Schweizer Springreiter Paul Estermann wegen Tierquälerei verurteilt

Castlefield Eclipse Paul Estermann

Paul Estermann und Castlefield Eclipse beim CHIO Aachen 2012. (© v. Korff)

Der Schweizer Springreiter Paul Estermann wurde der Tierquälerei für schuldig befunden. Er streitet die Vorwürfe jedoch ab.

Die Fotos, die im Oktober 2018 von der Schweizer Tageszeitung „Blick.ch“ veröffentlicht wurden, schockieren (Achtung, das sind wirklich schreckliche Bilder!): Ein Pferdebauch, übersät mit blutigen Striemen und Schwellungen. Sie sollen das Ergebnis von Peitschenschlägen durch den Schweizer Championats-Springreiter Paul Estermann sein, und der Bauch soll zu dessen inzwischen verstorbener Olympiastute Castlefield Eclipse gehören.

Ein Pfleger hatte Estermann angezeigt. Nun melden mehrere Schweizer Publikationen, unter anderem www.pferdewoche.ch, dass die Staatsanwaltschaft Sursee eine Pressemitteilung herausgegeben hat, in der von der Verurteilung Paul Estermanns berichtet wird.

Die Staatsanwaltschaft gehe davon aus, dass Paul Estermann „eine Stute mehrmals mit einer Dressurpeitsche wissentlich und willentlich mehrfach heftig und übermäßig gegen die Flanken und den Unterbauch schlug“. Er habe so „ein besseres Trainingsergebnis“ erzielen wollen. Auf ähnliche Weise soll auch noch ein zweites Pferd zu Schaden gekommen sein.

Die Staatsanwaltschaft Sursee habe Estermann nun wegen „mehrfacher Widerhandlung gegen das Tierschutzgesetz“ (Tierquälerei) mit einer „bedingten Geldstrafe“ von 90 Tagessätzen zu je 160 Franken und einer Buße von 3600 Franken bestraft. Zudem müsse der Verurteilte die Verfahrenskosten tragen.

Estermann hat Einspruch erhoben. Der Fall geht nun vor das Bezirksgericht Willisau.

Schweizer Verband: Unschuldsvermutung

In einer Mitteilung des Schweizer Pferdesportverbandes (SVPS) heißt es, es gelte die Unschuldsvermutung: „So lange Paul Estermann nicht rechtskräftig verurteilt ist, gilt diese. Sollte er vor Gericht schuldig gesprochen werden, wird der SVPS weitere Maßnahmen prüfen.“

Die Angelegenheit wurde im Frühjahr 2017 publik. Damals erschienen erstmals Fotos des verletzten Pferdes, die Paul Estermanns damaliger Pfleger, der Tscheche Zdenek Dusek, der Polizei übergeben hat. Es wurden Ermittlungen aufgenommen, die im August 2017 abgeschlossen waren.

Auf Basis der Untersuchungen leitete dann die Staatsanwaltschaft Ermittlungen ein, die nun mit obigem Ergebnis abgeschlossen wurden.

Wie die Pferdewoche berichtet, hatte Paul Estermann seinen Startplatz von der Europameisterschaft 2017 in Göteborg von sich aus zurückgegeben. Bei der EM in Rotterdam war mit Lord Pepsi für die Schweiz im Einsatz.

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  1. Doris

    Unfassbar aber leider kein Einzelfall. Hut ab vor dem mutigen Pfleger, der die Missstände angezeigt hat. Stellvertretend für die Pferde sage ich herzlichen Dank. Menschen vom Typ „Estermann“ sollten sich schämen; diese haben in unserem Sport nichts verloren.


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