Eine Mission: US-Voltigierer Mikhail Proctor will an die Spitze

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Mikhail Proctor (USA) mit Goliath. (© Taylor Pence/US Equestrian)

Der Weltreiterverband (FEI) hat Anfang dieses Jahres mit dem Voltigierer Mikhail Proctor (USA) über seinen Weg in den Sport gesprochen. 2012 voltigierte er erstmalig, 2019 gewann er die US-amerikanischen Meisterschaften im Voltigieren. Wie das geht? Mit viel Leidenschaft, einem guten Körpergefühl und einem besonderen Mix aus Percheron, Tennessee Walker und Traber. Eine inspirierende Geschichte!

„Das Voltigieren kam irgendwie von selbst“

In seiner Jugend besaß Mikhail Proctor kein eigenes Pferd, aber er erarbeitete sich Reitstunden im Tausch gegen Stallarbeiten. Seine Leidenschaft galt der Leichtathletik, außerdem Taekwondo und Kunstturnen. Letzteres auf Landesliga-Niveau. Doch dann kamen zunehmend die Pferde.

2011 entschied sich Proctor für ein Freiwilligenprogramm am Life Adventure’s Center im Bereich Pferdesport, wo er zum ersten Mal voltigierte. Eine Unterrichtsstunde im Rahmen einer Tagung mit dem Einzel-Weltmeister Voltigieren des Jahres 1998, Devon Maitozo, öffnete Mikhail Proctor dann vollends die Augen:

Wenn ich den Sport ausüben wollte, dann musste ich einfach loslegen und es tun.

Mikhail Proctor (USA)

Und er tat es. Dabei kamen Proctor seine turnerischen Fähigkeiten sehr zugute: „Viele der Bewegungen, die wir im Voltigieren machen, ähnelten denen, die ich in der Vergangenheit gemacht hatte, also kam das Voltigieren irgendwie von selbst.“

Herzenspferd Goliath wird zum Sportpartner

Ein anderes Praktikum am Kentucky Equine Humane Center, einer gemeinnützigen Tierschutzorganisation ähnlich der Pferdeklappe, brachte Mikhail Proctor zu seinem vierbeinigen Sportpartner. Goliath heißt der heute 14-jährige Wallach, eine eigenwillige Mischung aus Tennessee Walker, Traber und Percheron. Der damals fünfjährige Rappe wurde Proctors „Projektpferd“ und stahl sein Herz. Mikhail Proctor übernahm den Wallach, der wohl wegen einigen Unarten im Kentucky Equine Humane Center gelandet war.

„Ich übernahm ihn aber nicht zum Voltigieren“, erzählt Proctor im Interview, sondern „er war einfach ein Spaßpferd, das ich selbst trainieren konnte, also machten wir ein bisschen was von allem“ – Springen, Dressur und Geländeritte in erster Linie.

Unterdessen stellte das Life Adventure Center, wo Proctor ja einst Freiwilliger war, ein Voltigier-Programm auf die Beine – die Chance für Proctor, den Sport auch mal mit Goliath auszuprobieren. Und da war der Knoten geplatzt: „Ich habe es buchstäblich eines Tages einfach mit ihm ausprobiert, nur um zu sehen, ob es ihm gefällt, und er nahm es an, als wäre er sein ganzes Leben lang dazu bestimmt gewesen. Von da an haben wir einfach weiter trainiert.“ Proctors Erfahrungen im Kunstturnen und in der Leichtathletik kamen ihm dabei nach eigenen Angaben sehr zugute.

Der Rest ist Geschichte

Wir fassen zusammen: 2011 begann Proctor im Alter von 22 Jahren mit dem Voltigiersport, 2019 wurde er mit seinem Erfolgspferd Goliath US-Champion im Voltigieren. Über seinen Sieg im vergangenen Jahr in St Louis sagte Proctor gegenüber der FEI, dass das „ein Meilenstein in die richtige Richtung“ sei, und Proctor hat ein klares Ziel vor Augen: „Mein ultimatives Ziel war, schon als ich mit dem Voltigieren begann, die Möglichkeit zu haben, mich auf der internationalen Bühne zu messen.“

Die europäischen Nationen waren lange unangefochten im internationalen Voltigiersport, aber der Sieg des Kolumbianers Juan Martin Clavijo bei dem Voltigier-Weltcup im französischen Saumur 2019 zeigt, dass die Elite im Voltigieren eben nicht nur aus Europäern bestehen muss. Und wenn es nach Mikhail Proctor geht, macht er dieses Jahr weitere Schritte in Richtung dieser Elite des Voltigiersports.

Ursprünglich war es der Plan des US-Amerikaners, sich für das 2*-Level zu qualifizieren und dann am Rocky Mountain CVI in Colorado teilnehmen. Das Turnier fiel jedoch aufgrund der Corona-Pandemie aus. Nun bleibt abzuwarten, welche Turniere 2020 noch stattfinden werden – aber Proctor freut sich auf seinem Instagram-Account bereits sehr auf seinen Auftritt bei der US-amerikanischen Equitana.

Für das Training daheim weiß Proctor, was er noch verbessern will: „Ich möchte, dass mein Voltigieren ausgefeilter wird – ich glaube, ich bin an dem Punkt angelangt, an dem meine Ergebnisse sehr anständig und sehr konkurrenzfähig sind, und an diesem Punkt schaue ich mir Videos von mir an, und ich möchte die Dinge einfach ein bisschen aufräumen. Das würde mich besser auf meine FEI-Qualifikationen vorbereiten.“

Proctor ermutigt junge Voltigier-Talente

Dass Mikhail Proctor es gewagt hat, sich ganz dem Voltigiersport hinzugeben, hat ihm die Goldmedaille bei den US-amerikanischen Meisterschaften beschert. Die Begeisterung und den Mut für den Sport gibt er seit 2016 an die Mitglieder von „Fleur de Lis Vaulters“ weiter. Die gemeinnützige Organisation gründete er vor vier Jahren zusammen mit Makayla Clyne, die selbst auch im Voltigiersport aktiv ist.

Proctor bietet mit seiner Organisation Training und Wettkämpfe im Voltigieren an – eine Neuheit in der Gegend um Kentucky. Mit „Fleur de Lis“ geben Proctor und Clyne Studenten die Möglichkeit, sich auch im Rahmen von Voltigier-Wettkämpfen zu messen und „ihre Leidenschaft für den Sport auszuleben“.

Voltis halten zusammen

Mikhail Proctor weiß genau, warum der  seine große Leidenschaft geworden ist. Es ist die Kameradschaft unter den Voltigierern, die sich so unterscheidet zum Konkurrenzdenken in anderen Sparten des Reitsports: „Es ist wirklich eine große Familie, und alle passen aufeinander auf. Ja, es ist ein Wettbewerb, wir sind konkurrenzfähig, aber jeder jubelt jedem zu.“

Quelle: FEI

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