Gekaufte Erfolge, Spysoftware und ganz und gar unroyales Benehmen

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Moment mal! Die Kolumne von St.GEORG Herausgeberin Gabriele Pochhammer (© Foto Bugtrup/Montage: www.st-georg.de)

St.GEORG Herausgeberin Gabriele Pochhammer war noch nie ein erklärter Fan von Scheich Mohammed al Maktoum, dem Herrscher von Dubai. Sein jüngstes Verhalten lässt sie grübeln über Erfolge, die man kaufen kann, und andere, die für kein Geld der Welt zu haben sind.

Reiten ist ein teurer Sport, das wissen wir alle. Selbst wenn wir unser Reitpferd in einem bescheidenen Stall mit Selbstausmisten eingestellt haben, die Rechnung will jeden Monat erst mal bezahlt sein, plus Wurmkuren, Versicherung, Hufschmied, Tierarzt etc. Wer im Spitzensport oben mithalten will, braucht noch ganz andere Ressourcen. Im Volksmund wird der Pferdesport ja auch gerne als „Reichensport“ bezeichnet, besser diffamiert, denn „die Reichen“ sind hierzulande so beliebt wie Pickel im Gesicht. Tatsache ist, dass ein Hochbegabter in der Leichtathletik oder im Fußball schneller den Weg nach oben findet als ein reiterliches Talent. Obwohl es auch immer wieder Beispiele gibt, dass begabte junge Leute aus bescheidenen finanziellen Verhältnissen trotzdem ihren Weg gehen.

Aber schneller geht’s mit Geld. Das machen uns Reiter und Reiterinnen aus den USA, aber auch aus anderen Ländern vor, die schon zu Beginn ihrer Karriere auf sehr guten und demzufolge sehr teuren Pferden sitzen. Von den Pferden kann man lernen, und dank Paycards stehen viele Türen zu hochklassigen Turnieren offen, die andere erst mühsam aufstoßen müssen. Aber ist der Erfolg deswegen käuflich?

Nicht wirklich, finde ich. Die „Golden Girls“ aus USA, Jessica Springsteen, Jennifer Gates, Eve Jobs und wie sie alle heißen, können zwar zur Freude einiger Luxuspferdehändler jedes Pferd dieser Welt kaufen, wenn sie wollen, aber reiten müssen sie es selbst. Und das tun sie oft auf beeindruckende Weise. Bestes Beispiel ist Jessica Springsteen, die in Tokio half, Mannschaftssilber und in Aachen den Nationenpreis zu gewinnen. „Ich bewundere diese Reiterinnen“, sagte mir kürzlich der Springreiter Max Kühner. „Denn anders als wir tragen sie obendrein das Päckchen ihres prominenten Namens.“ Will heißen, wenn sie runterfallen, feixen die sozialen Medien vor Schadenfreude.

Andere Trägerinnen großer Namen bringen es trotz großen finanziellen Engagements nicht über den Status des bemühten Amateurs hinaus, Athina Onassis etwa oder auch Prinzessin Haya von Jordanien, Präsidentin der Internationalen Reiterlichen Vereinigung (FEI) von 2006 bis 2014, die als junge Frau vor ihrer Ehe in Deutschland bei Paul Schockemöhle und anderen trainierte, Startgenehmigungen für Turniere bekam, von denen andere träumen und trotzdem nicht erreichte, was sie wollte, nämlich zu den Besten des Springsports zu gehören. Um sie ist es still geworden, seit ihrer Scheidung von Scheich Mohammed bin Rashid al Maktoum, heute 72, dem Staatschef von Dubai im Jahre 2019. Ein Mann, der glaubt, man bekommt alles, was man will, wenn man nur reich genug ist: eine Königstochter zur x-ten Ehefrau (genau weiß man nicht, wieviel Mitbewerberinnen Haya um die Gunst des Herrschers eigentlich hatte). Ein Mann, der mit seinen Kindern, es sollen 25 sein, so umspringt, als seien sie seine Hunde oder Leibeigenen. Die leidvolle Geschichte seiner Tochter Latifa, die bei dem Versuch, der väterliche Eisenfaust zu entfliehen, von Mohammeds Schergen eingefangen wurde, ging durch die Medien. In seinem Weltbild gelten Regeln nur für andere. Der Scheich hat mehr Pferde als Paul Schockemöhle, also mehrere tausend, verteilt auf Gestüte und Rennställe in aller Welt. Im englischen Rennsport-Mekka Newmarket ist er der größte Arbeitgeber und als die englische Polizei ein Flugzeug aus Dubai voller verbotener Medikamente beschlagnahmte, fasste ihn die sonst so gnadenlose britische Presse geradezu mit Samthandschuhen an, ganz nach dem Motto, keiner beißt in die Hand, die einen füttert.

