EEF mit neuem Vorstand und neuem Abstimmungsmodus

EEF General Assembly, Warsaw, Poland, 11.09.2022. P.C: EEF/LukaszKowalski.com

EEF-Vorstand: Simone Perillo, Quentin Simonet, George Dimaras, Eleonora Ottaviani, Soenke Lauterbach, Theo Ploegmakers, Elisabeth Max-Theurer, Nayla Stössel, Alan Andabaka (v.l.n.r.) (© EEF/LukaszKowalski.com)

Bei der Jahrestagung der European Equestrian Federation (EEF) standen neben personellen Veränderungen auch Ideen über Abstimmungsmodalitäten auf der Agenda. Gerade diesbezüglich hat die EEF wo möglich einen großen Schritt getan.

Bei der Generalsversammlung der European Equestrian Federation (EEF) in Warschau, die parallel zum EEF Nationenpreis-Finale stattfand, war es weniger die Wiederwahl des Niederländers Theo Ploegmakers als Präsident, die aufhorchen ließ. Ploegmakers wird der EEF nun bis 2016 vorstehen. Auch, dass Bosnien Herzegowina und Malta nun Teil dieses zweiten großen Reiterverbandes neben dem Weltreiterverband (FEI) sind, hat eher untergeordnete Bedeutung.

Neuer Abstimmungsmodus bei der EEF

Eine zentrale Entscheidung wurde aber mit großer Mehrheit nach ausführlicher Diskussion gefällt: Über sportliche Regeländerungen kann nun mit einem neuen, abgeänderten Wahlsystem abgestimmt werden. „Gewichtete Stimmen“ heißt das Stichwort. Es bedeutet, dass Nationen unterschiedlich viele Stimmen haben. Der Einfluss einer Nation, die mehr Athletinnen und Athleten im Sport hat als andere oder auch Gastgeber von mehr Turnierveranstaltungen ist, hat an Bedeutung gewonnen. Diskutiert wurde unter anderem, ob damit nicht die Nationen im Nachteil wären, denen es aufgrund ihrer Größe oder mangelnder Ressourcen nicht möglich ist, intensiver am Sportgeschehen teilzuhaben. Auch wurde über Bedenken gesprochen, ob der letztendlich mit großer Mehrheit verabschiedete neue Abstimmungsmodus nicht gegen das Olympische Prinzip „one country, one vote“ – also eine Stimme pro Nation, unabhängig davon inwiefern sie überhaupt eine Rolle im Sport spielt – verstoße. Es sei klargestellt worden, dass dies nicht der Fall sei und dass schon viele andere Olympische Sportarten sich schon länger der gewichteten Stimmen bei Entscheidungen bedienten, heißt es in einer Stellungnahme der EEF.

Alle anderen Entscheidungen sollen weiterhin mit der auch bei der FEI gültigen Formel „one-member, one-vote“ abgestimmt werden.

Was bedeutet die EEF-Entscheidung für die FEI?

Was zunächst plausibel erscheint, nämlich, dass die Nationen, die den Löwenanteil des Sports bestücken (mit aktiven Sportlerinnen und Sportlern genauso wie Veranstaltungen), nun im EEF-Kontext ein größeres Mitspracherecht besitzen, könnte innerhalb der FEI für Diskussionen sorgen. In den Headquarters des Weltreiterverbandes in Lausanne fühlt man sich dem auch vom ebenfalls in der Stadt in der Schweiz beheimateten Internationalen Olympischen Komitee (IOC) stoisch durchgehaltenen Prinzip, dass jede Nation über eine Stimme verfügt, verpflichtet.

Die Liste der Länder, beispielsweise aus Afrika oder Asien, die FEI-Regeländerungen verhindert und Präsidentinnen- Präsidentenwahlen maßgeblich beeinflusst haben, ohne überhaupt einen aktiven Reitsportler in einer Weltrangliste verzeichnet zu haben, ist lang. Die Diskussion über diesen Umstand nicht neu. Mit der EEF-Entscheidung könnte nun aber das Feuer um diese Praxis wieder neuen Zündstoff bekommen.

Mehr Nachhaltigkeit

Auch dem weltweiten Thema Nachhaltigkeit, PR-mäßig groß geschrieben bei den letzten Weltmeisterschaften in Herning, bei der dann doch alle Freiwilligen und Offiziellen mit mehr oder weniger aparten Kunststoff-Outfits ausgestattet wurden, hat sich die EEF ebenfalls angenommen: Es gibt eine-Arbeitsgruppe, die mit der Universität Wageningen zusammenarbeiten möchte. Events, die im Rahmen der EEF veranstaltet werden, sollen so nachhaltiger gestaltet werden. Außerdem hofft man, ein größeres Bewusstsein für dieses Thema bei den Reitern entstehen zu lassen.

Der Vorstand, das „Board“ hat nun drei neue Mitglieder. Neu gewählt wurde Alan Andabaka (Kroatien) und die österreichische Olympiasiegerin Elisabeth Max-Theurer. Dritter im Bunde ist Soenke Lauterbach, der Generalsekretär der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN), der wiedergewählt wurde.

Anschließend wurde der Däne Ulf Helgstrand, der nach seinem langjährigen Engagement nicht mehr zu Wiederwahl stand, zum Ehrenmitglied des EEF Boards bestimmt.