Alfred Casper, der Gründer von Gestüt Birkhof, verstorben

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Alfred Casper mit Birkhof-Hengst Don Diamond. (© Toffi)

Im Alter von 85 Jahren ist am 1. Dezember Alfred Casper vom Gestüt Birkhof verstorben. Als erster Privathengsthalter Baden-Württembergs ist sein Name untrennbar mit dem Namen des Vollblüters Heraldik xx verbunden. Und mit einer Lebensleistung, die vom mittellosen Flüchtling-Teenager zum Gestütsbesitzer reichte.

Die Geschichte von Alfred Casper taugt als Story für einen Film, einen abendfüllenden. Als er 14 Jahre alt war, wurde seine Familie aus der Heimat Niederschlesien vertrieben. Nach Ende des Zweiten Weltkrieg fand er Unterschlupf im oldenburgischen Alhorn, in einem Hühnerstall. Vier Monate nach der Flucht verstarb Alfred Caspers Mutter. Von Verwandten hörte der Vertriebene, dass in Baden-Württemberg Chance auf Arbeit bestünde. Er ging in den Süden und fand eine Anstellung beim Grafen Rechberg in Donzdorf, das zwischen Ulm und Stuttgart liegt. Es gelang Casper in der Schweinezucht, den ihm anvertrauten Bestand als ersten in Baden-Württemberg seuchenfrei zu bekommen. Er stieg zum Verwalter auf, heiratete seine Frau Eleonore und konnte sein erstes Pferd kaufen: Die Stute Solistin sollte wegen einer Fraktur geschlachtet werden. Casper erwarb sie, gipste das Bein. Die Stute wurde wieder gesund, brachte vier Fohlen, und auf ihrem Enkel Tarik ritt Caspers Sohn Jürgen später bei den Europameisterschaften. Auch der zweitgeborene Sohn Thomas, heute Leiter des Gestüts Birkhof, ritt als Nachwuchsreiter auf selbstgezogenen Pferden bis zu Deutschen Meisterschaften.

Alfred Casper – der Mann hinter Heraldik xx

Häufig waren es gute Ideen, die am Anfang eines späteren geschäftlichen Erfolgs standen. 1972 begann Casper mit der Hengsthaltung. Er lieh sich in den frühen Monaten des Jahres Hengste aus dem Haupt- und Landgestüt Marbach bevor diese dann auf „ihre Platte“, ihre Deckstationen, im „Ländle“  gingen. 1975 erwarb Alfred Casper seinen ersten eigenen Hengst, er war damit der erste Privathengsthalter Baden-Württembergs. Früh schon zogen auch Vollblüter auf das Gestüt, das Casper vom Grafen Rechberg hatte übernehmen können. Der bedeutendste Vollblüter der vergangenen 20 Jahre, Heraldik xx, Vater von Olympiasiegern wie Butts Abraxxas oder Butts Leon und Muttervater von Michael Jungs Vielseitigkeitslegende Sam, wurde von Casper in Westfalen entdeckt. Der Rappe machte das Gestüt südöstlich von Stuttgart weltweit bekannt und war mehrere Jahre lang die Nummer eins der Weltrangliste der besten Vielseitigkeitsvererber.

Birkhof-Stute vor Sandro Hit

Schon vor Heraldik xx hatte das Gestüt für die südlichen Pferdezuchtverbände Geschichte geschrieben: Die vierjährige Baden-Württemberger Stute Lettina v. Lanthano-Wettstreit, eine „reine Birkhof-Mischung“, wurde unter Nicole Casper, der Ehefrau von Thomas Casper, die erste Bundeschampionesse aus dem Süden. Sie war auch das einzige Pferd, dem es – wenn auch nur in der Qualifikationsprüfung – beim Bundeschampionat gelang, den späteren Weltvererber Sandro Hit zu schlagen.

Für seine Verdienste um die Pferdezucht wurde Alfred Casper mit der Goldenen Staatsmedaille des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet. Sein Lebenswerk ist das Gestüt Birkhof, das als Familienbetrieb geführt nun in die dritte Generation geht. Pünktlich zu seinem 85. Geburtstag im Mai 2017 konnte der Jubilar erleben, dass seine fünf Enkel alle in den Finalprüfungen bei den Baden-Württembergischen Meisterschaften platziert waren, einige sogar auf Podiumsplätzen. Bis zuletzt nahm Casper aktiv am Gestütsleben teil. Viele seiner züchterischen Träume und Visionen sind in Erfüllung gegangen. Die Hoffnung, einen „wirklich guten Angloaraber“ auf dem Birkhof zu wissen, erfüllte sich nicht. Noch nicht.

Abschied

Alfred Casper ist am 1. Dezember nach längerer schwerer Krankheit und diversen Krankenhausaufenthalten mittags zuhause im Kreise seiner Familie eingeschlafen. Unsere Kollegin Laura Becker hat Alfred Casper im vergangenen Jahr für das PM-Forum der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) porträtiert.

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