Abschied von Isabell Werths Satchmo

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Isabell Werth und Satchmo bei der WM 2006 in Aachen, wo sie dreimal Gold gewannen. (© Toffi)

Nur ein Tag nach ihrer Abreise gen WM-Trainingslager verstarb bei Isabell Werth daheim in Rheinberg ihr „schwierigster, aber auch wichtigster“ Wegbegleiter: Satchmo. Der Hannoveraner Wallach wurde 28 Jahre alt.

Doppel-Weltmeister, Olympiasieger – der Sao Paulo-Sohn Satchmo hat mit Isabell Werth die wichtigsten Titel im Reitsport gewonnen. Und davon viele. Doch der Weg dahin war steinig für das Paar.

Dreijährig kam der Hannoveraner Wallach aus der Zucht von Albert Kampert zu Isabell Werth. „Ein guckiges, sympathisches, liebes Pferd“ sei er laut Werth gewesen. Sie glaubte von Beginn an an den Wallach aus einer Legat-Mutter. Und das, obwohl sie von keinem Pferd öfter herunterfiel, wie sie selbst einmal sagte. Auch für Satchmos Besitzerin Madeleine Winter Schulze war die Zeit mit Satchmo an der Seite von Isabell Werth vermutlich nicht immer leicht.

Das erste Championat bestritten die beiden im Jahr 2003. Bei den Europameisterschaften im britischen Hickstead gewann Isabell Werth keine Medaillen im Sattel von Satchmo, aber sie gewann Geduld. Der damals neunjährige Sao Paulo-Sohn verweigerte sich im Viereck mehrfach, in der Einzelwertung belegt das Paar Rang 17. War Satchmo einfach nicht geeignet für den Dressursport? Nein, wie sich herausstellen sollte.

Vielmehr litt der Braune unter schwimmenden Partikeln in der Augeninnenflüssigkeit. Dadurch sah Satchmo Dinge, die nicht da waren. Ein unkomplizierter Eingriff konnte den Wallach heilen. Der Weg zu einer Spitzenkarriere von Isabell Werth und dem Hannoveraner Wallach war frei.

Eine goldene Zeit

Nach dem Streichergebnis bei der EM 2003 folgte der nächste Championatseinsatz für Satchmo bei den Heim-Weltmeisterschaften in Aachen drei Jahre später. Die turbulenten Monate und Jahre, in denen sich Isabell Werth aus der Sicht von Madeleine Winter Schulze wie keine Zweite mit ihrem Pferd beschäftigt hat, um die Probleme zu lösen, waren vergessen. Denn Satchmo tanzte unter Werth zu Gold – mit der Mannschaft und im Grand Prix Special. In der Grand Prix Kür wurde es Bronze.

Dieses Pferd hat mich Demut gelehrt.

Isabell Werth

Weiter ging die Erfolgsserie bei Championaten im Jahr 2007. Bei der EM in Italien gab es zweimal Silber und einmal Gold für das Paar. 2008 folgte dann der Mannschaftsolympiasieg und Einzelsilber bei den Olympischen Spielen in Hong Kong.

Auch zwei Weltcup-Finals sollte der Sao Paulo-Sohn noch bestreiten. Im Jahr 2009 wurden Werth und Satchmo im Finale Zweite hinter Steffen Peters (USA) und Ravel in Las Vegas. Zwei Jahre später gab es Platz fünf für das Paar vor heimischem Publikum in Leipzig.

Gesunde Rente für Satchmo

Das Weltcup-Finale in Leipzig 2011 bot dann auch den richtigen Rahmen für Isabell Werth, ihren Satchmo gesund aus dem Sport zu verabschieden.  Einst hatte der Wallach dort einen neuen Weltrekord im Grand Prix aufgestellt. Fortan genoss Satchmo seine Rente bei Isabell Werth in Rheinberg.

Mit seiner Weidefreundin Kelly sei er noch am Tag vor seinem Tode munter auf der Weide unterwegs, schreibt Isabell Werth in den sozialen Medien:

„Gestern mussten wir uns schweren Herzens mit 28 Jahren von Satchmo verabschieden.
Mein lieber Satchi, noch Tags zuvor liefst du fröhlich mit deiner geliebten Kelly auf der Wiese als ich mich auf den Weg ins Trainingslager für die WM in Herning machte. Wie schön Euch so zu sehen.
Die WM Aachen 2006 kam mir wieder in Erinnerung! Was für ein einmaliges Erlebnis durften wir dort erfahren. Was für Emotionen! Davon hatten wir in unserer gemeinsamen Zeit ja – in jeder Hinsicht – genug.
Dass ich in diesem entscheidenen Moment nicht bei Dir sein konnte wiegt nach 25 gemeinsamen Jahren ganz besonders schwer in meinem Herzen 💔!
Gute Reise mein großartiger, genialer Kämpfer und Danke für alles 💖 😘“

Mach’s gut, Satchmo!

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Quellen: FN-press, isabell-werth.de

  1. Mareike Pees

    Satchmo und Isabell Werth waren ein tolles Paar. Ein Ausnahmepferd und eine Ausnahmereiterin, die jeden Respekt verdienen…allerdings habe ich die WM 2006 so in Erinnerung, dass es Gold in der Mannschaft und im Grand Prix Special gab, in der Kür allerdings Bronze…unvergessen ist der WM Sieg im Grand Prix Special, das Stadion in Aachen ist fast geplatzt vor Spannung…So etwas habe ich nie wieder erlebt…Danke Satchmo!

    • Dominique Wehrmann

      Liebe Frau Pees,

      Sie haben Recht, es war Bronze in der Kür. Ist korrigiert. Und der Grand Prix Special – auch da stimmen wir Ihnen zu! Absoluter Gänsehautmoment, den uns dieses Pferd beschert hat!

      • Claudia R.

        Ja, so war’s. Ich bin seit ‚zig Jahren jährlich Besucherin in der Soers, aber dieser Satchmo-Moment bei der WM 2006 (erstmalig mit Dressurviereck im Springstadion vor bestimmt 40.000 Zuschauern) – unvergessen. Auch für einen Profi stelle ich es mir herzergreifend vor, wenn man dann nach mehr als 2 Jahrzehnten den Moment des Abschieds nicht persönlich wahrnehmen kann.


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