Sein Sohn Jürgen war früher international erfolgreicher Vielseitigkeitsreiter. Dessen Frau, Simones Mutter Ulrike, selbst Reiterin und Simones erste Trainerin, kannte das Geschäft also schon. Sie war es auch, die Simone immer zum Turnier begleitet hat. Papa Jürgen musste hingegen zuhause bleiben. „Er bringt mir kein Glück“, lautete damals die Begründung. Doch mittlerweile fiebert auch er mit, wenn seine Tochter im roten Sakko für Deutschland an den Start geht. Oder auch bei anderen Turnieren. Und davon, dass er ihr kein Glück bringt, kann ja nun wirklich keine Rede mehr sein.

Obwohl es bei Alice und Simone schon deutlich mehr als Glück ist, was sie so erfolgreich macht! Die beiden sind ein gewachsenes Team. Und wie Simone sagt: „Sie hat die beste Einstellung, die man sich wünschen kann!“ Ob Alice in Siegeslaune ist, erkennt ihre zweibeinge Partnerin übrigens schon, bevor sie in den Sattel steigt. Dann nämlich, wenn Alice beim Putzen ein bisschen giftig ist, hier und da mal zwickt und mit den Hufen aufstampft. Dann ist sie in der „Wann-geht’s-endlich-los-Laune“. Und in dieser Laune lehrt sie die Konkurrenz regelmäßig das Fürchten.

Pauline von Hardenberg

Simones Mutter Ulrike ist selbst Reiterin und war die erste, die ihrer Tochter Reitunterricht gegeben hat. (© Pauline von Hardenberg)


Ein Wunderpferd für 1500 Euro

Die Energie, die ihr in Tryon half, als einziges Pferd in beiden (wirkllich schweren!) Nationenpreisrunden fehlerfrei zu bleiben, war als junges Pferd eher Fluch als Segen. Zumindest für diejenigen, die mit ihr umzugehen hatten. Als Absetzer hätte man sie für 1500 Euro kaufen können. So es denn gelungen wäre, ihr ein Halfter überzustreifen. Es hat Simone Blum viel Geduld, Zeit und Hingabe gekostet, bis sie Alice‘ Temperament kanalisieren und für sich nutzen konnte. Der Durchbruch kam 2017. Damals wurden die beiden Deutsche Meister in Balve, durften in Aachen an den Start gehen und belegten auf Anhieb Rang drei im Preis von NRW, vertraten die deutschen Farben beim Nationenpreisfinale in Barcelona und wurden hinter Christian Ahlmann Zweite beim Global Champions Tour Springen in Berlin.

Pauline von Hardenberg

Es hat gedauert, bis ihr Temperament in die richtigen Kanäle geleitet werden konnte, nun geht Simone Blum mit Alice als Führende ins Finale der Einzel-WM 2018! (© Pauline von Hardenberg)


Alice ist unverkäuflich!

Wenn ein Pferd in einer derartigen Souveränität von Sieg zu Sieg springt, weckt das natürlich Begehrlichkeiten. Es sei teilweise schon unerträglich gewesen, verrät Familie Blum. Simone und Alice hatten noch nicht einmal den Parcours nach einem Springen verlassen, da klingelte schon das Telefon. Aber Alice ist unverkäuflich. Sie bleibt. Sie ist ein Simone-Blum-Pferd.

Pauline von Hardenberg

Ein sehr spezielles Verhältnis haben Alice und Simone Blum zueinander. Und wer Zweifel hat, ob Pferde Mangos mögen – Simone schält hier gerade eine für Alice Superstar. (© Pauline von Hardenberg)


Akademikerin

Eigentlich wollen Simone und Hansi eines Tages den elterlichen Betrieb übernehmen. Simone hat allerdings auch Vorsorge getroffen, falls es doch mal anders kommt: Sie hat nämlich einen Master in Biologie und Chemie. Ihr Studium – in Kombination mit Pädagogik – absolvierte sie an der TU München.

