„HorseWatch“: Fünfjährige Studie untersucht Ausbildungsbeginn junger Pferde

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Wie wirkt sich welches Einstiegsalter junger Pferde ins Training auf deren Gesundheit aus? Die Studie "HorseWatch" will das nun herausfinden. (© slawik.com)

Die Studie „HorseWatch“ startet ab dem 1. April und erfährt in den kommenden fünf Jahren eine Förderung durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. Im Mittelpunkt der Studie steht die Frage, wie sich die Haltungs- und Trainingsbedingungen sowie das Einstiegsalter in das Training auf Gesundheit und Wohlbefinden junger Pferde auswirken.

Das Projekt „Untersuchung der frühen Nutzung von Pferden und möglicher Maßnahmen zur Vermeidung einer Überforderung oder Überlastung (HorseWatch)“ wird von einem Verbund verschiedener Institute durchgeführt. Die Diskussion um das Mindestalter von Pferden in der Arbeit hat in den vergangenen Jahren immer mehr an Fahrt aufgenommen. In den kürzlich überarbeiteten Leitlinien für den Tierschutz im Pferdesport wurde beispielsweise erstmals festgelegt, dass Pferde erst ab einem Alter von 30 Monaten ins Training genommen werden dürfen.

Das stellt auch die Terminierung von Hengstleistungsprüfungen vor neue Herausforderungen. Der Verband des Deutschen Sportpferdes hatte beispielsweise vor wenigen Wochen erklärt, dass dreijährige gekörte Hengste dort 2022 als Pilotjahr ohne Leistungsnachweis in Deckeinsatz gehen dürfen. Das hatte eine Diskussion entfacht.

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Wissenschaftliche Erkenntnisse fehlen bisher

Unter welcher Altersgrenze das Training von Pferden möglicherweise eher schadhaft ist, ist bisher Glaskugelleserei. An wissenschaftlichen Erkenntnissen mangelt es vollends. Die Studie „HorseWatch“ will das nun ändern. Das Forschungsteam möchte dafür die Reaktionen junger Pferde auf erste Trainingsreize untersuchen sowie die etwaigen Einflüsse darauf seitens unterschiedlicher Haltungsformen.

Dafür wurde die Studie in fünf Teilprojekte unterteilt. Neben Jungpferden auf der Weide und Warmbluthengsten sollen auch bei Trab- und Galopprennpferden die grundlegenden Körperfunktionen, Stressparameter, das Verhalten sowie die Entwicklung der Leistungsfähigkeit und Gesundheit in Abhängigkeit vom Alter untersucht werden. Dabei geht es auch darum, die Haltungsbedingungen mit einzubeziehen. Denn die ändern sich mit dem Start des „Reitpferde-Lebens“ meist, junge Pferde werden aufgestallt und büßen einen Teil ihrer sozialen Interaktionen und auch der freien Bewegung oftmals ein. Die Studie soll also auch eine Antwort darauf geben, ob diese veränderten Bedingungen eine Auswirkung auf das Wohl und die Gesundheit der Tiere haben.

„Wir arbeiten am ATB (Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie e.V., Anm. d. Red.) seit Langem an Verfahren zur Erfassung von Stress beziehungsweise Tierwohl bei Nutztieren, unter anderem bei Milchkühen. Unsere methodischen Ansätze wie die sensorgestützte Datenerfassung und die tierindividuelle Analyse werden wir auch im Projekt HorseWatch zum Einsatz bringen“, erläutert ATB-Wissenschaftlerin Dr. Gundula Hoffmann, die als Tierärztin das Projekt korrdiniert.

„Hochemotionales Thema auf wissenschaftliche Basis stellen“

Soenke Lauterbach, Generalsekretär der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN), sagt über „HorseWatch“: „Wir begrüßen das geplante Forschungsprojekt, mit dem es hoffentlich gelingt, ein hochemotional diskutiertes Thema von neutraler Seite auf eine sachlich-wissenschaftliche Basis zu stellen. Es gibt ja bereits wissenschaftliche Studien, die darauf hinweisen, dass ein früher, aber langsamer und schonender Aufbau zur langfristigen Gesunderhaltung der Pferde beiträgt. Dies entspricht auch den Grundsätzen unserer Ausbildungs-Richtlinien. Wir sind sehr gespannt, inwiefern das neue Projekt diese Ergebnisse untermauert und welche neuen Erkenntnisse dazukommen.“

