80 Jahre Klaus Balkenhol – 10 Einblicke in das Leben des Reitmeisters

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Dablino sechsjährig unter Klaus Balkenhol. Damals war es noch üblich, ohne Helm zu reiten. (© Toffi)

Europameister, Weltmeister, Olympiasieger – Klaus Balkenhol hat eine eindrucksvolle Karriere im Dressursport hingelegt, gesäumt von unzähligen Erfolgen auf selbst ausgebildeten Pferden. Als Trainer verhalf er seinen Schülern ebenfalls zu hochkarätigen, internationalen Erfolgen. Heute wird Klaus Balkenhol 80 Jahre alt – der St.GEORG wünscht alles Gute zum Geburtstag!

Maria und Josef bekommen am 6. Dezember ein Kind…

und nennen es – passend zum Nikolaustag – Klaus. Seine Eltern führten einen landwirtschaftlichen Betrieb auf Gut Ross. Das Gut ist der Geburtsort aller vier Kinder der Eheleute Balkenhol. Klaus kommt in Velen im Münsterland als drittes von vier Geschwistern am 6. Dezember 1939 zur Welt.

Klaus Balkenhol erinnert sich an eine Kindheit, die überwiegend sehr glücklich war. Zwar wurde im Zweiten Weltkrieg laut Klaus Balkenhol versucht, den Hof zu zerbomben. Aber er wurde zum Glück nicht getroffen.

Auf Vierbeinern das Reiten lernen

Klaus Balkenhol wollte früh aufs Pferd und auf den Acker und hatte bereits als kleines Kind viel Kontakt zu Tieren. „Wir hatten eine sehr glückliche Kindheit“, sagt er. Auf Gut Ross waren viele unterschiedliche Tierarten beheimatet. So fanden seine Reitkünste ihren Anfang nicht etwa auf Pferden, nein: Der spätere Olympiasieger ritt auch auf Schafen und Bullen, ehe er sich dann auf Pferde beschränkte.

Und diese Pferde waren echte Allrounder. Tagsüber verrichteten sie ihre Arbeit auf dem Feld, abends wurden sie von Balkenhol gesattelt und im benachbarten Reitverein Springen, Dressur oder auch Vielseitigkeit geritten. Zu den Reitlehrern zählte damals unter anderem Paul Stecken.

Vom Polizeihauptmeister zum Olympiasieger

Nach seiner landwirtschaftlichen Lehre auf dem elterlichen Hof und einem weiteren Betrieb schlug Klaus Balkenhol beruflich neue Wege ein. Er begann eine Ausbildung bei der Polizei. Im Alter von 38 Jahren, nach Stationen in Köln, Wuppertal und Düsseldorf, griff der Hauptmeister der Polizeireiterstaffel, Klaus Balkenhol, zum Telefon und wählte die Nummer der Deutschen Reiterlichen Vereinigung in Warendorf – nichtsahnend, dass das den Beginn seiner wohl einzigartigen Karriere bedeuten sollte. Zu diesem Zeitpunkt war er schon mit seiner Frau Judith verheiratet.

Mit seinem Streifenpferd Rabauke wollte er einmal an einem Lehrgang teilnehmen. Und er kam, sah und beeindruckte: nämlich den damaligen Bundestrainer Willi Schultheiß. „Klaus Balkenhol und seinen Rabauke rechne ich zu den acht besten Paaren in Deutschland!“, so das Resümee von Schultheiß damals.

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v.l. Klaus Balkenhol zu Jugendzeiten, Klaus Balkenhol und Rabauke (© www.balkenhol.org)

Der Bundestrainer zögerte nicht lange und verfasste einen Brief an das Innenministerium der BRD. Der erhoffte Effekt ließ nicht auf sich warten: Ab sofort hatte Klaus Balkenhol die offizielle Genehmigung, mit seinem Rabauke auf internationalen Turnieren weltweit in das Dressurviereck einreiten zu dürfen. Vorher war es Polizeipferden, „Dienstpferden“ verboten, mehr als fünf nationale Turniere pro Jahr zu bestreiten.


