Olympiareiter Wolfgang Müller ist gestorben

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Reitmeister Wolfgang Müller (1931-2021) auf Szemafor, Olympische Spiele München 1972 (© Werner Ernst)

Er war elfmaliger DDR-Meister und vertrat seine Nation bei den Olympischen Spielen in Mexiko 1968 und München 1972: Wolfgang Müller war seinerzeit einer der besten Dressurreiter der DDR. Im Alter von 90 Jahren ist Müller nun vor Kurzem verstorben.

Wolfgang Müller wurde 1931 in Landsberg/Warthe im damaligen Schlesien geboren. Nach dem Krieg fand Müller seine Leidenschaft im Pferdesport. In den 1950er-Jahren absolvierte er im Landgestüt Halle-Kreuz in Halle an der Saale eine Ausbildung zum Gestütswärter. Dort erlernte er auch das Einmaleins der Reiterei. Danach zog es ihn zum Armeesportclub Potsdam. Dort bekam er die Möglichkeit, an Turnieren und Meisterschaften teilzunehmen. Alleine in den 1960er Jahren wurde er fünf Mal in Folge DDR-Meister und empfahl sich damit als Championatsreiter.

Für die Mannschaft der DDR um Wolfgang Müller, Horst Köhler und Gerhard Brockmüller ging es im Jahr 1968 zu den Olympischen Spielen in Mexiko. Dort errangen sie den vierten Platz in der Teamwertung. Wolfgang Müller belegte mit seinem Vollblüter Marios den 16. Platz im Einzel. Im gleichen Jahr wurde Müller für seine Verdienste im Pferdesport mit dem Titel „Meister des Sports“ in der DDR ausgezeichnet. Ein Jahr später folgte dann die Teilnahme an der Europameisterschaft in Wolfsburg. Das DDR-Trio von Mexiko konnte in Wolfsburg die Team-Silbermedaille erringen, 1970 gab es dann Team-Bronze bei der Weltmeisterschaft in Aachen. Mit seinem zweiten Top-Pferd Szemafor wurde Müller 1972 abermals in die olympische Equipe der DDR berufen und ritt mit seinen Teamkameraden Köhler und Brockmüller zu einem fünften Platz mit dem Team und Platz 16 in der Einzelwertung.

Auch als Ausbilder engagiert

Nach Olympia 1972 in München wurde der Reitclub, Müllers einstige Wirkungsstätte, aufgelöst. Doch den Reitsport wollte er nicht aufgeben. So zog er mit seinen beiden Top-Pferden Marios und Szemafor ins sächsische Löbnitz in der Nähe von Leipzig. LPG Pflanzenproduktion hieß sein neuer Arbeitgeber, jedoch war das Unternehmen auch ein staatlich anerkannter Pferdebetrieb. Müllers neue Aufgabe bestand fortan darin, seine Kenntnisse an den reiterlichen Nachwuchs weiterzugeben. Und so lernte er seine spätere Ehefrau Ina Saalbach-Müller kennen. Gemeinsam mit ihrer Schwester Anke stellte Ina Saalbach-Müller die wohl bekanntesten und erfolgreichsten Reiterinnen der DDR dar. Seine Schüler erritten insgesamt 35 Titel bei DDR-Meisterschaften.

In den 1970er- und 1980er-Jahren konnte Müller sich erneut mehrmals den Titel des DDR-Meisters in der Dressur erreiten. Daneben ritt Wolfgang Müller auch Springen bis zur schweren Klasse.

Nach der Wiedervereinigung wurde Wolfgang Müller 1998 für seine Errungenschaften als Reiter und Ausbilder der Ehrentitel Reitmeister verliehen. In Löbnitz wurde zudem das Martin- und Wolfgang Müller-Reitstadion nach ihm benannt.

Nun verstarb Wolfgang Müller nach langer, schwerer Krankheit am 30. Dezember 2021 im Alter von 90 Jahren in Löbnitz. Unser aufrichtiges Beileid gilt Ina Saalbach-Müller sowie den Angehörigen von Wolfgang Müller.

Quelle: Pferdesport Sachsen