An dem Projekt HorseWatch beteiligt sind neben dem koordinierenden Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie e.V. (ATB) in Potsdam das Graf Lehndorff-Institut in Neustadt (Dosse), das Institut für Bewegungs- und Trainingswissenschaft der Universität Leipzig, das Institut für Tierschutz, Tierverhalten und Versuchstierkunde am Fachbereich Veterinärmedizin der Freien Universität Berlin, die Tierklinik Wusterhausen (Dosse) und das SVK-Sachverständigenkuratorium. Über ein begleitendes Expertengremium sind außerdem die Dachverbände des deutschen Pferdesports (Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) , Deutscher Galopp und Hauptverband für Traberzucht), die Bundestierärztekammer, die Landestierschutzbeauftragten und die Pferdezucht begleitend in das HorseWatch-Projekt eingebunden.

  1. E. Zaheer

    Ein hochemotionales Thema ist es fürwahr, deswegen versuche ich, trotz der Aussicht auf diese massive Steuergeldverschwendung ruhig zu bleiben. Früher, als ich noch jung und naiv war, hätte ich mich über eine – weitere! – solche Studie gefreut. Heute bin ich alt genug, um zu wissen, dass sie auch nichts bewirken wird. Die FN sollte lieber mal überdenken, was ihre Richter auf Turnieren gut bewerten und dementsprechend in Zucht und Ausbildung der Pferde fördern, und ab welchem Alter man Pferde für derartige stressige Leistungsnachweise zulässt. Aber das wäre zu weit gedacht, nehme ich an.

    Zitat: „Unter welcher Altersgrenze das Training von Pferden möglicherweise eher schadhaft ist, ist bisher Glaskugelleserei. An wissenschaftlichen Erkenntnissen mangelt es vollends.“
    Euer Ernst? Ich hoffe, das stammt von der St. Georg-Redaktion (wobei das schon sehr traurig wäre!) und nicht von den Mitarbeitern der Studie. Habt ihr mal Google bemüht, was es schon alles an wissenschaftlicher Arbeit und Publikationen auf dem Gebiet gibt? „Glaskugelleserei“?? Ich merke schon, man braucht einen studierten Informatiker wie mich, um Google zu verwenden und am Ende festzustellen, dass es diese wissenschaftlichen Erkenntnisse bereits gibt. Mein Glück, sonst wäre ich arbeitslos.

    Aber wenn schon so große Töne gespuckt werden, vermisse ich eine vitale Information: Wie viele Pferde sind denn an der Studie beteiligt? Alles unter einer dreistelligen Zahl wird man kaum als empirisch bezeichnen können, und wenn man schon den KollegInnen unter den Wissenschaftlern abspricht, ihre bisherige Arbeit korrekt gemacht zu haben („Glaskugelleserei“), hoffe ich doch, dass die Damen und Herren von „HorseWatch“ mit entsprechenden Zahlen aufwarten können!

    Zitat Soenke Lauterbach: „Es gibt ja bereits wissenschaftliche Studien [Anmerkung von mir: Ach, das, was weiter oben als „Glaskugelleserei“ bezeichnet wird?], die darauf hinweisen, dass ein früher, aber langsamer und schonender Aufbau zur langfristigen Gesunderhaltung der Pferde beiträgt. Dies entspricht auch den Grundsätzen unserer Ausbildungs-Richtlinien.“
    Ich falle gleich vom Stuhl. Kann der Herr nicht lesen? Oder begreift er den Inhalt der existierenden Studien nicht? In welcher dieser Studien steht, dass es in Ordnung ist, zweijährige Pferde – pardon, „30 Monate alte Pferde“ (als ob das IRGENDWER von der FN kontrollieren würde) bereits unterm Sattel auszubilden und auf Turnieren, bei Leistungsnachweisen etc. vorzustellen? Die Grundsätze der FN stehen in meinen Augen klar hinterm Sport und nicht hinter den Pferden, obwohl es eigentlich unser aller größtes Bedürfnis als Pferdeliebhaber sein sollte, dass die Gesunderhaltung und optimale Haltung und Ausbildung an allererster Stelle steht. Aber leider ist das in der Praxis nicht so. Sport und Geld stehen weit überm Pferd. Und wer das noch bestreitet, braucht nur einen Blick nach unten auf den Link zum vorherigen Beitrag zu werfen: „Doping und verbotene Medikation bei Körungen“. Kranke Welt. Aber ich höre an der Stelle auf und gehe bei dem schönen Wetter lieber nach draußen zu meinen selbst gezogenen und ausgebildeten Pferden im Offenstall, die überraschenderweise kein einziges Mal gebuckelt haben oder durchgegangen sind, seit ich sie mit fünf Jahren unterm Sattel ausgebildet habe … Unsere alte Lady ist mit bald 33 Jahren übrigens immer noch topfit und reitbar, ebenso alle jüngeren Herrschaften mit 25+ Jahren. Wie viele von den ganzen FN-Leuten können das über ihre Pferde sagen? Da denke ich oft an das weinende Mädchen, das ihren „heißgeliebten“ Wallach mit acht Jahren einschläfern lassen musste, weil überraschenderweise die Gelenke kaputt gegangen sind, nachdem man jahrelang bei irgendeinem supertollen Europameister im Springtraining war. Da brauche ich keine (weitere) Studie, um zu entscheiden, was für meine Pferde besser ist, besten Dank „HorseWatch“!