 


Lebensmittelpunkt Alice

Alice ist schon eine kleine Diva. Sie steht gerne im Mittelpunkt. Und Simone Blum gibt unumwunden zu: „Ohne Alice wäre ich nicht da, wo ich jetzt bin!“ Und da Alice erst elf Jahre alt, also im besten Alter ist, wird sie ihre zweibeinige Freundin wohl auch noch ein Weilchen auf Trab halten.

Alice war schon immer mein Herzenspferd. Dadurch, dass sie so speziell ist, haben wir eine besondere Verbindung.

Simone Blum über ihre Beziehung zu Erfolgspferd Alice

Pauline von Hardenberg

Ausreiten – eine von Alice‘ Lieblingsfreizeitbeschäftigungen. (© Pauline von Hardenberg)


Der Leitfuchs, das Idol

Simone Blum war auch schon vor Alice eine leidenschaftliche Springreiterin. Sie hatte sich auch im Busch versucht und wurde mit 12 Jahren sogar bayerische Meisterin. Aber auf Dauer sei ihr die Vielseitigkeit zu gefährlich gewesen. Sie konzentrierte sich also auf die bunten Stangen. Und hatte ein großes Vorbild: Marcus Ehning. Jetzt mit ihn Seite an Seite um Medaillen zu reiten, „ja, das ist schon cool!“

Pauline von Hardenberg

Das Erfolgsteam aus Tryon – Marcus Ehning war immer Simone Blums Vorbild. Nun reitet sie mit ihm Seite an Seite in einer Mannschaft. (© Pauline von Hardenberg)

 


Jedes Ding an seinem Ort …

Simone Blum sitzt rund fünf Stunden täglich im Sattel. Und dann? „Ich kümmere mich auch gerne um den Hof und den Stall. Da bin ich ziemlich pingelig. Ich möchte, dass alles ordentlich und sauber ist!“ In der Tat: Kein Strohhalm liegt auf der Gasse des Turnierstalls. Die Decken in der mit Holz vertäfelten Sattelkammer ruhen Kante auf Kante sauber gefaltet im Regal, ebenso die Schabracken. Im Materialschrank hat alles seinen Platz. Und wenn sich ein hinter Alice Ohren ein paar störende Härchen verirrt haben, werden die gnadenlos mittels Schermaschine eliminiert. Auch für die Startaugliche Frisur sorgt Simone am liebsten selbst.

Pauline von Hardenberg

Die Sattelkammer im Turnierstall Blum – sauberer und ordentlicher als anderswo das Wohnzimmer


Familie Alice

Alice ist über ihren Vater Askari eine Ur-Ur-Ur-Enkelin des Linienbegründers Almé Z. Ihre Mutter Landblume geht über Landrebell auf Landgraf zurück, kommt aber aus einem Brandenburger Stamm. Der Züchter ist Ralf Mewes. Alice sei dank hat er inzwischen einen internationalen Bekanntheitsgrad erreicht. Und züchtet mit Alice Mutter auch weiter. Alice hat noch sechs Halbgeschwister v. Cordess, Cinsey, Monte Bellini und Levisto Z. Und sie hat auch eine Vollschwester. Die soll demnächst ebenfalls auf dem Eichenhof Einzug halten.

„Wir hoffen natürlich, dass sie genauso wird wie Alice. Aber selbst bei Geschwistern weiß man das ja nie. Wahrscheinlich lassen wir sie aber auch erst mal ein Fohlen bekommen“, berichtet Simone Blum von ihren Plänen.

Simone Blum ist keine, die sich Zukunftsfantastereien ergeht. Noch Ende letzten Jahres sagte sie: „Dieses Jahr lief es super, aber das kann nächstes Jahr schon ganz anders sein.“ In einer Sache hat sie die Zukunft allerdings schon fest im Visier: Eines Tages wird Alice ein Fohlen haben. Und Simone weiß auch schon, von welchem Hengst: Nick Skeltons Big Star, dem Olympiasieger von Rio. Auf das Ergebnis dürfen die Parcoursbauer der Welt gespannt sein!

Pauline von Hardenberg

Nick Skeltons Big Star soll eines Tages der Vater von Alice‘ Fohlen werden. (© Pauline von Hardenberg)

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