Tierquäler wieder aktiv – Tipps, wie Sie Ihre Pferde schützen können

Symbolfoto Weide

(© www.toffi-images.de)

In der Oberlausitz in Sachsen ist es wiederholt zu gewalttätigen Übergriffen auf Pferde auf der Weide gekommen. Ein Pferd kam dabei ums Leben, ein zweites wurde schwer verletzt. Und das sind nicht die einzigen Vorfälle. Wir haben eine Reihe Tipps zusammengetragen, die es den Tätern zumindest schwerer machen.

Zwei Taten innerhalb von vier Tagen – im Landkreis Görlitz in der sächsischen Oberlausitz geht ein bzw. gehen mehrere Tierquäler um. Vor einer Woche war eine 20-jährige Stute so gravierend mit einem Messer verletzt worden, dass sie verblutet ist. Die Besitzerin berichtete gegenüber der BILD Zeitung, dass sie die Stute am Morgen nach der Tat gefunden habe. Sie habe die Stute über Nacht auf der Weide direkt hinter ihrem Wohnhaus gelassen. Am nächsten Morgen habe sie ihr Pferd „reglos liegend in seinem Blut“ gefunden.

Nur wenige Tage später, am Freitag, kam es erneut zu einem Übergriff auf ein Pferd, und das nur elf Kilometer entfernt. Diesmal traf es einen Wallach, der eine 20 Zentimeter lange und 15 Zentimeter tiefe Wunde an der Hinterhand hatte. Er ist aber in stabilem Zustand. Seine Besitzerin erzählte, sie sei abends um 21 Uhr angerufen worden, weil ihr Pferd blute. Der Tierarzt kam und hat den neunjährigen Wallach versorgt.

Die Polizei ermittelt nun, die tote Stute wird obduziert, um herauszufinden, ob sie eventuell auch missbraucht wurde.

Auch in Thüringen Attacken auf Pferde

Vor einem Monat war es auch in Thüringen, genauer gesagt im Weimarer Land bei Döbritschen, zu einer brutalen Attacke Pferde gekommen, die für eines tödlich endeten. Auch hier stach der Täter mit einem Gegenstand auf zwei der insgesamt drei Tiere auf der Weide ein. Eines hatte so massive Verletzungen in Hals- und Bauchbereich, dass es starb. Der Besitzer fand es leblos auf seiner Koppel.

Ein weiteres Pferd hatte drei Stiche an Hals, Bauch und Rücken und wurde von einer Tierärztin behandelt.

Auch in Rheinland-Pfalz hat ein Tierquäler zugeschlagen, wenn auch auf andere Art. In der Nacht von Samstag auf Sonntag wickelte er einem Pferd auf einer Weide in Nanzdietschweiler, Landkreis Kusel, Stacheldraht um den Hals. Das Pferd verletzte sich „nicht unerheblich“, wie es im Polizeibericht heißt. Zudem brachte der Täter auch Stacheldraht an der Tränke an.

Die Polizei Kusel sucht Zeugen. Hinweise werden unter Tel. 06831/9190 bzw. per E-Mail unter pikusel@polizei.rlp.de entgegengenommen.

Quelle: www.reitturniere.de

Wie können wir die Pferde schützen?

Der Polizei betont, dass ein wirksamer Schutz von Pferden eigentlich nur im Stall zu gewährleisten ist. Sie empfiehlt­ daher, Pferde nachts hereinzuholen. Doch das ist bekanntlich in der Praxis häufig nicht möglich. Das Problem ist, ein wirksamer Schutz der Pferde auf der Weide ist mit so hohem finanziellen und baulichen Aufwand verbunden, dass es praktisch nicht realisierbar ist. Aber man kann es den Tätern sehr wohl schwer machen!

Ein Minimum an Sicherungsmaßnahmen auf der Weide wäre zum einen ein mindestens dreireihiger Elektro­zaun mit höchstens 40 Zentimetern Abstand zwischen den Bändern. Ferner sollte das Tor stets verschlossen werden und der Strom sollte nicht durch Dritte abgestellt werden können.

Diese Barriere stellt für einen Täter allerdings kein ernstzunehmendes Hindernis dar. Daher sollten Pferde möglichst unter Beobachtung stehen – am besten auch nachts. Es sollten Videokameras mit möglichst hoher Auflösung schlaggeschützt in einer Höhe von mind. drei Metern angebracht werden (die nicht den öffentlichen Bereich, also alles außerhalb des eigenen Grundstücks filmen dürfen!).

