Trauer um einen Pferdemann: Steffen Bothendorf ist gestorben

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Steffen Bothendorf (© Schreiner)

Mit 66 Jahren ist nach schwerer Krankheit der ehemalige Leiter des Hauptgestüts Graditz gestorben, Steffen Bothendorf.

Steffen Bothendorf war ein von jedermann geachteter Hippologe, der fast 40 Jahre lang die Geschicke des Hauptgestüts Graditz geleitet hat.

Hier ist begann nach Grundwehrdienst und dem Studium der Tierproduktion an der Karl Marx Universität Leipzig, das er 1980 als Diplomagraringenieur abschloss, seine berufliche Laufbahn.

Zunächst war Steffen Bothendorf Betriebsassistent im Gestüt Graditz an der Seite des damaligen Direktors Dr. Eberhard Neisser. Graditz war damals ein echtes Vollblutmekka mit 110 Englischen Vollblutzuchtstuten.

1982 wurde Bothendorf Zuchtleiter des Gestüts. Zusammen mit seinem Team hatte er maßgeblichen Anteil daran, dass die turbulenten Zeiten während der Wende sich nicht auf den Pferdebetrieb in Graditz ausgewirkt haben.

Das kam erst danach, als die Treuhandverwaltung 1991 fast alle Vollblutstuten sowie die Jährlinge verkauft hat. Bothendorf aber blieb. Als 1992 die Sächsische Gestütsverwaltung mit dem Landgestüt Moritzburg und dem Hauptgestüt Graditz gegründet wurde, übernahm Bothendorf die Leitung in Graditz und wurde Stellvertreter an der Spitze der Sächsischen Gestütsverwaltung neben Dr. Matthias Görbert.

Bis zum 31. Januar 2018 hat Steffen Bothendorf mit viel Herzblut eine neue Stutenherde in Graditz aufgebaut, diesmal mit 25 Reitpferdestuten, darunter fünf Trakehner. Hier kam beispielsweise der Millennium-Sohn Freiherr von Stein zur Welt, der die Trakehner Farben beim Bundeschampionat hochgehalten hat und als einer der viel versprechendsten Nachwuchshengste seiner Zunft gilt.

Die Vollblüter haben Steffen Bothendorf indes nie ganz losgelassen. Als die Zucht 1992 privatisiert wurde, war er einer der großen Unterstützer und hat den Aufbau eines Pachtgestüts vorangetrieben, das er zeitweise auch leitete.

Zudem hat er die Sanierung des Graditzer Schlosses sowie der Stallungen und Außenanlagen des Gestüts unter seinen Fittichen gehabt und mit seinen Ideen auch maßgeblich mitgestaltet. So ist es ihm zu verdanken, dass nun auch Gastpferde in Graditz gehalten und aufgezogen werden können.

Steffen Bothendorf engagierte sich auch in der Trakehner Zucht. Von 2002 bis 2019 war er Mitglied der Körkommission und zudem im Vorstand des Zuchtbezirks aktiv.

Sehr am Herzen lag ihm auch die Ausbildung der nächsten Generation „Pferdemenschen“. Und das nicht nur am Hauptgestüt selbst, Bothendorf war auch Mitglied der Prüfungskommission für Pferdewirte und Pferdewirtschaftsmeister sowie Zuchtrichter.

Er hinterlässt eine große Lücke – nicht nur in seiner Familie, bei seiner Frau und seinen beiden Kindern mit deren Familien, sondern auch in der Pferdewelt, hier natürlich besonders in der Sächsischen Gestütsverwaltung.

Moritzburgs Landstallmeisterin Dr. Kati Schöpke und ihr Vorgänger, Bothendorfs langjähriger Weggefährte Dr. Matthias Görbert, schreiben in ihrem Nachruf auf den Kollegen und Freund:

„Alle, die ihn kannten, schätzten an ihm seine ruhige und besonnene Art, die Fähigkeit zuhören zu können und auch in schwierigen Situationen seine Zuverlässigkeit. Vielen Züchtern war er ein guter Ratgeber.

Alle, die ihn kannten, werden ihn ebenso wie seine Frau und Familie vermissen. Sein Andenken wird in seiner langjährigen Wirkungsstätte in der Sächsischen Gestütsverwaltung in Ehren gehalten.“

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