Erinnerung an Las Vegas – vor 15 Jahren holten Meredith Michaels-Beerbaum und Shutterfly ihren ersten Weltcup-Sieg

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Er ist mein "once-in-a-lifetime-horse", so Meredith über Shutterfly, der mit ihr vom schüchternen Rehlein zum Weltklassepferd heranwuchs. (© www.toffi-images.de)

Dieses Wochenende wäre das Weltcup-Finale in Las Vegas gewesen. Das letzte Pferd, das in der Spielermetropole für Deutschland einen Weltcup-Titel holte, war Meredith Michaels-Beerbaums Shutterfly vor 15 Jahren. Eine Leistung unter besonderen Umständen, die wir hier noch einmal Revue passieren lassen.

Angesichts der Absage des Weltcup-Finals, das dieses Wochenende in Las Vegas hätte stattfinden sollen, hat das US-Magazin „The Chronicle of the Horse“ alte Beiträge zu vergangenen Weltcup-Finals herausgeholt. Diesmal geht es um ein Paar, das in Deutschland wohlbekannt ist, wenngleich die Reiterin aus den USA stammt: Meredith Michaels-Beerbaum und Shutterfly.

Für das Paar war 2005 bereits die dritte Teilnahme am Weltcup-Finale. Im Vorjahr waren sie in Mailand schon Zweite geworden. Nun war Finaltag in Las Vegas. Meredith Michaels-Beerbaum und Shutterfly lagen gemeinsam mit den dreifachen Finalsiegerin Rodrigo Pessoa und Baloubet du Rouet an erster Stelle. Jetzt ging es in die letzte Runde. „Glaub an ihn!“ Die Worte ihres Mannes Markus waren „MMBs“ Mantra auf dem Weg in diesen letzten Parcours.

Denn in der Vorbereitung war es alles andere als perfekt gelaufen. In der engen Abreitehalle waren für den Geschmack des hochsensiblen Shutterfly viel zu viele Pferde gewesen.

„Ich bin vielleicht zwei Kreuze gesprungen und dann fing er an, vor jedem Hindernis zu verweigern“, berichtet Meredith Michaels-Beerbaum. „Mir war klar, dass er aufgeregt war, weil er die Spannung gespürt hat. Da waren zu viele Pferde und er hat entschieden, dass er damit nicht zurecht kommt.“

Ihn in dieser Situation zu etwas zwingen zu wollen, hätte alles nur noch schlimmer gemacht. Also ließ Meredith Michaels-Beerbaum das Abspringen weg. Sie vertraute Shutterfly, dass er im Parcours wie immer sein Bestes geben würde.

Shutterfly enttäuschte sie nicht. „Ich ging in die letzte Runde und war null, weil ich ihn kannte wie meine Westentasche und weil ich ihm vertraut habe. Ich wusste, auch wenn er draußen verweigert hat, das hatte nichts zu tun mit seinem Auftritt im Parcours. Das ist ein Vertrauen, das über viele Jahre gewachsen ist. Das kann man als Reiter eigentlich nicht machen, es sei denn dass man wirklich an sein Pferd glaubt und es wirklich gut kennt.“

Die Rechnung ging auf. Die beiden holten ihren ersten von insgesamt drei Weltcup-Titeln. Was nur ein Bruchteil der Summe der gemeinsamen Erfolge dieses Paares ist.

Fragt man nach den Traumpaaren des Springsports – MMB und Shutterfly gehören ganz sicher dazu! Dieser schmale braune Wallach mit den schönen Augen, der mit seiner Reiterin wunderbar elegant über die höchsten Abmessungen fliegt – das waren Bilder, die das Publikum über Jahre begeistert haben.

Dabei sah es am Anfang nicht unbedingt danach aus, dass dieser Hannoveraner Silvio-Sohn, der inzwischen 27 ist und quietschvergnügt seine Rente bei seiner Reiterin verbringt, ein Weltklasse-Springpferd werden würde.

