Dr. Willi Büsing: Olympiareiter und HGW-Fitmacher wird 100

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Dr. Willi Büsing feiert am 2. März 2021 seinen 100. Geburtstag (© Menzendorf/privat)

Er hat die Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen von Helsinki in der Vielseitigkeit gewonnen, war Tierarzt und Chef d’Equipe fürs Deutsche Team. Und berühmt wurde er außerdem, weil er Hans Günter Winkler für den legendären Halla-Ritt fit machte und als Züchter von unter anderem Jungpferde-Weltmeister und Bundeschampion Don Davidoff: Dr. Willi Büsing feiert heute am 2. März seinen 100. Geburtstag!

Am heutigen 2. März 2021 feiert Dr. Wilhelm, „Willi“, Willi Büsing einen besonderen Geburtstag. Der Tierarzt aus Jade in der Wesermarsch wird 100 Jahre alt. 1921 wurde er dort im Nordoldenburgischen geboren. Drei Jahre zuvor hatte Kaiser Wilhelm II. („Ich glaube an das Pferd. Das Automobil ist eine vorübergehende Erscheinung.“) abgedankt. Die Weimarer Republik machte sich auf in die wilden 20er-Jahre des letzten Jahrhunderts. Büsings Vater, auch er ein Wilhelm, „Willi“, war Pferdehändler. Als Fahrer war er bekannt. Pferde spielten auf dem Hof unweit des Jadebusens schon immer eine Rolle. Dunkle Oldenburger, häufig Rappen, wenig Abzeichen.

Tierarzt und Olympiamedaillen

Noch vor Ausbruch des zweiten Weltkrieges hatte Büsing sein Abitur gemacht. Anschließend studierte er Tiermedizin. Parallel dazu ritt er erfolgreich. Schon 1937 gewann er im niederländischen Groningen. Auf dem elterlichen Hof richtete er nach dem Krieg eine Tierarztpraxis ein. Und er ritt. Vielseitigkeit, die „Krone der Reiterei“. 1945 hatte er über die Oldenburger Pferdezucht promoviert.

Botschafter eines neuen Deutschlands

1952 war erstmals wieder deutschen Sportlern die Teilnahme an Olympischen Spielen erlaubt. In Helsinki war er mit der deutschen Equipe am Start. Im Sattel von Hubertus gewann er Silber mit der Mannschaft. Als bester der deutschen Reiter durfte er außerdem eine Bronzemedaille in der Einzelwertung entgegennehmen.

Mit gemischten Gefühlen war das Team damals nach Helsinki gefahren, erinnert sich Dr. Willi Büsing. Wie würde man auf die Deutschen reagieren – sieben Jahre nach Ende der Naziherrschaft, der Aufdeckung des Holocaust und der Kriegsverbrechen? Die Finnen nahmen die Deutschen freundlich auf. Neben Büsing ritten in der Vielseitigkeit Klaus Wagner und Otto Grothe,

Der Mann, der Hans Günter Winkler zu Gold verhalf

Zu Willi Büsings zwei Olympiamedaillen kam 1954 noch eine Mannschaftssilbermedaille bei den Europameisterschaften hinzu. Danach begleitete der Mann aus Jade die deutschen Reiter auf Championaten als Mannschaftstierarzt. Erstmals war er in dieser Funktion in Stockholm 1956 im Einsatz. Damals kam er zu seinem sportgeschichtlich berühmtesten Einsatz: Büsing war es, der Rat wusste als Hans Günter Winkler sich in der ersten Runde des Nationenpreises so schwer in der Leiste verletzt hatte, dass eigentlich an einen Ritt in der zweiten Runde nicht zu denken war. Betäubungsmittel gegen die Schmerzen, starker Kaffee zum Wachbleiben. Diese pragmatische Mischung hatte sich Willi Büsing für HGW einfallen lassen, „es ging um zwei Goldmedaillen“, so Büsing später. Das Büsing’sche Zäpfchen tat seine Wirkung. Der Rest ist Geschichte: Halla, die „Wunderstute“, trug ihren vor Schmerz stöhnenden Reiter durch den Parcours, fehlerfrei, Gold!

Tierarzt und Richter

Zu den Olympischen Spielen in Rom (1960) und Tokio (1964 – 17 Stunden Flug!) reiste Büsing als Tierarzt für alle deutschen Pferde. 1972 hätte er in München als Richter bei den Olympischen Spielen fungieren sollen. Nach dem Terroranschlag auf das Team Israels reiste er allerdings ab.

Tierarzt und Richter, das waren seine Berufung. In beiden Betätigungsfelder galt sein Einsatz stets dem Pferd und damit auch dem guten Reiten. Mit seiner Frau Dorle, die ihn in der Tierarztpraxis unterstützte, hat Dr. Willi Büsing zwei Töchter, Sabine und Heike. Beide ritten. Auch Vielseitigkeit, natürlich. Nicht selten auf selbstgezogenen Pferden. Der legendäre Vollbluthengst Vollkorn xx stand nicht weit entfernt. Dessen berühmtester Sohn Volturno war in Jaderberg, keine zehn Autominuten vom Hof der Familie Büsing bei Otto Ammermann stationiert. Seine Abstammung: Vollkorn xx aus einer Manolete xx-Mutter. Diese Mischung sollte sich auch in der Zucht von Dr. Willi Büsing als Erfolgsmodell herausstellen. Toska war eine Stute mit gleichlautendem Pedigree. Dieser Oldenburger Stutenstamm, mit dem Anfangsbuchstaben T, lässt sich bis ins 19. Jahrhundert zurückverfolgen.

Siegerstute und Weltmeister

Büsings Toska v. Vollkorn xx-Manolete xx fohlte 1983 von Manstein die braune Stute Toga M. Sie wurde 1986 Oldenburger Siegerstute im Schlosspark in Rastede. Unter Büsings Tochter Heike ging sie in Basisprüfungen – auch in einer Geländepferdeprüfung, wohl die letzte Oldenburger Siegerstute mit solch einer Sportkarriere.

Den größten züchterischen Erfolg verdankt Willi Büsing Togas Halbschwester Toska R v. Rubinstein. Ihre Nachkommen haben mehr als 12.000 Euro verdient. Der promineneste darunter: Don Davidoff E v. Don Gregory. Der Rappe wurde Oldenburger Siegerhengst. Er gewann das Bundeschampionat und wurde Weltmeister der jungen Dressurpferde. Sein bekanntester Sohn war Don Aurellio, unermüdliches Championatspferd der Schwedin Tinne Vilhelmson-Silfvén.

Als Richter war Dr. Willi Büsing so häufig unterwegs wie es sein Job zuließ. Im Urteil streng, aber gerecht. Gutes, richtiges Reiten war dem großen schmalen Tierarzt immer ein Anliegen. Wenn er etwas sagte, dann nie emotional. Er ist eher ein Mann der leisen Töne, mit trockenem, feinem Humor kommentiert er das Gesehene.

Wie jung Sport und der tägliche Umgang mit dem Pferd hält, beweist sich heute! Denn auch wenn der Körper nicht ganz verhehlen kann, dass er seit 100 Jahren auf der Erde unterwegs ist, ist Willi Büsings Geist frisch wie eh und je.

Wir gratulieren einem außergewöhnlichem Pferdemann von Herzen!