Reiterverbände flehen Prinzessin Haya um dritte Amtszeit an

Die Gegner pulverisiert,die Abtrünnigen um Gnade bittend – so in etwa muss man sich das Schauspiel vorstellen, das die Internationale Reiterliche Vereinigung (FEI) gestern in Montreux abgab. Keine Kritik mehr an der königlichen Präsidentin, stattdessen die innige Bitte, in einer dritten Amtszeit weiterzumachen.Ob sie dem Wunsch nachkommt, ließ sie freilich offen.

Nein, es ist ein Gerücht, dass bei der FEI der Hofknicks wieder eingeführt wird. Aber viel fehlt nicht. Der Knall kam am Nachmittag der Generalversammlung. Bei Tagesordnungspunkt 37 verließ die amtierende Präsidentin der Internationalen Reiterlichen Vereinigung (FEI), Ihre Königliche Hoheit Prinzessin Haya von Jordanien, den Sitzungssaal. Es ging um ihre Person. In einer  von 100 Verbänden, 75 Prozent der Mitglieder, unterschriebenen Petition sollte die Prinzessin gebeten werden, für eine dritte Amtsperiode zur Verfügung zu stehen. In glühenden Appellen ergriffen die Vertreter aus Belgien, USA, Sudan, Taipeh und Jamaica das Wort, priesen die Person und die Amtsführung der Präsidentin, nicht zu vergessen das schöne Gebäude in Lausanne, für sie 15 Millionen Schweizer Franken aufgetrieben hatte. Alle Kritiker, vor allem aus den Medien, wurden mit harschen Worten zurechtgewiesen. USA-Vertreter John Long sagte dazu: Wir brauchen nicht die Medien, um zu wissen, was wir zu tun haben. Dabei verschweig er freilich, dass die Medien lediglich über die Kritik berichtet hatten, die innerhalb der FEI an der Präsidentin laut geworden war.  Als Haya in den Saal zurückkehrte, erwartete sie standing ovations. Eine Lichtgestalt, deren Gegner pulverisiert waren. Was für ein Auftritt!

Jetzt ist eine außerordentliche Generalsversammlung notwendig, um durch eine Statutenänderung den Weg für Hayas dritte Amtszeit frei zu machen. Erst bei ihrem Amtsantritt 2006 hatte sie selbst die Amtszeit des Präsidenten auf acht Jahre begrenzen lassen. Im Sommer beschloss der Vorstand, den Antrag auf Wiederzulassung einer dritten Amtszeit  zu stellen, nicht ohne Wissen und Einverständnis der Präsidentin vermutlich. Doch dann, im Zuge der schärfer werdenden Kritik an ihren familiären Verstrickungen in die Tierschutzskandale im Distanzreiten, erklärte die Zweitfrau des Dubai-Scheichs Mohammed bin Rashid al Maktoum auf einmal, sie fühle sich an ihr Wort von 2006 gebunden. 2014 sollte Schluss sein. Der Vorstandsantrag verschwand daraufhin von der Tagesordnung. Gehen Sie zurück auf Los, würde man als Monopoly-Spieler sagen.

Gehen Sie sofort ins Gefängnis, hieß es vermutlich für den Präsidenten von Jamaica, Malcom McDonald, der noch am Vortag, als über den erschreckenden Anstieg von Dopingfällen und verletzten Pferden in den arabischen Ländern diskutiert wurde, gesagt hatte: Dubai ist ein Teil des Problems. Jedenfalls war er gestern verschwunden, stattdessen entschuldigte sich die Jamaica-Delegierte mit sich überschlagender Stimme für das ganz falsche Bild, das ihr Verband abgegeben habe.

Immerhin haben einige Verbände die Petition nicht unterschrieben, dazu gehörten außer Frankreich, Niederlande der Schweiz , und Großbritannien auch die Deutschen. Reiterpräsident Breido Graf zu Rantzau sagte dazu: Wir waren mit der Formulierung nicht einverstanden. Wir hätten lieber vorgeschlagen, über eine dritte mögliche Amtsperiode unabhängig von der Person der jetzigen Präsidentin zu diskutieren, anstatt gleich zur Beschlussfassung eingeladen zu werden.

Am Vortag hatte der Vorsitzende der Arbeitsgruppe Distanzreiten, Andrew Finding, bessere Ausbildung, harte Strafen und schärfere Kontrollen von Reitern, Trainern und Offiziellen im Distanzsport angekündigt. Er sprach von einem katastrophalen Level, den Verletzungen bei Distanzpferden inzwischen erreicht hätten.  Wir haben Werte, an denen sich jeder orientieren muss, wenn er zu uns gehören will, sonst muss er uns bitte verlassen, sagte Finding in Richtung Doping-Distanzler. Dafür bekam er volle Rückendeckung von der Prösidentin. Dem Vorstoß von Saeed al Taher aus Dubai, der in der Distanzarbeitstruppe für die Trainer sprach und die Verantwortung vom Reiter auf den Trainer verlegen wollte, erteilte sie eine klare Absage. Ich garantiere Ihnen, dass in der FEI immer der Reiter die verantwortliche Person bleiben wird, stellte Haya klar. 

Offen ließ sie hingegen, ob sie der Bitte dem Wunsch nach einer dritten Amtszeit überhaupt nachkommt. Im Grunde stehe sie zu ihrem Entschluss, nach zwei Amtszeiten den Posten freizumachen. „Ich mache meinen Job“, sagte sie. „Am besten wäre es, wenn ich mich durch meine Arbeit überflüssig machen würde, dass man quasi jeden als Präsidenten nehmen könnte.“ Über die Regeländerung soll im April in Lausanne bei einer außerordentlichen Generalversammlung abgestimmt werden.

Gabriele Pochhammer