Nachricht von Nia: „Bitte achtet auf eure Mitmenschen!“

Vor einigen Monaten haben wir im St.GEORG schon einmal über Nia Landers berichtet. Aufgrund eines Herzfehlers gehört die 22-Jährige selbst zu den Menschen, für die das Coronavirus besonders gefährlich ist. Daher hat sie nun eine große Bitte an alle Reiter – siehe Video!


Im St.GEORG 12/2019 haben wir Nia als unseren „Mensch des Monats“ vorgestellt. Wer die Ausgabe verpasst hat, kann das Heft versandkostenfrei über unseren Shop bestellen. Die Geschichte von Nia gibt es hier noch einmal zum Nachlesen:


#mitherzenimsattel

Strahlendes Lächeln, lange blonde Haare, schlanke Figur: Auf den ersten Blick sieht man Nia nicht an, wie krank sie ist. Bei einem routinemäßigen Arztbesuch – damals war Nia vier Jahre alt – stellten die Ärzte Herzgeräusche bei ihr fest. Im Krankenhaus fand man ein Loch in der Herzscheidewand und eine vergrößerte rechte Herzhälfte, die wiederum schuld daran ist, dass Nia unter Bluthochdruck in der Lunge leidet und nur 75 Prozent Sauerstoffsättigung hat.

„Nach 500 Metern laufen muss ich eine Pause machen“, beschreibt die 22-Jährige das Gefühl. Dass sie heute noch am Leben ist und sogar eine Ausbildung zur Fachinformatikerin machen kann, verdankt sie einer Operation am Deutschen Herzzentrum in Berlin. Mit einem sogenannten Banding, einem Bändchen, das die Lungenarterie verengt, kann Nia nun genauso alt werden, wie ein gesunder Mensch. Und sie kann im Sattel sitzen – eine riesengroße Bereicherung für sie: „Die Pferde geben mir Freiheit! Ich vergesse meine Sorgen und kann dank ihnen Wege zurücklegen, die ich ansonsten nie schaffen würde.“

„Am Ende einer Prüfung ist bei mir die Luft raus“

Mit dem Reitsport kam sie schon als kleines Kind in Berührung. „Als ich meine Schwester zu ihren Reitstunden begleiten durfte, nahm der Pferdevirus seinen Lauf“, lacht Nia. Das erste eigene Pony, Welsh Cob-Mix Priska, gehört bis heute zur Familie und ist auch mit 28 Jahren noch gesund und munter. Mit der Stute war Nia früher sogar auf Turnieren in E- und A-Dressuren unterwegs. Das Problem: „Wenn ich am Ende der Prüfung aufmarschiere, ist bei mir absolut die Luft raus. Ich bin dann zehn Minuten nicht mehr ansprechbar und jemand muss mein Pferd halten.“

Seit dem Sommer 2019 darf Nia das Schimmelpony Naraya reiten, mit dem sie später auch wieder an Turnieren teilnehmen möchte. Grundsätzlich gilt im Alltag mit den Pferden für sie vor allem eines: Kraft sparen! „Ich stelle alles in die Nähe, longiere oft ab. Das Reiten selbst funktioniert bei mir über Gefühl, nicht über Kraft. Und ich brauche viele Schrittpausen.“

So wie Nia, geht es auch vielen anderen Herz- und Lungenkranken im Reitsport. Deswegen hat sie eine Aktion gestartet, bei der es erst einmal da­rum gehen soll, das Thema an die Öffentlichkeit zu bringen und langfristig darum, die Situation im Turniersport für Betroffene zu verbessern. „Meine Idealvorstellung wäre es, dass wir nach der Hälfte der Prüfung eine Pause machen dürfen, um wieder Luft zu bekommen.“

Unsichtbare Krankheit

Im Para-Sport gibt es keine Möglichkeit für Erkrankte, daher müsste die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) eine entsprechende Regeländerung auf den Weg bringen. Aus Warendorf erhielt Nia am Telefon lediglich die Antwort: „Das können wir nicht machen, es wäre den gesunden Reitern gegenüber unfair.“ Außerdem habe man ihr im Internet auch schon empfohlen, „sie solle doch einfach mehr Kondition aufbauen“.

Deswegen wünscht sich Nia auf Instagram (@nia.lan) und YouTube nicht nur ernstgenommen zu werden, sondern auch grundsätzlich mehr Verständnis für „unsichtbar kranke“ Reiter. Unter dem Hashtag #mitherzenimsattel kann man alles über sie und ihre Mitstreiterinnen erfahren – und auch gerne zu Nia Kontakt aufnehmen, wenn man selbst betroffen ist oder helfen möchte.