PODCAST

www.st-georg.de und Jacques Toffi

Podcast Klaus Balkenhol zum 80ten Geburtstag (© www.st-georg.de und Jacques Toffi)

St.GEORG Chefredakteur hat Klaus Balkenhol kurz vor dessen 80. Geburtstag in Rosendahl-Osterwick getroffen. Sie sprachen über eine frühe Jugend mit Fliegeralarm, das Reiten von Schafen und Bullen und wie eine Blutvergiftung Klaus Balkenhol beinahe vom Reiten hätte Abstand nehmen lassen. Außerdem: Klaus Balkenhol als Landwirt und Pferdezüchter und warum „Liebeslust“ für ihn lebensbestimmend werden sollte. Den Podcast können Sie hier hören.


Vom Polizeipferd zum Dressurcrack

Rabauke und sein Reiter zeigten fortan, was in diesem Paar steckte. Sie wurden Deutscher Vizemeister der Dressurreiter im Jahr 1979 und zählten zum Perspektivkader für Olympia.

Doch wer hoch fliegt, kann auch tief fallen… Bei der Sichtung für die Olympischen Spiele 1980 in Balve verletzte sich Rabauke so schwer, dass er aus dem Dressursport herausgenommen werden musste. Er verrichtet aber weiterhin seinen Dienst bei der Polizeireiterstaffel in Düsseldorf, bis er am 8. Mai 1985 vom Innenminister des Landes Nordrhein-Westfalen, Dr. Herbert Schnoor, in den Ruhestand versetzt wurde.

Seine Rente durfte Rabauke auf einem Bauernhof im Münsterland verbringen – Seite an Seite mit seinem Spielkameraden namens Muskatnuss, „Nuss“, einem Shetlandpony. Rabauke wurde bei Balkenhols fast dreißig Jahre alt.

Die goldene Ära mit Goldstern

Im Jahr 1981 erkannten Klaus Balkenhol und sein V0rgesetzter Werner Vatter das Talent eines kleinen Westfalen, ein Fuchs v. Weinberg: Goldstern. Balkenhol und Vatter sind sich einig: „Er ist zwar ein kleines Pferd, kann aber mal ein ganz großer werden.“ Goldstern wird nach Düsseldorf zur Reiterstaffel geholt.

Die Anfänge seiner dressurmäßigen Ausbildung gestalteten sich schwierig, weil Goldstern wohl ein nicht ganz einfaches Temperament besaß. Goldi sei halt ein „Seelchen“, das sich immer wieder etwas Neues einfallen lasse, um Blödsinn zu machen, sagte Klaus Balkenhol dem St.GEORG Magazin 1991. Aber Klaus Balkenhol bewies einmal mehr sein Gespür für die Dressurausbildung von Pferden.

Karl-Heinz Frieler

Klaus Balkenhol mit Goldstern. (© Karl-Heinz Frieler)

Behutsam und geduldig führte Balkenhol das junge Pferd an die schweren Lektionen heran. Und das dankte ihm Goldstern mit zunehmendem Alter und der damit einhergehenden Reife – immerhin wurde auch Goldstern nebenbei stets noch als Dienstpferd eingesetzt, lief beispielsweise bei Karnevalsumzügen oder Heimspielen von Fortuna Düsseldorf zwischen den Fußballfans mit.

Bereits 1989 errang das Duo Balkenhol-Goldstern die ersten Grand Prix-Siege. 1990 folgte der Vizetitel bei der Deutschen Meisterschaft der Dressurreiter in Mannheim. Ein Jahr später war es dann soweit: Klaus Balkenhol wurde mit Goldstern erstmals Deutscher Meister.

Und das war der endgültige Startschuss für eine schillernde Karriere des Paars. Der Weinberg-Sohn und sein Reiter Klaus Balkenhol wurden konstant besser und besser. Bei der Europameisterschaft in Donaueschingen bekommt Balkenhol für seine Kür mit Goldstern die Silbermedaille um den Hals gehängt. Mit der Mannschaft holen sie Gold.