  2. Sabine Brandt

    „bisschen spät …“, war meine erster Gedanke, als ich diesen Bericht gelesen habe.

    Die Neufassung der Leitlinien des BML für den Tierschutz im Pferdesport war seit 2017 „in Arbeit“. Damals wäre der richtige Zeitpunkt gewesen, eine solche Studie mit Laufzeit von 5 Jahren in Arbeit zu geben. Die Ergebniss lägen heute vor und das „hochemotional diskutierte Thema“ wäre zeitnah „von neutraler Seite auf eine sachlich-wissenschaftliche Basis“ gestellt worden. Dem Pferdesport wäre reichlich negative Presse und nicht wieder gut zu machender Imageschaden erspart geblieben.

    „… Wir sind sehr gespannt, inwiefern das neue Projekt diese Ergebnisse untermauert und welche neuen Erkenntnisse dazukommen.“

    Da darf man nun wirklich gespannt sein. Insbesondere die Widersprüche disziplinübegreifender „Weisheiten“ dürften dann hoffentlich geklärt werden:
    die einen behaupten, der Vollblüter sei frühreif, daher entspräche die frühe sportliche Nutzung zweijähriger Rennpferde ihrem Naturell. Die anderen behaupten, Blutpferde seien spätreif, so erkläre sich das defizitäre Abschneiden junger Blutpferde im sportlichen und züchterischen Wettbewerb auf Körungen, Zuchtschauen und Jungpferdeprüfungen.

    Auf der Strecke bleibt allein der gesunde Pferdeverstand, der den Zusammenhang von Schaden und Nutzen früher oder verfrühter Ausbildung, insbesondere in Verbindung nicht artgerechter Longenzirkel und unangemessener Beizäumung erklärt.

    Solange der falsche Knick und Stechtrab aussen rum von Zucht- und Sportrichtern mit Höchstnoten bewertet wird, bedarf es doch eigentlich keiner wissenschaftlicher Studien?
    Da reicht es doch völlig aus, die Einhaltung der eigenen Grundsätze und Richtlinien vor der eigenen Haustür konsequent einzufordern?

    Das allerdings erfordert Rückgrat.
    Da mag man dann noch so gespannt sein auf neue Erkenntnisse in 5 Jahren – wer seine eigenen Richtlinien und Werte weiterhin nachhaltig dem Kommerz unterwirft, muss sich nicht wundern, wenn es in 5 Jahren möglicherweise keinen Pferdesport mehr gibt, den es auf sachlich-wissenschaftlicher Basis zu unterstützen gilt.

    • C_van_de_Pferd

      Sehr geehrte Frau Brandt,

      an dieser Stelle muss ich sagen, dass ich mich aber doch etwas über die Widersprüche in Ihrer Haltung bezüglich des Arbeitens junger Pferde wundere.

      Hier schreiben Sie: „Auf der Strecke bleibt allein der gesunde Pferdeverstand, der den Zusammenhang von Schaden und Nutzen früher oder verfrühter Ausbildung, insbesondere in Verbindung nicht artgerechter Longenzirkel und unangemessener Beizäumung erklärt.“

      oder Sie beklagen, dass „wer seine eigenen Richtlinien und Werte weiterhin nachhaltig dem Kommerz unterwirft, muss sich nicht wundern, wenn es in 5 Jahren möglicherweise keinen Pferdesport mehr gibt“.

