Ehre wem Ehre gebürt: Karl Schultz und Butts Leon in der Hall of Fame

Leon und Dibo auf dem Weg zu einem ihrer größten Triumphe, dem Sieg im CCI**** von Luhmühlen 2011.

(© Leon und Dibo auf dem Weg zu einem ihrer größten Triumphe, dem Sieg im CCI**** von Luhmühlen 2011.)

18 Jahre alt ist Andreas „Dibo“ Dibowskis wunderbarer Heraldik xx-Sohn Butts Leon nun. Sein Abschied aus dem aktiven Sport in Luhmühlen am Samstag markiert zugleich seine Aufnahme in den Kreis derjenigen, die nie vergessen werden. Zu diesem zählt der mehrfache Olympiamedaillen-Gewinner Karl Schultz eigentlich ohnehin. Aber auch er hat nun einen offiziellen Platz in der Hall of Fame der Eventing Riders Association (ERA).

Der verstorbene Friedrich Butt war einer der wenigen Züchter, die sich ganz der Produktion von Hochleistungsvielseitigkeitspferden verschrieben hatte – mit unglaublichem Erfolg! Eines seiner Prachtexemplare ist Butts Leon v. Heraldik xx-Star Regent xx. Bereits vierjährig gelangte jener schicke „Fast-Vollblüter“ mit hannoverschem Eintrag zu Andreas Dibowski, der ihn bis Vier-Sterne-Niveau förderte. Die erste Platzierung in der Königsklasse gab es 2006: Rang sechs in Luhmühlen. Butts Leon wurde DAS Pferd in Dibos Karriere. Nachdem er 2007 einen gelben Schein eingereicht hatte, lief er 2008 zu großer Form auf, wurde für die Olympiamannschaft in Hongkong nominiert und holte dort Gold mit dem Team und Rang acht in der Einzelwertung.

In den folgenden Jahren wurden sie mehrfach Zweite in Vier-Sterne-Prüfungen, was ihnen zwischenzeitlich sogar die Führung der Weltrangliste einbrachte. 2011 klappte es dann endlich mit dem CCI****-Sieg. Nicht an irgendeinem Ort, sondern in Luhmühlen, dort wo Reiter und Pferd praktisch zuhause sind. Danach der Schock: Leon wurde verkauft, an die in den USA beheimatete Thailänderin Nina Ligon. Die qualifizierte sich mit dem erfahrenen Dunkelbraunen tatsächlich für Olympia in London und beendete auch die Prüfung. Danach wollte sie sich jedoch wieder ihrem Studium widmen. Wieder stand Leon zum Verkauf. Da schritt der Vielseitigkeitsausschussvorsitzende im DOKR, Holger Heigel, ein und kaufte den Wallach zurück. So kehrte er heim auf den Irenenhof von Andreas Dibowski und seiner Familie. Er dankte es und verhalf seinem Reiter 2013 in Schenefeld zum ersten Deutschen Meister-Titel seiner Karriere. 2014 verletzte sich Andreas Dibowski in Saumur und konnte den Wallach nicht vorstellen. Dibo und die Besitzer entschieden, den Wallach in seinen wohl verdienten Ruhestand zu schicken.

 

Ehrung von Karl Schultz

Ein sichtlich gerührter Karl Schultz erhält den verdienten Platz in der Hall of Fame, wo beispielsweise auch schon sein langjähriger Teamkollege Horst Karsten zu finden ist.

Karl Schultz gesellt sich in der ERA Hall of Fame zu weiteren Berühmtheiten wie seinem langjährigen Teamkollegen Horst Karsten. Foto: Thomas Ix (© Ein sichtlich gerührter Karl Schultz erhält den verdienten Platz in der Hall of Fame, wo beispielsweise auch schon sein langjähriger Teamkollege Horst Karsten zu finden ist.)

Karl „Kalle“ Schultz‘ Name steht vor allem mit einem Pferdenamen in Verbindung: Madrigal, Holsteiner v. Marlon xx. Zusammen gewannen die beiden Mannschaftssilber und Einzelbronze bei den Olympischen Spielen 1976 in Montreal, dort, wo 2018 die Weltreiterspiele stattfinden werden. Eine weitere „Quasi-Olympiamedaille“ gab es noch einmal vier Jahre später beim Olympischen Ersatzfestival in Fontainebleau, die aufgrund des Boykotts der Olympischen Spiele in Moskau ins Leben gerufen worden waren. Deutschland holte erneut Silber. Außerdem gab es Einzel- und Mannschaftssilber bei den Europameisterschaften in Burghley 1977 für Schultz und Madrigal. Ein anderes erfolgreiche Pferd des Mannes aus Böbs bei Lübeck war beispielsweise Pisco, mit dem Schultz bei den Olympischen Spielen 1972 in München zum Team gehörte, das Bronze gewann. In Luhmühlen holte Schultz zwischen 1958 und 1979 mit acht verschiedenen Pferden zwölf Platzierungen.

Die Laudatio auf den zu Tränen gerührten 77-Jährigen hielt der ehemalige Bundestrainer Martin Plewa: „Seine Ausbildungsmethoden waren manchmal etwas individuell, aber stets pferdegerecht. Er verstand es, auf die Besonderheiten und Eigenarten der Pferde einzugehen und dem jeweiligen Pferdetyp gerecht zu werden.“ So pflegte Schultz beispielsweise Madrigal in der Dressur immer „kalt“ zu starten. Er ritt den Wallach Stunden vor seiner eigentlichen Startzeit ab, packte ihn dann in Decken und stellte ihn ans Viereck.  So wurde der zuvor noch heiße Holsteiner gelassen und zufrieden. Einige Minuten vor seinem Start, wurde er dann nur noch einmal kurz warm gemacht und dann gings los. Die Methode hatte Erfolg. Madrigal und Schultz galten als sichere Bank im Viereck. Aber natürlich vor allem auch im Gelände: „Kalle Schultz war ein im positiven Sinne ‚starker‘ Reiter. Er war ein Draufgänger, aber kein Hasardeur auf Biegen und Brechen. Er hatte vielmehr stets ein Gefühl dafür, die aktuelle Verfassung seines Pferdes zu erfühlen und mit dem vorletzten Tropfen Benzin im Tank das Ziel zu erreichen.“

1983 gab Schultz seine aktive Karriere auf und konzentrierte sich auf das Training und die Ausbildung von Reitern und Pferden im familieneigenen Betrieb „Stall Madrigal“ in Böbs bei Lübeck.