Zwei Herpesfälle in Recklinghausen

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Eine WhatsApp-Sprachnachricht sorgt derzeit für Aufregung in Reiterkreisen. Es geht um das Thema Herpes. Ein Stallbesitzer warnt eindringlich vor Transporten etc., weil es in Nordrhein-Westfalen Todesfälle gegeben haben soll. Zitiert wird Tierarzt Thomas Schulte-Bossendorf, mit dem wir nun gesprochen haben.

Das Telefon von Tierarzt Thomas Schulte-Bossendorf steht seit gestern nicht mehr still. Er ist Teilhaber der Tierärztlichen Gemeinschaftspraxis für Pferde in Datteln. Als solcher hat er die Besitzer der großen Ställe im Landkreis Recklinghausen darüber informiert, dass es in einem Betrieb zwei bestätigte Fälle mit Herpes der neurologischen Form gibt. Einer der Stallbesitzer hat diese Information per WhatsApp in seiner Stallgruppe teilen wollen. Und so hat sich die Nachricht inzwischen nicht nur in ganz Deutschland, sondern auch über die Grenzen der Bundesrepublik hinaus verbreitet, wie Schulte-Bossendorf erklärt.

In der Nachricht ist auch die Rede von den auf St.GEORG online bereits gemeldeten Todesfällen am Niederrhein. Zudem sollten auch in Borken Pferde wegen einer Herpeserkrankung gestorben sein. Das kann Thomas Schulte-Bossendorf nicht bestätigen. „Das ist zwar nicht mein Zuständigkeitsbereich, aber was ich bislang in Erfahrung bringen konnte, hat sich dies nicht bestätigt. Sehr wohl bestätigt sind aber wie gesagt die Erkrankungen im Kreis Recklinghausen, einer Region von der Schulte Bossendorf sagt, hier herrsche die „größte Pferdedichte Europas“. Jedenfalls gibt es hier einige große Ställe, was unter Umständen die Ansteckungsgefahr erhöhen könnte.

Keine Panik, aber Vorsicht!

Der Tierarzt betont jedoch: „Es besteht überhaupt kein Grund zur Panik!“ Vorsicht sei aber sehr wohl geboten! Bei den beiden erkrankten Pferden handele es sich um „Stuten im besten Alter“. Es könne also nicht die Rede davon sein, dass nur besonders alte oder noch sehr junge Pferde bzw. solche mit geschwächtem Immunsystem anfällig seien. „Das Virus kann auch kerngesunde Pferde befallen!“, so der Tierarzt.

Allerdings war keines der beiden Pferde geimpft. Und das ist laut Thomas Schulte-Bossendorf das größte Problem: „Zu Beginn meiner Tätigkeit haben wir unheimlich viel gegen Herpes geimpft und hatten nie Probleme damit. Doch mit der Einführung der verpflichtenden Influenzaimpfung alle sechs Monate haben viele Pferdebesitzer gesagt, die zusätzliche Herpesimpfung sei ihnen zu teuer. Und nun häufen sich seit ein paar Jahren die Fälle.“ Schulte-Bossendorf würde sich einen Flächenimpfschutz von 70 bis 80 Prozent wünschen, „damit wir dieses Damoklesschwert Herpes jeden Winter loswerden“.

Maßnahmen gegen die Ausbreitung

Eine der besagten Stuten zeigte die ersten Symptome am Sonntag, die andere am Montag. Ihr Zustand ist noch kritisch, aber sie stabilisieren sich, so Schulte-Bossendorf. Sie wurden innerhalb ihres Bestands isoliert und bislang ist auch noch kein weiteres Pferd auffällig geworden. Bei einem hat man aber erhöhte Temperatur festgestellt.

Thomas Schulte-Bossendorf sagt, bis jetzt sei nur dieser eine Stall im Kreis Recklinghausen betroffen und es sei „unwahrscheinlich, dass das Virus den Stall verlässt“. Allerdings sollte man aufgrund der hohen Pferdedichte der Region schon die Augen offen halten, betont er. „Wenn Fieberfälle auftreten, sollten keine fremden Pferde auf den Hof kommen und auch keines der Pferde aus dem betroffenen Betrieb das Gelände verlassen!“ Auch Besuche der Pferdebesitzer aus dem Stall auf anderen Höfen sollten besser verschoben werden.

Was jeder Pferdebesitzer täglich tun sollte: Fieber messen und Protokoll über die Werte des Pferdes führen!