Erneut Betrugsvorwürfe gegen Helgstrand, erneut eine Stellungnahme

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Andreas Helgstrand (© von Korff)

Die dänische Zeitung Nordjyske hat einen weiteren Artikel veröffentlicht, in dem frühere Partner von Andreas Helgstrand Betrugsvorwürfe gegen den Pferdehändler und Grand Prix-Reiter erheben. Von Helgstrand Dressage kam sogleich eine Stellungnahme mit der Schilderung der Ereignisse aus ihrer Sicht.

Die Vorwürfe kommen von der dänischen Züchterin Michelle Vicki Nedergaard. Man kennt sie unter anderem, weil bei ihr der Ibiza-Sohn Iron zur Welt kam, der nun der Familie Pidgley gehört und zur Ausbildung bei Cathrine Dufour steht. Schon bei Iron hat es früher eine Besitzergemeinschaft zwischen Helgstrand und Nedergaard gegeben. Diesmal geht es aber um ein anderes Pferd, den Revolution-Sohn Rezano.

Im Gespräch mit Nordjyske berichtete Michelle Nedergaard, dass sie zusammen mit Helgstrand Besitzerin von Rezano war, und dass das Pferd auf der Anlage in Uggerhalne untergebracht gewesen sei. Als sie „kürzlich“ Rezano habe sehen wollen, habe Helgstrand Dressage ihr mitgeteilt, das sei nicht möglich, weil das Pferd verkauft worden sei.

Nedergaard wörtlich: „Also sagte ich, man kann es nicht einfach verkaufen, denn ich habe einen Vertrag, der besagt, dass ich 50 Prozent des Pferdes besitze und dass das Pferd nicht verkauft werden kann, ohne dass beide Parteien damit einverstanden sind.“

Als sie dann den Kaufvertrag habe einsehen wollen, sei ihr das verwehrt worden. Daher wisse sie nicht, für welche Summe das Pferd wirklich gehandelt wurde. Sie glaube aber, dass es mehr sei als die 35.000 Euro, die sie für ihre Anteile bekommen soll.

Regelmäßig habe sie sich nach dem Befinden des Pferdes erkundigt und im Frühjahr 2022 habe man ihr mitgeteilt, das Pferd sei nun bereit, verkauft zu werden. Tatsächlich sei es aber bereits im Juli 2021 veräußert worden, und zwar in die Niederlande, wie sich nun herausstellte.

Nedergaard zu Nordjyske: „Es ist ein Betrug. Schlicht und einfach. Ich habe ein halbes Pferd in Holland, das ohne meine Zustimmung nicht verkauft werden kann und ich habe noch kein Geld erhalten. Man hat mir nicht einmal gesagt, dass es verkauft wurde.“

Nach „wochenlangem Gerangel“ habe Nedergaard von Helgstrand Dressage eine Rechnung präsentiert bekommen, aus der hervorging, dass Rezano 50.000 Euro wert sein soll. Dieselbe Rechnung habe aber auch noch den Verkauf eines zweiten Pferdes aufgeführt, dessen Preis jedoch durchgestrichen gewesen sei. Ein anderes Pferd sei umgetauscht worden, ohne dass ein Wert angegeben war.

Handelspartner in dem Deal war der Niederländer Jan Anker, dem unter anderem auch Dinja van Lieres Spitzenpferd Hermès gehört.

Helgstrand hatte Nedergaards Pferde als Youngster entdeckt und sich die Hälfte der Besitzanteile gesichert. Die Vereinbarung sah vor, dass er nicht bat bezahlt, sondern für Unterbringung und Ausbildung der Pferde aufkommt. Ein Verkauf sollte dann aber nur unter der Bedingung eines schriftlichen Einverständnisses der jeweils anderen Partei möglich sein.

Statement Helgstrand

Am 15. November, einen Tag nach Veröffentlichung der neuerlichen Betrugsvorwürfe gegen Helgstrand, wurde auf der Homepage des Handelsstalls ein Statement zu den Vorwürfen veröffentlicht.

In diesem Statement bestätigt Helgstrand, dass es eine schriftliche Vereinbarung gibt, wonach das Pferd nur nach schriftlicher Zustimmung der jeweils anderen Partei verkauft werden darf.

Mitte Oktober 2020 habe die Züchterin Helgstrand Dressage schriftlich mitgeteilt, dass sie einverstanden ist, das damals dreijährige Pferd für 40.000 Euro zu verkaufen.

Im Sommer 2021 sei das Pferd dann tatsächlich verkauft worden, für 50.000 Euro „+ den Wert eines Ersatzpferdes für 20.000 Euro, also für insgesamt 70.000 Euro“.

Dass die Züchterin nicht „wie geschäftsüblich“ zeitnah über den Verkauf informiert und ausgezahlt wurde, sondern im Gegenteil „erst viel später“ erfahren hat, dass der Verkauf stattgefunden hatte, habe an einem internen Fehler gelegen, den Helgstrand Dressage im Nachhinein gegenüber der Züchterin „mehrfach bedauert“ habe.