Schon vor Jahrzehnten entdeckten Scheich Mohammed und seinesgleichen den Distanzreitsport für sich und sorgten dafür, dass das Image des Langstreckenreitens für viele Jahre in Trümmern liegt: Pferde, die mit gebrochenen Beinen noch durch den Wüstensand geprügelt wurden, Dopingfälle, vertauschte Pferde und andere Betrügereien. Viel zu spät und viel zu lasch griff die FEI durch. Der Scheich selbst wurde für sechs Monate gesperrt und um zu zeigen, dass ihn das läppische Urteil einer FEI-Jury nicht kümmert, veranstaltete er in genau dieser Zeit einen eigenen Distanzritt mit siebenstelliger Gewinnsumme.

Bei der Weltmeisterschaft in Aachen 2006 wurden ihm mal die Grenzen aufgezeigt, was man mit Geld kaufen kann. Ich sehe ihn noch vor der Tribüne stehen mit Ehefrau Haya, als sein Pferd zum letzten Vetcheck vorgeführt wurde und der unbeirrbare FEI-Tierarzt Gerit Matthesen das Pferd wegen Lahmheit aus der Prüfung nahm. Solcher gradlinigen Veterinäre wie den kürzlich verstorbenen Matthesen hätte es mehr bedurft, dann wäre es vielleicht nicht so weit gekommen mit dem Distanzreiten.

Beim jährlichen Ascot Rennmeeting, dem glanzvollen Social Event, wo sich die britische Upper Class und die, die gerne dazu gehören würden, in der Royal Box – der Tribüne des Königshauses – , Zutritt nur mit Einladung, trifft, sah man ihn, irgendwie verkleidet mit Zylinder und Cut, meist so finster blickend, dass man ihm nicht nachts in der U-Bahn hätte begegnen mögen, neben sich in den Anfangsjahren noch eine strahlende und bestens herausgebrachte Haya. Auch in der Kutsche der Queen durfte er schon mitfahren.

Aber damit ist es jetzt wohl vorbei. 2019 floh Haya mit ihren beiden Kindern nach London, wo sie im vornehmen Stadtteil Kensington in einer von Security streng bewachten Villa zurückgezogen lebt. Einen von ihrem Ex-Mann angestrengten Sorgerechtsstreit gewann sie, und die Kinder wurden unter den Schutz des britischen Staates gestellt, dürfen ohne dessen Zustimmung weder das Land verlassen, noch von ihrer Mutter getrennt werden. Anfang Oktober wurde jetzt eine weitere Ungeheuerlichkeit des Scheichs bekannt: Er hat mit der israelischen Software Pegasus das Handy seiner Ex-Frau, ihrer Anwältin und weiterer Personen aus Hayas Security Team hacken lassen. Diese Software soll in der Lage sein, die bespitzelte Person zu lokalisieren, ihre Emails, SMS und andere Apps zu lesen, Telefonate mitzuhören, Passwörter zu entschlüsseln wie auch Kontakte Termine und Fotos. In anderen Worten, der Hacker kontrolliert das komplette Leben des Handy-Besitzers.

Zeitglich soll Mohammed versucht haben, ein Haus in der Nähe von Hayas Villa zu kaufen, das eine komplette Überwachung ermöglicht hätte. Endlich verstehen die Briten jetzt keinen Spaß mehr. Sir Andrew McFarlane, der oberste britische Familienrichter, sprach von „mehrfachen Gesetzesbrüchen, einem totalen Vertrauensbruch und Machtmissbrauch durch ein Staatsoberhaupt“ und gestattete Haya, die Polizei zu informieren. Damit dürfte der Scheich gesellschaftlich erledigt sein, jedenfalls für die Gesellschaft, zu der er so gerne gehören möchte. Englischen Zeitungsberichten zufolge drängen ihre Berater die 95-jährige Queen schon jetzt, dem Dubai-Scheich, dem überführten Gesetzesbrecher, künftig den Zugang zur Royal Box zu verwehren. Und wie wir die Queen kennen, ist sie längst selbst zu dem Schluss gekommen, dass sie sich mit diesem Mann nicht sehen lassen kann, etwa auf einem gemeinsamen Foto. Der Scheich tut derweil wie Bolle, kaufte gerade in Newmarket 15 Vollblutjährlinge für mehr als zehn Millionen Pfund. Aber kein Geld der Welt wird dem Emporkömmling aus dem Morgenland jetzt noch Zugang zur königlichen Tribüne verschaffen. Hoffen wir mal.

  1. Heidi

    Da haben Sie recht, die Pferde müssen die Leute mit Geld immer noch selbst reiten. Da liegt der Unterschied zu den Golden Girls, im Mittleren Osten wurden und werden für zig Millionen Euro Pferde gekauft und innerhalb einer Saison verschlissen. Es gibt dort nur wenige Leute, die ernshaft bereit sind zu lernen, wie man mit Pferden umgeht. Tiere sind nichts wert in deren Augen, nur ein Vehikle für den Egotrip.


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