Die haben allerdings auf die wenigsten Täter tatsächlich eine abschreckende Wirkung, weil sie sich oft vermummen. Sie ersetzen daher nicht die Präsenz von Menschen. Bringen Sie Schilder an, die auf die Überwachung hinweisen und eine Telefonnummer, an die Passanten sich wenden können, wenn sie Ungewöhnliches beobachten.

Generell sollte der Zugang zu den Tieren z. B. durch Wasserflächen, Büsche, Mauern erschwert werden.

Schutz im Stall

Der Schutz im Stall beginnt schon beim Zugang zum Hof. Das Grundstück sollte lückenlos mit einem mindestens zwei Meter hohen Zaun bzw. einer Mauer umschlossen sein, am besten noch mit einem sogenannten Übersteigschutz (das wäre auch das Mittel der Wahl für einen wirksamen Schutz auf der Weide).

Im Dunkeln sollte der Hof gut ausgeleuchtet sein. Empfohlen werden durch Bewegungsmelder zu aktivierende starke Strahler an drei Meter hohen Masten, die nicht manipuliert werden können. Abgestimmt auf die Ausleuchtung sollten Videokameras installiert werden, die auch in der Dunkelheit verwertbare Bilder liefern.

Fenster und Türen sollten einbruchsicher sein. Spezialfirmen beraten auch in Sachen Nachrüstung. Die Eingangstüren sollten außen mit Knauf und mit einer Panikverriegelung ausgestattet werden, so dass sie zwar von außen nicht zu öffnen sind, aber von innen bei Betätigung der Klinke sofort entriegelt werden.

Eine Einbruchmeldeanlage, die die Grundstücksgrenzen sichert, schlägt Alarm, noch ehe der Täter eindringen konnte. Die Anlage sollte mit einem Wachdienst gekoppelt sein.

Das Aktionsbündnis Pro Pferd (www.propferd.org) befasst sich ebenfalls seit geraumer Zeit mit diesen Taten. Hier wird darauf hingewiesen, dass einige Täter die Ställe oft über einen längeren Zeitraum beobachten, um herauszufinden, wann die Pferde über einen längeren Zeitraum unbeaufsichtigt sind. Spricht man mit Betroffenen, erinnern die sich häufig, dass in den Wochen vor der Tat Fremde auf der Anlage waren, die auch Kontakt zu den Pferden aufnehmen. Wer das bemerkt, sollte also alarmiert sein!

Auch wichtig: Die Pferde sollten auf jeden Fall ohne Halfter auf der Weide stehen und es sollten keine Stricke am Weidetor zurückgelassen werden! Sonst haben die Täter es leichter, die Pferde festzuhalten.

Auch sollten keine potenziellen „Waffen“ wie Mistgabeln, Schaufeln, Peitschen herumstehen!

Allgemeine Hinweise

  • Sollte eine vollumfängliche mechanische und elektronische Sicherung z. B. aus Kostengründen nicht realisiert werden können, könnten auch isolierte Sicherungsbereiche innerhalb des Gebäudes bestimmt (z. B. Bereich der Stallungen, Wohngebäude, Raum mit Wertgegenständen, Sätteln usw.) und diese mechanisch und ggf. zusätzlich elektronisch gesichert werden.
  • Durch eine sinnvoll projektierte Zutrittskontrolle (z. B. durch Elektronikschlösser und klare Aufteilung in öffentliche und nicht öffentliche Bereiche) sollte verhindert werden, dass unberechtigte Personen sensible Bereiche betreten können.
  • Es wird empfohlen, die Sicherungen durch einen polizeilich anerkannten Fachbetrieb errichten zu lassen. Die Hersteller zertifizierter Produkte sowie Adresslisten von Fachbetrieben finden Sie auf den Internetseiten der Länderpolizeien.
  • Hindernisse auf dem Gelände, insbesondere in der Nähe gefährdeter Bereiche bieten Versteckmöglichkeiten für Täter und sollten daher vermieden bzw. nach Möglichkeit entfernt werden. Aufstiegshilfen wie Leitern, Müllgefäße etc. sollten entfernt bzw. angeschlossen werden.
  • Sensibilisieren Sie andere Personen, Organisationen und bitten Sie diese, ebenfalls auf verdächtige Personen zu achten. Sprechen Sie Personen an, die Ihnen merkwürdig vorkommen. Sie werden sofort merken, ob die Person Böses plant oder einen berechtigten Beweggrund für ihren Aufenthalt im Stall hat. Haben Sie ein ungutes Gefühl, verständigen Sie die Polizei, diese wird die Person kontrollieren.
  • Informieren Sie bei verdächtigen Beobachtungen die Polizei.
  • Es muss immer auch der Brandschutz beachtet werden.
  • Die Versicherung sollte hinsichtlich möglicher Auflagen hinzu­gezogen werden.

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