900.000 Euro-Klage gegen Hof Kasselmann: Weitere Verhandlung steht bevor

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Symbolbild (© www.st-georg.de)

2015 berichteten wir erstmals, dass eine Dressurreiterin aus der Schweiz den Hof Kasselmann verklagt hat, weil man ihr dort für sehr viel Geld ein lahmes Pferd verkauft hat. So jedenfalls sieht sie das. Ob dem wirklich so war, soll am Freitag vor Gericht geklärt werden.

Die Angelegenheit zieht sich nun schon knapp zwei Jahre hin. Grund dafür sei unter anderem, dass das Gutachten der Tierärztlichen Hochschule Hannover (TiHo) unerwartet lange auf sich warten ließ, berichtet die Neue Osnabrücker Zeitung. Demnach sei eine letzte Frist für die Erstellung des Gutachtens gesetzt und ein Ordnungsgeld bei Verstreichen der Frist angedroht worden.

Das Gutachten sei dann vorgelegt worden, habe aber Fragen offen gelassen. Deshalb sei die Akte noch einmal an die Gutachterin zurückgegangen. Das Ergebnis war aber wohl immer noch nicht zufriedenstellend, so dass die Sachverständige zur Verhandlung des Zivilprozesses am Freitag am Osnabrücker Landgericht geladen wurde.

Darüber hinaus sollen zwei Zeugen vor Gericht erscheinen, die sich zu dem Gesundheitszustand des Pferdes vor dem Verkauf äußern sollen. Einer der Zeugen sei Tierarzt, so die NOZ.

Was geschehen war

Im September 2013 hatte eine Schweizer Dressurreiterin den Hannoveraner Londontown S v. Londonderry für 750.000 Euro erworben. Inklusive Steuern waren das 892.500 Euro. Die Käuferin ist überzeugt, der Wallach sei schon zum Zeitpunkt des Kaufes nicht gesund gewesen. Sie habe schon damals eine Schwellung am rechten Vorderbein bemerkt gehabt und dies auch bei der Ankaufsuntersuchung angemerkt. Man habe ihr daraufhin versichert, es handele sich bei der Schwellung um eine harmlose Galle. Bei der Ankaufsuntersuchung war auch eine Verkalkung am Nackenband festgestellt worden. Ein Stück davon sei abgebrochen gewesen, hieß es damals.

Den Vorschlag seitens der Hof Kasselmann GmbH, den Wallach zur gerichtlichen Beweisaufnahme zurück nach Hagen auf die Anlage Kasselmann zu stellen, lehnte die Klägerin ab. Auch ließ sie sich nicht auf ein Mediationsverfahren ein. Sie möchte eine Rückabwicklung des Kaufs. Darum wird es morgen vor dem Landgericht Osnabrück gehen.

Über Londontown S

Londontown S ist ein inzwischen 13-jähriger Sohn Sohn des Londonderry aus einer Lungau-Brentano II-Mutter. Anja Sender aus Quernheim hat ihn gezogen. Nach Turnierstarts mit den Bereitern des Hofes Kasselmann – unter anderem beim Bundeschampionat der fünfjährigen Dressurpferde – ging er auch unter Christoph Koschel. Mit ihm hatte der Wallach seine letzten Erfolge. Koschel stellte Londontown 2011 erfolgreich auf M-Ebene vor und ritt noch im selben Jahr die erste S-Dressur mit ihm, Platz drei. Die Saison 2012 verlief ähnlich erfolgreich. 2013 ging der Wallach erstmals auf Grand Prix-Ebene und war prompt siegreich. Beim Weltreiterverband FEI ist er zwar eingetragen, allerdings aktuell nicht registriert und ohne Ergebnisse.