Shutterfly, das Sensibelchen

Shutterflys Geschichte ist ein Paradebeispiel dafür, wie viel Einfühlungsvermögen es braucht, um ein sensibles Pferd zur Entfaltung seines ganzen Potenzials zu bringen. Und auch einen Gutteil Kompromissbereitschaft, wie Meredith Michaels-Beerbaum betont.

Das Vertrauen in ihr Pferd, das ihnen 2005 zum Titel in Las Vegas verhalf, war das kostbarste Gut dieser Partnerschaft. Und es war hart erkämpft.

2000 war Shutterfly, damals also siebenjährig, mit Meredith Michaels-Beerbaum beim CHIO Aachen am Start. Für die großen Springen hatte sie Stella dabei. Aber nachdem Shutterfly im Eröffnungsspringen eine super Nullrunde gedreht hatte, entschied sie ihn nachmittags noch in einem größeren Springen zu reiten. Ein Fehler.

Es hatte angefangen zu regnen. Shutterfly sprang wieder sehr gut. Aber dann kam eine zweifache Kombination mit Liverpools, überbaut mit schmalen Gattern. Das aufspritzende Wasser irritierte Shutterfly wohl. Schon beim Anreiten blockierte er. Seine Reiterin gab ihm die Sporen. Shutterfly verweigerte und warf sie ab.

Anschließend habe sie ein Jahr gebraucht, bis Shutterfly ihr diesen Fehler verziehen hatte, berichtete Meredith Michaels-Beerbaum. Liverpools waren von diesem Tag an zunächst mal ein rotes Tuch für ihn und seine Reiterin musste quasi wieder von vorne anfangen, um sein Vertrauen wieder zu gewinnen.

Andere Dinge hat er nie abgelegt. So war er immer extrem geräuschempfindlich. Siegerehrungen waren für ihn eine Strafe. Zunächst dachte seine Reiterin noch, er gewöhne sich vielleicht irgendwann daran, aber das Gegenteil war der Fall. Also durfte hier Stallkollege Checkmate ran, der die Aufmerksamkeit liebte.


Dies ist nur ein Teil der Reportage, die „The Chronicle of the Horse“ über die einzigartige Partnerschaft zwischen Meredith Michaels-Beerbaum und Shutterfly veröffentlicht hat. Die gesamte Story lesen Sie – auf Englisch – hier


Am 17. Juli 2011 wurde Shutterfly mit 18 Jahren kerngesund aus dem Sport verabschiedet. Es war ein spontaner Entschluss seiner Reiterin. Gerade hatte „Petey“ noch einmal den Preis von Europa beim CHIO Aachen im typischen Shutterfly-Stil gewonnen.

Unter Tränen sprach Meredith Michaels-Beerbaum damals ins Mikrofon der mit 40.000 Zuschauern voll besetzten Aachener Soers: „Ich bin heute morgen aufgewacht und habe gedacht, was kann ich für Shutterfly tun? Und dann habe ich gedacht, das Beste was ich tun kann, ist, beim besten Turnier der Welt, beim besten Publikum der Welt das beste Pferd der Welt zu verabschieden.“

Und das war er dann, der letzte große Auftritt. Fans auf der ganzen Welt waren ebenso bewegt wie Shutterflys Reiterin. Petey selbst genießt seither sein stressfreies Leben auf der Weide. Checkmate, den er während der aktiven Jahre der beiden nicht besonders mochte, und der wie MMB sagt, seinerseits höchst eifersüchtig auf Shutterfly war, ist inzwischen sein bester Freund. Joey und Petey, die beiden Pferde, denen MMB ihre größten Erfolge verdankt, verbringen nun jeden einzelnen Tag Seite an Seite auf der Weide mit Fellkraulen, fressen, chillen und ab und zu auch mal toben.

Die FN hatte Shutterfly 2016 für die Reihe „Alte Helden“ besucht. Das ist das Ergebnis: