60 Jahre Hubertus Schmidt – 10 Dinge über den Reitmeister und Meister-Ausbilder

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Mannschaftsolympiasieger, Reitmeister, Fußballfan – Hubertus Schmidt ist ein Mann für alle Fälle! Ein Portrait über den Reiter, Trainer und Ausbilder, der weiß, was Pferde wirklich wollen. St.GEORG wünscht alles Gute zum 60. Geburtstag!

Vom Rollrasen ins Viereck

Bis er 18 Jahre alt war, stand Hubertus Schmidt regelmäßig selbst auf dem Fußballplatz. Zuletzt stärkte er als Torwart seiner Mannschaft den Rücken. Doch schließlich erkannte Schmidt, dass sein Ehrgeiz im Reitsport doch größer war. Kein Wunder, Hubertus Schmidt kommt aus einer Pferdefamilie.

Sein Vater betrieb den Fleyenhof (= Fohlenhof) in Borchen-Etteln vor den Toren Paderborns in Ostwestfalen. Eine Flut im Jahr 1965 wurde dem Reitbetrieb zum Verhängnis. Doch es wurde ein neuer Fleyenhof gebaut, aus dem bis heute Dutzender Grand Prix-Pferde hervorgegangen sind, alle unter der Ägide von Hubertus Schmidt.

Ausbilder des Reitmeisters war der ehemalige Vorsitzende der Bundesvereinigung der Berufsreiter (BBR), Hans-Georg Gerlach. Das war 1978.

1987 konnte Schmidt zudem seinen ersten Grand Prix bestreiten, damals mit Playboy, dem Pferd, das ihm auch zu seinem ersten Sieg in einer Dressurprüfung der Klasse S im Jahr 1984 verholfen hatte.

Als sein großes sportliches Ziel hatte Schmidt einst angegeben: „einen Grand Prix gewinnen“ …

Schreiner

Hubertus Schmidt und Imperio, München Pferd International 2017 (© Schreiner)


Vom Viereck ins Stadion

Seine Vorliebe für den Fußball hat Hubertus Schmidt übrigens nie wirklich abgelegt. Ganz zur Freude seines Sohnes Nicolas, der wiederum mit Pferden wenig anfangen kann. Gemeinsam fahren die zwei daher regelmäßig ins Stadion – und zwar ganz wie es sich für waschechte Ostwestfalen gehört, zu Arminia Bielefeld. Oder aber, wenn sie mal ganz nah dran sein und die Lokalmatadoren unterstützen wollen, zum Spiel vom Sportverein Blau-Weiß Etteln.


Ohne Doris geht es nicht!

1978 lernte Schmidt seine Frau Doris kennen – in der heimischen Reitschule, wo auch sonst. Vier Jahre später läuteten die Hochzeitsglocken für das Paar. 1987 kam dann sein Sohn Nicolas auf die Welt, im Jahr des Mauerfalls seine Tochter Inga.

Gattin Doris ist übrigens eine stete Konstante an Hubertus Schmidts Seite, die gute Seele, Korrektiv und lebenslange Liebe. Als sie 2011 an Krebs erkrankte, verkaufte Schmidt sein damaliges Spitzenpferd Donnelly in die USA, um seiner Doris voll und ganz beistehen zu können. Gemeinsam haben sie die Krankheit besiegt.

Stefan Lafrentz

Hubertus Schmidt und seine Frau Doris sind ein eingespieltes Team. (© Stefan Lafrentz)

 


Wansuela suerte – Das Pferd für den ganz großen Durchbruch

www.toffi-images.de

Wansuela suerte und Hubertus Schmidt bei der WM in Aachen 2006. (© www.toffi-images.de)

Von der Verdener Auktion kam „die Freundliche“, wie Wansuela suerte übersetzt heißt, in Hubertus Schmidts Stall. Fünf Jahre alt war die Warkant-Tochter damals. Die „hoch talentierte, sehr sensible und häufig übereifrige“ Stute – so Schmidt – war es, die den Reitmeister zu den bisher größten Erfolgen seiner Karriere trug: Teamgold und der fünfte Platz in der Einzelwertung bei Olympia 2004 in Athen, Teamgold und Silber in der Einzelwertung bei den Europameisterschaften 2005 in Hagen, Teamgold bei den Weltmeisterschaften 2006 in Aachen.


Reitmeister und Meistertrainer

Pauline von Hardenberg

Hubertus Schmidt beim Training für den Pikeur Talents Club. (© Pauline von Hardenberg)

„Pferde gehen am liebsten auf die Wiese, da müssen wir uns nichts vormachen“, sagte Schmidt einmal ganz pragmatisch dem St.GEORG-Magazin, „aber man kann sie doch so ausbilden, dass sich alles ohne viel Aufwand machen lässt.“

Das ist auch das Credo, das Schmidt seinen Schülern weitergibt. Zu den bekanntesten Eleven, die von Borchen-Etteln aus den Sprung in den großen Sport geschafft haben, zählen die Finnin Emma Kanerva, die ihr Land schon bei zahlreichen Championaten vertreten hat, sowie Marcus Hermes, derzeit Bereiter auf dem Freiberger Hof.

Übrigens: Auch als Olympiasieger stand Hubertus Schmidt noch regelmäßig abends in der Reithalle und gab den Einstellern des Fleyenhofs Gruppenunterricht, egal, ob E-, A- oder L-Niveau. Und wenn in Borchen-Etteln Turnier ist, sieht man ihn auch schon mal selbst beim Würstchen Brutzeln.


