Pferdehalter durch Hyalomma-Zecke mit Fleckfieber infiziert

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Links: heimische Zeckenarten, rechts: Hyalomma (© Uni Hohenheim/Marco Drehmann)

Erstmals ist in Deutschland ein Mensch durch den Stich der tropischen Zeckenart Hyalomma an Fleckfieber erkrankt. Es handelt sich um einen Pferdehalter in Siegen im Sauerland.

Offiziell gilt der Pferdehalter als Verdachtsfall. Zwar sei der Erreger des Fleckfiebers in der Zecke nachgewiesen worden, die den Mann gebissen hat, aber es sei nicht gelungen, den Nachweis am Patienten direkt zu erbringen. Die Behandlung habe an erster Stelle gestanden, betonte ein Medizinier am Institut für Mikrobiologie der Universität München gegenüber dem SPIEGEL. Dort heißt es jedoch weiter: „Der unmittelbar vorausgegangene Zeckenstich, die typischen Symptome und vor allem der Nachweis des Erregers in der Zecke lassen keinen anderen Schluss zu, als dass es ich bei dem Fall um Zecken-Fleckfieber handelt.“

Der Mann habe mit Antibiotika erfolgreich behandelt werden können. Es ist das erste Mal, dass in Deutschland ein Mensch durch einen Stich der Hyalomma-Zecke erkrankt. 2018 wurden erstmals gehäuft Hyalomma-Zecken in Deutschland gefunden. Sie sind eigentlich in Afrika, Asien und Südeuropa beheimatet, werden aber z.B. durch Zugvögel auch zu uns transportiert.

Dies sei auch schon in vorangegangenen Jahren passiert, erklärte die Parasitologin Prof. Dr. Ute Mackenstedt von der Universität Hohenheim in St.GEORG 6/2019. Aber der heiße Sommer 2018 habe ihnen hierzulande besonders gute Lebensbedingungen geboten. „Der Klimawandel scheint es der Hyalomma Zecke zu erlauben, auch dauerhaft in Deutschland Fuß zu fassen“, so Prof. Dr. Mackenstedt. Erstmals sollen Tropen-Zecken nun auch bei uns überwintert haben. In diesem Jahr sind hier bereits deutlich mehr Exemplare gezählt worden als noch 2018. Mackenstedt sagte dem SPIEGEL, letztes Jahr habe man 35 Exemplare gefunden. 2019 seien es 50. Und beinahe jede zweite Zecke trage den Fleckfieber-Erreger in sich, so Mackenstedt.

Jagdzecke

Hyalomma unterscheidet sich zum einen optisch von unseren einheimischen Zecken. Sie ist sehr viel größer, bis zu zwei Zentimeter lang, bräunlich und hat vor allem gestreifte Beine. Zudem verhält sie sich auch ganz anders.

Der gemeine Holzbock ist eher träge. Er wartet auf einem Grashalm bis er ein Opfer riecht und sich dann fallen lassen kann. Hyalomma hingegen ist eine sogenannte Jagdzecke. Sie hat gute Augen und sieht ihre Beute schon von weitem. Dann wartet sie nicht, bis diese vorbei kommt, sondern läuft auf sie zu bzw. hinter ihr her, um sich dann festzusetzen.

Das kann gefährlich werden. In Deutschland war der erkrankte Pferdewirt der erste Fall. Er hat zum einen gezeigt, dass Hyalomma auch Menschen sticht, und zum anderen, dass die Übertragung des Zecken-Fleckfiebers durch die Parasiten möglich ist. Das Fleckfieber ist aber nur eine Krankheit, die durch die tropische Zecke übertragen wird.

Es heißt, Hyalomma könne auch gefährlichere Erreger übertragen, etwa das Virus, das das Krim-Kongo-Fieber auslöst. Allerdings konnte dieses Virus bislang bei keiner der Hyalomma-Zecken, die hierzulande eingeschickt und untersucht worden sind, nachgewiesen werden.

Vorsicht ist bei allen Zecken geboten. Sie können für Tiere und Menschen gefährlich werden, weil sie Krankheiten wie Borreliose und FSME übertragen. Was Sie über die heimischen Zecken wissen müssen, wie Sie sich und Ihr Pferd schützen können, haben wir hier für Sie zusammengetragen.

Übrigens ein Gutes hat Hyalomma: Sie kann sich nicht so unbemerkt an ihrem Opfer festsaugen, wie der hiesige Holzbock. „Das merken Sie, wenn die auf Ihnen herumläuft“, sagt Parasitologin Mackenstedt. Schließlich sei sie deutlich größer.

 

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