Die Züchterin sei gebeten worden mitzuteilen, ob sie ihren Anteil am Verkaufspreis von 35.000 Euro haben wolle, einen Eigentumsanteil an dem „Tauschpferd“ haben wolle oder ob sie Rezano von seinem neuen Besitzer zurückkaufen wolle. Das habe man mit dem Käufer abgeklärt.

Die Züchterin habe sich in „mehreren Telefongesprächen und schriftlich nicht dazu äußern wollen und habe auch keine finanziellen Forderungen an Helgstrand Dressage gestellt“. Stattdessen sei sie zu Nordjyske gegangen und habe der Zeitung die Rechnungsunterlagen aus dem Verkauf übergeben, wodurch die Identität des Handelspartners bekannt wurde, was diesen verärgert hätte.

Helgstrand Dressage entschuldigt sich, macht der Züchterin aber gleichzeitig Vorwürfe: „Helgstrand Dressage bedauert den Fehler in unserem Geschäftsablauf bezüglich der Information und der Abwicklung des Verkaufs an die Züchterin. Aber wir finden die Vorgehensweise der Züchterin in dieser Angelegenheit, die uns leid tut, sehr bedauerlich.“

Man warte immer noch auf eine Rückmeldung der Züchterin, wie die Transaktion nun abgeschlossen werden soll.

Michelle Nedergaard erklärte derweil gegenüber Nordjyske, sie erwäge nun, gerichtlich sowohl gegen Helgstrand als auch gegen Waterland vorzugehen. „Geschäfte mit Helgstrand will sie jedenfalls nicht mehr machen“, schreibt Nordjyske.

Nordjyske hat die von Nedergaard zur Verfügung gestellten Unterlagen einem dänischen Rechtsexperten gezeigt, Jan Krull, Senior Adviser an der Aalborg University Business School. Der hält den Fall für „ganz einfach“: „Keine der beiden Parteien kann ihren Teil des Hengstes ohne schriftliche Zustimmung der anderen Partei verkaufen. Er kann nicht das ganze Pferd verkaufen. Tatsächlich kann er nicht einmal seinen eigenen Anteil ohne die Zustimmung verkaufen. Das ist ein Vertragsbruch.“

Dass Andreas Helgstrand anführt, er habe die Zustimmung der Züchterin, das Pferd zu verkaufen, ja schon bei einem anderen Deal eingeholt, nämlich dem im Oktober 2020, sieht Krull nicht als Rechtfertigung an. Diese Zustimmung bedeute nicht, dass er „auf ewig zum Verkauf berechtigt“ sei.

Rechtsanwaltskanzlei eingeschaltet

Laut Nordjyske hat die Private Equity Gruppe Waterland, die seit 2018 die Mehrheit an Helgstrand Dressage hält, schon nach Veröffentlichung der ersten Artikel über unlauteres Geschäftsgebaren des Pferdehändlers – siehe unten – eine renommierte dänische Anwaltskanzlei beauftragt, die Vorgänge zu untersuchen. Wir haben bei der Kanzlei nachgefragt, ob das stimmt, doch dort beruft man sich auf das Anwaltsgeheimnis. Gleichwohl berichtet Nordjyske, dass Andreas Helgstrand selbst in einer E-Mail vom 25. Juni 2022 an die Redaktion erklärt hat, die Kanzlei habe eine „eingehende Untersuchung“ durchgeführt, „mit dem Auftrag, unter anderem alle Pferdetransaktionen der letzten fünf Jahre zu prüfen“.

Weitere Fälle

Probleme bei Verkäufen von Pferden mit Miteigentümern hat es bei Helgstrand Dressage offenbar auch in anderen Konstrukten gegeben, wie wir bereits im Mai berichtet haben.

Kurz darauf meldete sich Dressurausbilder Daniel Bachmann Andersen zu Wort und berichtete von Ungereimtheiten bei einem Handel mit einem Pferd, das bei Jan Pedersen zur Welt kam, dem Präsidenten des Dänischen Warmblutzuchtverbandes und der Weltzuchtverbandsvereinigung WBFSH.

Zwei Wochen danach veröffentlichte Nordjyske einen Artikel, in dem Helgstrand beschuldigt wird, bei einer Fohlenauktion 2020 sowohl die Verkäuferin des Spitzenfohlens als auch seinen Geldgeber betrogen zu haben.

Zudem wurde jüngst bekannt, dass die bekannte norwegische Pferdefrau Kristin G. Andresen die niederländische Academy Bartels verklagt, die über Helgstrand Dressage den Hengst Donkey Boy von Andresen erworben, aber nicht bezahlt hat. Der Hengst hat sich bei Helgstrand so schwer verletzt, dass eine Rückkehr in den Sport unwahrscheinlich ist. Auch hier ist Helgstrand involviert und hat in den vergangenen Wochen mehrfach Stellungnahmen zu der Angelegenheit veröffentlicht. Einzelheiten zu dem Fall finden Sie hier.