Möglichst wenig Aufwand

Rüchel

Immer besser von Turnier zu Turnier: Denoix unter Hubertus Schmidt. (© Rüchel)

Wenig Aufwand, das ist Hubertus Schmidt wichtig, wenn es um seine eigene Person gehen soll. Aber in Bezug auf die Reiterei, und zwar nicht nur in der Ausbildung. Auch beim Pferdekauf gilt für ihn: Elastizität vor Lampenaustreter. Das Pferd „muss mit seinem Körper umgehen können“, im Trab gut durch den Körper schwingen. Und eine gute Portion Sensibilität darf nicht fehlen. Darauf schaut Hubertus Schmidt, auf dieser Grundlage kann er aufbauen – und bildete so schon über 70 Pferde von der Remonte bis zum Grand Prix-Level erfolgreich aus.

Ein weiterer Leitsatz in der Ausbildung von Schmidt: „In der Ruhe liegt die Kraft.“ Hubertus Schmidt gibt seinen Pferden Zeit zum Reifen, wie er z.B. in diesem Jahr mit Denoix eindrucksvoll unter Beweis stellte. Mit dem erst siebenjährigen Hengst v. Destano gelang ihm souverän der Sieg in der Qualifikation zum Nürnberger Burgpokal-Finale in Verden – vier Monate zuvor ging das Pferd erstmals eine S-Dressur.

Übrigens, was er von Rollkur & Co. hält, fasst Hubertus Schmidt kurz und knapp so zusammen:

Das kann doch keinen Spaß machen!

 


Platzierungen sind nicht das Wichtigste

Niederlage ist, wenn das Pferd schlecht gegangen ist.

Das sagte Hubertus Schmidt gegenüber dem St.GEORG bereits vor rund 15 Jahren. Platzierungen rücken in den Hintergrund, wenn die vierbeinige Sportpartner schlecht drauf sind. Das macht Schmidt szu schaffen.

Besonders sein aktuelles Spitzenpferd Escolar hat ihn da manches Mal auf die Probe gestellt, ist der Westfale doch eben ein echter Hengst, der in früheren Zeiten häufig andere Dinge im Kopf hatte als Pirouetten und Fliegende Wechsel. Aber immer hatte Schmidt Verständnis für das vierbeinige Ausnahmetalent, nie wurde er ungeduldig. Das hat sich ausgezahlt. In Balve zeigte Escolar schon mal, was in ihm steckt: „Dieses Pferd ist eine Rakete“, freute Hubertus Schmidt sich nach einem super Grand Prix Special.

Er vergeudet seine Zeit generell nicht damit, sich über Wertungen der Richter zu echauffieren. Er konzentriert sich auf seine Vierbeiner. So, wie beim Finale des Nürnberger Burg-Pokals 2017, wo sein Escolar nach einer fantastischen Runde „nur“ Zweiter geworden war – sehr zum Missfallen des Publikums. Aber Hubertus Schmidt wusste, seine Zeit würde kommen mit dem Estobar-Sohn. Hauptsache keine Schrittpirouetten mehr, wie sie im Burg-Pokal verlangt werden („Das habe ich ihm versprochen!“). Die stellten Escolars Geduld gehörig auf die Probe. Er steht mehr auf volle Kraft voraus – so, wie sein Reiter auch manchmal.

von Korff

Escolar unter Hubertus Schmidt beim Finale des Nürnberger Burg-Pokals 2017 in Frankfurt. (© von Korff)


Schmidt kann auch anders

1989 gab es für den Reitmeister seine erste Platzierung in einem Springen der Klasse S. Zu dieser Zeit nahm Hubertus Schmidt regelmäßig im Springsattel Platz, auch auf Turnieren. Letztlich fokussierte er sich aber dann doch voll und ganz auf das Dressurviereck. Mit Springpferden sei ihm die Arbeit zwischen den Turnieren schlicht und ergreifend zu langweilig gewesen.


Denkmal gesetzt

Mit der Ernennung zum Reitmeister im Olympischen Jahr 2004 hat Hubertus Schmidt etwas geschafft, was vor ihm noch keiner schaffte. Die Auszeichnung wurde ihm während seiner noch aktiven Karriere verliehen. Und nach dem echten Lorbeer auf seinem Kopf für das Mannschaftsgold in Athen 2004, folgte im Jahr 2008 die Auszeichnung mit dem Silbernen Lorbeerblatt. Das ist die höchste sportliche Auszeichnung, die einem in Deutschland verliehen werden kann.

Aktuell befindet sich Hubertus Schmidt übrigens mit Escolar im Olympia-Kader.

von Korff

Hubertus Schmidt und Escolar im Grand Prix Special bei der DM Balve 2019 (© von Korff)


Ohne Pferdestärken geht es nicht

Hubertus Schmidts Leidenschaft sind die Pferde. Aber sein liebstes Hobby hat deutlich mehr PS. In seiner Freizeit tauscht der Ostwestfale den Zylinder gegen einen Motorradhelm und dann geht es – nicht selten mit Gattin Doris auf dem Sozius – auf die Landstraße.


Wir gratulieren der Ausbilder-Ikone, die wir dankenswerterweise zu unserem Experten-Team zählen dürfen von Herzen zum Geburtstag und wünschen alles Gute! Auf bald am Viereck!

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