1992 setzen sie noch einen drauf: Bei den Olympischen Spielen in Barcelona gibt es Gold in der Mannschaftswertung und die Bronzemedaille im Einzel. Die Liste kann man in etwa so weiter fortführen:

· 1992: Deutscher Meister mit Goldstern

· 1993: Deutscher Meister und Mannschafts-Europameister mit Goldstern

· 1994: Mannschaft-Weltmeister und Vize-Weltmeister Einzel/Kür mit Goldstern

· 1995: Deutscher Meister, Mannschafts-Europameister und der 6. Platz im Einzel mit Goldstern

· 1996: Mannschafts-Olympiasieger und 6. Platz in der Einzelwertung in Atlanta mit Goldstern

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Klaus Balkenhol und Goldstern in der Piaffe-Passage-Tour. (© St.GEORG Archiv)

Noch im Olympischen Jahr 1996 wechselte Klaus Balkenhol vom aktiven Reitsport in die Funktion als Bundestrainer der Dressurreiter. 1999 stellte er den imposanten 18-jährigen Fuchswallach Goldstern zum Abschied ein letztes Mal einem begeisterten Publikum vor.

Ausgezeichnet!

Klaus Balkenhols sportliche Verdienste sind auch über die Reiterwelt hinaus aufgefallen. Im Jahr 1992, in dem er erstmals Olympisches Gold mit der Mannschaft gewann, wurde er vom damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker mit dem Silbernen Lorbeerblatt ausgezeichnet. Das ist die höchste sportliche Auszeichnung, die Bürgern in Deutschland zu Teil werden kann.

Im gleichen Jahr wurde die Dressurequipe von Olympia 1992 zudem mit einem Bambi ausgezeichnet.

1997 wurde Klaus Balkenhol der Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen verliehen. Balkenhols Vorgesetzter bei der Polizei, Hauptkommissar Werner Vatter, blickte bereits 1991 mit Stolz auf seinen Polizeihauptmeister. Immerhin hatte der zum damaligen Zeitpunkt bereits fünf Pferde der Düsseldorfer Einheit bis zum Grand Prix-Niveau ausgebildet. Das sei dem Ansehen der Düsseldorfer Polizei insgesamt sehr zuträglich gewesen, sagt der Vorgesetzte.

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Klaus Balkenhol und Goldstern. (© St.GEORG Archiv)

Abgerundet wurden die Auszeichnungen für Klaus Balkenhol im Jahr 2011. Ihm wurde der Titel des Reitmeisters zu Teil, der laut der Deutschen Reiterlichen Vereinigung e.V. (FN) für „herausragende Leistungen im Sattel, langjährige herausragende Ergebnisse als Ausbilder von Spitzenreitern und -pferden sowie nachahmenswertes Engagement für den Reitsport verliehen“ wird. Diesen Titel tragen auch Reitsport-Ikonen wie Ingrid Klimke, Dorothee Schneider , Michael Jung oder Hubertus Schmidt.

 

Olympiasieger made by Balkenhol

Dass Klaus Balkenhol nicht nur Pferdeausbildung vom Sattel aus beherrscht, sondern auch vom Boden aus in Gestalt eines Trainers, hat er mehrfach unter Beweis gestellt. In seiner Tätigkeit als Bundestrainer holte Balkenhol mit der deutschen Dressurequipe zwischen 1996 und 2000 zwei Mal Olympisches Mannschaftsgold.

Ab 2001 übernahm er das Amt des National Coach bei der Dressurmannschaft der US-Amerikaner. Und verhalf ihnen zu Mannschaftsbronze bei den Olympischen Spielen von Athen 2004 und zu Mannschaftssilber bei den Olympischen Spielen von Peking (Hongkong) 2008. 2006 ritt die Dressurequipe der USA bei den Weltreiterspielen in Aachen zu Mannschaftssilber.

Nadine Capellmann und ihr Farbenfroh trainierten ebenfalls bei Klaus Balkenhol. 2002 wurde das Paar im spanischen Jerez de la Frontera Doppel-Weltmeister.

Auch die britische Dressurreiterin Laura Tomlinson, geborene Bechtolsheimer, profitierte bereits in jungen Jahren vom Know How Balkenhols. Der Reitmeister war maßgeblich an ihren Erfolgen bei den großen Championaten beteiligt. Bechtolsheimer gewann drei Silbermedaillen bei den Weltreiterspielen von Kentucky 2010 sowie Mannschaftsgold und Einzelbronze bei der Europameisterschaft in Rotterdam. Außerdem zählte sie zu dem britischen Team, das 2012 in London Olympiasieger wurde.

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Klaus Balkenhol ist als Trainer begabt und gefragt. Hier in Gesellschaft des St.GEORG-Chefredakteurs Jan Tönjes. (© www.toffi-images.de)

Es reiht sich Erfolg an Erfolg, doch eine Reitschülerin ist besonders hervorzuheben.

 

Dablino und Anabel – „Dablinchen“ und „Belli“

Die Tochter von Klaus Balkenhol hat die Leidenschaft für Pferde in die Wiege gelegt bekommen. So war sie bereits in jungen Jahren erfolgreich in Dressurprüfungen unterwegs. Gecoacht zunächst vor allem von ihrer Mutter Judith.

2009 trat der große Hannoveraner Fuchswallach v. De Niro in das Leben der Balkenhols. Sechsjährig entdeckt Klaus Balkenhol ihn im Stall von Arnd Bunge in Bad Salzuflen. Zunächst reitet ihn Holga Finken, später fällt die Entscheidung, dass Tochter Anabel Dablino übernimmt. „Ich hatte zu diesem Zeitpunkt so viel Pech mit meinem Pferden, dass mein Vater es nicht übers Herz gebracht hat, Dablino zu verkaufen“, berichtet Anabel Balkenhol. Zum Glück, wie sich noch herausstellen sollte.

„Wenn er was nicht mochte, hat er kehrt gemacht“, erzählt Klaus Balkenhol. Dablino war ein sehr charakterstarkes Pferd, gleichzeitig aber auch hier und da sehr ängstlich. Aber er hatte Potenzial. Er musste nur die Ängste verlieren, die er so hatte. Trotz seiner 1,76 Metern Stockmaß wurde er gerne als „Hasenherz“ bezeichnet.

Aber die Familie hielt zusammen und förderte den „Zappelphilipp“ mit der nötigen Geduld. Und das dankte ihnen der Fuchs mit seinen Leistungen.

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Familie Balkenhol mit Dablino 2018. (© www.toffi-images.de)

Zu den Höhepunkten der Karriere dieses Paars zählte der Sieg im Grand Prix Special bei der Deutschen Meisterschaft im Jahr 2010 sowie Mannschaftsbronze bei den Weltreiterspielen in Kentucky im gleichen Jahr. 2012 nahm das Paar an den Olympischen Spielen in London teil.

Es folgten zahlreiche vordere Platzierungen und Siege in Grand Prix, ehe der große Fuchs Ende 2018 aus dem Sport verabschiedet wurde. Fortan durfte er seine Rente bei den Balkenhols verbringen.

Leider war ihm das nicht lange vergönnt, im Februar 2019 verstarb Dablino plötzlich an einer Art Schlaganfall. Für die Familie ist das bis heute ein großer Verlust. „Wir hätten ihm einfach noch gerne 15 Jahre auf der Weide gegönnt.“

Ludwiga von Korff

Anabel Balkenhol und Dablino (© Ludwiga von Korff)

 

Xenophon-Gründer

Mindestens den St.GEORG-Lesern sollte der Begriff Xenophon ein Begriff sein. Aber im Grunde jedem Reiter, dem ein fairer Umgang mit dem Pferd und harmonisches Reiten wichtig ist. 2006 gründete Klaus Balkenhol mit andern den Verein Xenophon e.V., die Gesellschaft für Erhalt und Förderung der klassischen Reitkultur. An seiner Seite waren dabei Hans-Heinrich Isenbart und Gerd Heuschmann. Der Verein setzt sich für einen fairen Umgang mit dem Pferd ein – auch im Leistungssport. Zum Jahreswechsel 2012/2013 zog sich Balkenhol aus dem Vorstand zurück.

Reite zu deiner Freude!

Diesen Spruch auch in die Realität umzusetzen ist Klaus Balkenhol seit jeher ein Anliegen. So gab er nach seinem Vizetitel bei den Deutschen Meisterschaften 1979 dem St.GEORG gegenüber bereits an: „Viele Leute erwarten von mir schon viel zu viel. Ich reite wirklich nur, weil es mir Spaß macht.“

Julia Rau

Klaus Balkenhol mit Dablino auf der Reitanlage Balkenhol in Rosendahl. (© Julia Rau)

Lieber Klaus Balkenhol, die Freude an guter Reiterei sieht und merkt man Dir bereits über Jahrzehnte an! Der St.GEORG wünscht von Herzen alles Gute zum 80. Geburtstag!

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