Jetzt doch: Max Kühner verabschiedet WM-Pferd Chardonnay

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Max Kühner und Chardonnay, ein Dreamteam im Parcours und nicht nur dort. (© Pauline von Hardenberg)

Als wir Max Kühner Anfang des Jahres für eine Reportage zuhause besucht haben, erzählte er, Chardonnay befinde sich gerade wieder im Aufbautraining. Doch nun hat er entschieden, den schönen Schimmelhengst in die Zucht zu verabschieden.

Wer Pferdesport verfolgt, hat ganz sicher noch die ersten Runden von Max Kühner und dem wunderschönen Holsteiner Schimmelhengst Chardonnay bei den Weltreiterspielen von Tryon 2018 vor Augen. Eine Nullrunde nach der nächsten drehte „Chadi“ dort. Im Finale fehlte dann etwas die Kraft. Wäre er null geblieben, wäre es Silber geworden. Am Ende war es Rang sechs.

Neben der WM in Tryon waren Chardonnay und Kühner auch bei den Europameisterschaften 2017 und 2019 am Start, allerdings eher glücklos. Besser lief es bei den beiden Weltcup-Finals 2016 und 2019, wo sie Rang 14 und Platz neun belegten.

2019 war überhaupt eine gute Saison für die beiden. Beim den Spruce Meadows Masters, DEM Spruce Meadows, gewannen sie erst das Six Bar Springen und wurden dann Dritte im Rolex Grand Prix – eine von vielen guten Grand Prix-Platzierungen.

Chardonnays Geschichte

Gezogen wurde der heute 15-jährige Chardonnay von Ernst-Uwe Sachau. Er hatte seine Corrado-Carolus-Tochter Pamina III, eine Vertreterin des Stammes 1228, mit 1,60-Springer Clarimo angepaart. Bei Familie Sachau kommen seit einem halben Jahrhundert Holsteiner Pferde zur Welt. So wurde schon Chardonnay Urgroßmutter Brigitte v. Calypso II bei ihnen geboren.

Zweijährig ging Chardonnay dann zunächst zu Lutz Gripshöver, wo er seine ersten Turniererfahrungen mit Oliver Schaal im Sattel sammelte. Mit ihm war Chardonnay mehrfach in Springpferdeprüfungen bis Klasse M siegreich. Seit 2014 ging der damals siebenjährige Schimmel dann unter Max Kühners Bereiter Helmut Schönstetter an den Start. Doch noch im selben Jahr übernahm Max Kühner selbst die Zügel. Für ihn sei Chardonnay immer etwas ganz Besonderes gewesen, sagte Kühner uns schon bei unserem Besuch für eine Reportage zu Beginn dieses Jahres.

Nun geht Chardonnay also in aktiven Ruhestand, soll Deckhengst werden. 2021 und 2022 war der Hengst nur ganz wenige kleine Springen gegangen. Er hatte sich verletzt, sollte wieder antrainiert werden, aber die alte Form erreichte er nicht mehr. Max Kühner schreibt auf seiner Instagram-Seite:

„Lieber Chadi,

danke für die wunderbaren Jahre als mein Sportpartner, bester Freund und Seelengefährte. Jetzt beginnt für dich ein neues Kapitel als Deckhengst. 

Wenn mich jemand fragt, welches Turnier, welcher Parcours oder welcher Erfolg mit dir für mich die besten waren, kann ich das nicht eindeutig beantworten. Ich habe jeden Moment genossen, sobald ich auf einem Rücken Platz nehmen durfte. Ob das nun auf einer unserer Runden auf der Rennbahn zuhause war oder einem der schwierigsten Parcours der Welt – deine unglaubliche Kraft, dein Instinkt, dein Spaß und das Gefühl, dass mit dir alles möglich ist, haben uns wunderbare emotionale Momente und Erfolge beschert.

In deiner Seele existiert das Gen Angst nicht, man hatte immer den Eindruck, du stündest über all dem. Dein Blick, aus dem so viel Stärke und Willenskraft spricht, ist noch immer täglich Motivation, Ansporn und Vorbild für mich. Du hast mich definitiv zu einem besseren Pferdemensch gemacht. Ohne dich wäre ich nicht so weit gekommen in meiner Karriere.“

Ein Hengst mit solchen Eigenschaften ist natürlich auch für die Zucht interessant. Schon früher war Chardonnay mal über die Station Bachl zu beziehen gewesen. Wo er nun aufgestellt wird, sei aber noch ein Geheimnis, so Kühner auf Instagram. Es sei eine namhafte Station und es werde Frisch- und TG-Samen geben. Dieses Jahr seien 30 Stuten gedeckt worden und die Trächtigkeitsquote sei „exzellent“. Kühner weiter: „Deine ersten Nachkommen sind nun erst zweijährig. Aber bislang sind sie sehr viel versprechend und zeigen schon heute die typischen ,Chardonnay Gene‘ mit deiner Stärke, deinem Aussehen, deinem Charakter und deinem grenzenlosen Mut – perfekte Gene, die Hoffnung auf Großes machen.“