      Gleichzeitig bejubeln Sie aber am 16. Februar dieses Jahres auf Ihrer Website die Vorstellung eines Ihrer eigenen Zuchtprodukte unter dem Sattel. Das Bild, wenn auch möglicherweise nur eine Momentaufnahme, zeigt ein Pferd im herrlichen Bergauf aber eben auch in so gar nicht remontemäßiger Beizäumung. Der junge Hengst ist, laut Ihrer Website, geboren am 25. Mai 2019 – also schon mit 2 Jahren und 9 Monaten „vorzeigbar“ unter dem Sattel. Wann also vom Hengsthalter mit dem Training begonnen wurde kann sich jeder selbst dazu denken.

      http://www.muensterland-pferde.de/fabelhaft.htm#16.2.2022

      Ihr Züchterstolz in allen Ehren, aber wo ist denn hier das Rückgrat das Sie selbst von Pferdeleuten fordern?

      Ich schätze die Ausführungen auf Ihrer Website zu Ihren Anpaarungsüberlegungen, die herrlich geschriebenen Berichte über die Ankunft Ihrer Fohlen und dem „Foal-Eventing“, und wie Sie selbst zuhause Ihre Stuten anreiten wirklich sehr. Nach Ihrem Kommentar hier frage ich mich aber, ob Sie, obwohl Sie erkannt haben woran das System in DE krankt, nicht bereit sind, Konsequenzen im Sinne der Pferde daraus zu ziehen?

      Mit freundlichen Grüßen

  3. M. Bach

    Die Rückkehr von CORNET OBOLENSKY uns COMME IL FAUT, der beiden schon zu Lebzeiten legendären Hengste, machen mich überglücklich. Herzlichen Dank an alle Beteiligten, die dies unter ihrem persönlichem Einsatz ermöglicht haben!

    Umso überraschter bin ich allerdings, dass die beiden Hengste überhaupt in der Ukraine stationiert waren. Komisch, dass ich das nicht mitbekommen oder überlesen habe.

    Speziell nach dem sehr berührenden Abschied von COMME IL FAUT, der medial mit den Worten kommentiert wurde, dass er fröhlich seinem Leben als Rentner „entgegengaloppiere“, hatte ich irgendwie die Vorstellung, er ginge in seinen vertrauten Züchterstall zurück, würde dort hin und wieder „abgesamt“, leicht geritten, und stünde ansonsten liebevoll umsorgt mit einem Wallach oder Pony auf der Weide. Das, was Rentner halt so machen (sollten).

    Dass solch verdiente Senioren dann doch noch weit weg in die Fremde expatriiert werden, egal ob verkauft oder verpachtet, habe ich nicht gewusst. Wie war das noch einmal mit den alten Bäumen, die eigentlich nicht mehr verpflanzt werden sollten?

    Übrigens, ist auch das ein Nebeneffekt moderner Zucht- und Hengsthaltungsmethoden, die es den Stutenbesitzern recht schwer machen, überhaupt noch nachzuvollziehen, wo sich die für ihre Mutterstuten in Frage kommenden Hengste eigentlich befinden. Sie können kaum noch einfach einmal spontan und unkompliziert zu einem Hengst hinfahren, um ihn vor Ort selbst anzusehen.

    Das liegt unter anderem auch daran, dass der Samen eines Hengstes von mehreren unterschiedlichen Anbieter offeriert wird, und man oft nicht einmal weiß, bei welchem der Hengst selbst steht, und unter welchen Bedingungen er dort gehalten wird. Manchmal steht hinsichtlich der Vatertiere sogar die Frage im Raum: „Lebt der eigentlich noch?“

    Zwar braucht man die Stute selbst nicht mehr ins Gestüt zu bringen, aber sehr viel einfacher ist es aufgrund mangelnder Transparenz trotzdem nicht geworden.

    • Martha

      Wenn ich mich recht erinnere, war Comme il Faut immer im Besitz des Gestüts Zhashkov in der Ukraine. So war es jedenfalls bei den Starts mit Herrn Ehning eingetragen.
      Daher war ich nicht überrascht, dass der Hengst dort eingestallt wurde und nicht wie andere Rentner der Ehnings den Ruhestand in Borken verbringen sollte. Doch war ja wohl geplant, ihn für die Decksaison im Gestüt Vornholt einzustellen, wo er jetzt ja auch steht.


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