Fünfkampf-Bundestrainerin Kim Raisner von den Olympischen Spielen ausgeschlossen

Modern Pentathlon – Olympics: Day 14

Fünfkämpferin Annika Schleu mit Leihpferd Saint Boy, der bei den Olympischen Spielen in Tokio viermal verweigerte. (© Dan Mullan/Getty Images)

Der Weltverband des Modernen Fünfkampfes (UIPM) hat heute bekannt gegeben, dass die deutsche Bundestrainerin Kim Raisner von den Olympischen Spielen in Tokio ausgeschlossen wird. Hintergrund ist ihr Verhalten gestern in der Disziplin Springreiten.

Springreiten ist eine der fünf Disziplinen des Modernen Fünfkampfs. Die deutsche Athletin Annika Schleu hatte das Gold vor Augen. Doch das Leihpferd, das ihr zugelost worden war, Saint Boy, hatte offensichtlich Angst vor der Atmosphäre in dem Stadion und weigerte sich zunächst, den Parcours zu beginnen. Erst durch massiven Sporen- und Gerteneinsatz konnte Saint Boy dazu gebracht werden, den Parcours doch noch in Angriff zu nehmen. Doch nach zwei missglückten Sprüngen, verweigerte Saint Boy und war nicht mehr zum Springen zu bewegen. Nach vier Verweigerungen schied das Paar aus.

Kim Raisner stand am Rande des Parcours und rief ihrer Schülerin zu, sie solle „richtig draufhauen“. Als der Wallach rückwärts Richtung Ausgang drängelte, wo auch Raisner stand, zückte die Bundestrainerin die Faust und schlug auch selbst zu.

Diese Szene wurde vom Weltverband des Fünfkampfes ausgewertet und wie folgt kommentiert: „Der Vorstand hat Videoaufnahmen überprüft, die zeigten, wie Frau Raisner das Pferd Saint Boy, geritten von Annika Schleu, während der Reitdisziplin des Modernen Fünfkampfs der Frauen mit der Faust schlug. Ihre Handlungen wurden als Verstoß gegen die UIPM-Wettbewerbsregeln angesehen, die für alle anerkannten Wettbewerbe im Modernen Fünfkampf einschließlich der Olympischen Spiele gelten.“

Raisner hätte heute die Männer bei ihrem Fünfkampf-Wettbewerb betreuen sollen. Das darf sie nun nicht mehr.

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Auch DOSB für Ausschluss

Wie die ARD Sportschau berichtet, hatte der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB), Alfons Hörmann, bereits vor der Entscheidung des Verbandes verkündet, dass Kim Raisner beim Wettbewerb der Männer „weder am Parcours noch am Abreiteplatz“ im Einsatz sein würde.

Für das deutsche Team, die Trainerin, die Athleten und die Pferde sei dies der richtige Schritt.

Hörmann plädiert ferner dafür, als Konsequenz aus den Ereignissen das Reglement zu ändern. Dabei bezieht er sich nicht nur auf den Vorfall mit Annika Schleu, die die zweite Reiterin von Saint Boy war. Die Mitbewerberin, die ihn davor geritten hat, war mit drei Verweigerungen aus dem Parcours gekommen. „Es gab nicht nur das eine Reiter-Pferd-Problem.“ Das sei „inakzeptabel“, könne „nicht die Perspektive für den Modernen Fünfkampf“ sein und schade „dem Ansehen von Sportart und Sportlern“.

Kommentar der FN

Auch die FN, die mit dem Fünfkampf allerdings eigentlich nichts zu tun hat, hat zu den Vorfällen Stellung bezogen. DOKR-Geschäftsführer Dr. Dennis Peiler sagte:

„Als Fachverband für den Pferdesport sehen wir die Reiterei im Modernen Fünfkampf kritisch. Unser Verständnis der Reiterei liegt in der Partnerschaft zwischen Mensch und Pferd und nicht darin, das Pferd als Sportgerät zu betrachten.

Die Bilder, die wir gesehen haben, haben eine klare Überforderung von Reiterin und Pferd gezeigt. Aus unserer Sicht muss das Regelwerk dieser Sportart so gestaltet sein und angewendet werden, dass Reiter und Pferd geschützt werden. Hier besteht beim Modernen Fünfkampf offensichtlich dringender Handlungsbedarf. Die Zuständigkeit für das Regelwerk liegt beim Weltverband für Modernen Fünfkampf. FN und FEI sind hier in keiner Weise beteiligt.“

  1. Angelika Zimmermann

    Ein Foto mit hoher Symbolkraft – der Sprung „Moderner Fünfkampf“ fällt zusammen bzw. wird gerade von einer auf einem Pferd sitzenden Fünfkämpferin platt gemacht…

    Auch wenn das Regelwerk für den sogenannten „Modernen Fünfkampf“ nicht in den Zuständigkeitsbereich der FN fällt wäre es dennoch wünschenswert, dass sich diese einmischt. Immerhin geht es um einen Pferdesport, der von einem fachfremden Verband geregelt wird und zwar ein einer Art und Weise wie das in der heutigen Zeit nicht mehr dem Zeitgeist entspricht bzw. nicht mehr vermittelbar ist. Das was dort beim „Springreiten“ geschieht hat mit dem heutigen Verständnis von Reitsport überhaupt nichts zu tun.

    Vielleicht wäre es eine Anregung an die Redaktion eine entsprechende Petition auf den Weg zu bringen.


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