Tschüss, Daggi! Ein Weltmeister hat Abschied genommen

Morgendliche Zwiegespräche zwischen Fabienne Lütkemeier und D’Agostino …

Fabienne Lütkemeier und D'Agostino – demnächst gibt es noch einen Zweibeiner mehr zum Knuddeln für Fabienne Müller-Lütkemeier! (© Pauline von Hardenberg)

Mehrfacher Europameister der jungen Reiter, dann der Sprung ins Seniorenlager und hier mit verantwortlich für zwei Goldmedaille. Dazu ein Weltcup-Finale und unzählige weitere Erfolge – Fabienne Lütkemeiers D’Agostino hat sich seinen Ruhestand mehr als verdient. Dass er topfit den Hut zieht, konnte man bei seinem Abschied in Stuttgart erleben.

Noch einmal zelebrierten Fabienne Müller-Lütkemeier und D’Agostino „Daggi“ ihre gemeinsame Kür und begeisterten das Publikum in der Stuttgarter Schleyer-Halle. Der 2000 geborene De Niro-Sohn mag nicht der begnadete Piaffierer gewesen sein. Aber wann immer es nach vorne ging, brillierte er. Vor allem durch die Freude am gemeinsamen Tun, was er ausstrahlte. Als er beim Weltcup-Finale 2016 auf die letzte Mittellinie abbog, stahl sich ein Lächeln auf das Gesicht seiner Reiterin. So stolz und voller Freude schwebten die beiden auf die Richter zu. Damals wurde es Rang sechs.

Diesmal ging es nicht um Punkte und Platzierungen, sondern einfach nur um den Spaß an der Sache, sich ein letztes Mal vor großem Publikum bei jenem Turnier zu zeigen, auf dem alles begann mit den beiden. Doch dazu später.

Eine zu Tränen gerührte Fabienne Müller-Lütkemeier sagte nach ihrem Auftritt: „Vielen vielen Dank, dass wir heute vor seinem Lieblingspublikum noch einmal unsere Kür reiten durften. Das war der Wahnsinn. Daggi hat nochmal alles gegeben. Er liebt das Stuttgarter Publikum und gibt hier immer Vollgas. Heute Morgen bin ich mit ihm durch die Halle gelaufen – unser Ritual an jedem Turniermorgen. Danach stand er den ganzen Tag in seiner Box und hat mit gespitzten Ohren darauf gewartet, dass es endlich losgeht.“

Große Auftritte hat Daggi jetzt nur noch auf der Weide daheim in Paderborn. Oder auf der Rennbahn – die liebt er nämlich! Auf jeden Fall wird er bei seiner Familie bleiben. „1000 Dank an Daggi, der mir so viel gegeben hat. Ich freue mich auf jedes weitere Jahr mit ihm“, so Müller-Lütkemeier.

Erfolgsgeschichte D’Agostino

Am Rande der Stuttgart German Masters hatte Fabienne Müller-Lütkemeier D’Agostino vor zehn Jahren erstmals Probe geritten. Er war damals schon von Martin Waldvogel bis zur schweren Klasse ausgebildet worden. Zwischen Müller-Lütkemeier und dem hochbeinigen Hannoveraner hatte es sofort gefunkt. Und nicht nur deshalb ist Stuttgart für das Paar immer ein besonderes Turnier gewesen.

2014 hatten sie hier die Weltcup-Kür mit über 80 Prozent gewonnen, 2017 wurde er hier noch einmal Zweiter in einem stark besetzten Grand Prix. Im Interview mit Dressursport-Deutschland erklärte Fabienne Müller-Lütkemeier: „Es gibt nur wenige Runden, an die man sein ganzes Leben lang denkt. Die dem, was man sich unter perfekt vorstellt, so verdammt nahe kommen. Das war so eine Runde.“

Um alle Erfolge des Paares aufzuführen, fehlt hier der Platz. Aber nachdem sie sich 2008 gesucht und gefunden hatten, nahmen sie 2009 am Nürnberger Burg-Pokal Finale teil und wurden Zweite. Im Jahr darauf holten sie dreifaches Gold bei den Europameisterschaften der jungen Reiter.

Ein Jahr später wagten die beiden den Sprung in den Grand Prix-Sport und konnten sich noch im selben Jahr für die I-Tour beim CHIO Aachen empfehlen. 2013 folgte dann der erste Championatseinsatz bei den „Großen“. Das Ergebnis: Gold mit der Mannschaft bei den Europameisterschaften in Herning. 2014 folgte dann der Einsatz bei den Weltreiterspielen in der Normandie. Wieder gab es Gold mit der Mannschaft. Und das, obwohl das Paar bei beiden Einsätzen eigentlich nur als Reservisten benannt worden war.

Das Bild von D’Agostino und Fabienne Müller-Lütkemeier, wie sie frühmorgens am Halfter in aller Seelenruhe den Turnierplatz inspizieren, während alle anderen schon fleißig üben, wird im Gedächtnis bleiben. Ebenso wie die energiegeladenen Auftritte und die positive Ausstrahlung dieses Paares.

Mach’s gut, Daggi! Und danke auch von uns für die schönen Momente, die Du uns beschert hast!

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