Beezie Madden siegt auch in zweiter Qualifikation beim Weltcupfinale 2018

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So schön kann Springreiten sein: Beezie Madden und Breitling LS. (© Pauline von Hardenberg)

Die US-Amazone steuert ihrem zweiten Weltcupsieg entgegen, für die deutschen Reiter ist das Unternehmen Weltcupfinale Springen hingegen abgehakt. Henrik von Eckermann ist in Lauerposition.

Während die beiden deutschen Reiter Daniel Deußer und Marcus Ehning nach dem Zeitspringen mit Platz zwei und vier noch Kurs auf den Weltcup hielten, fielen sie in der zweiten Wertung weit zurück auf Platz 15. Anders die US-Amazone Beezie Madden: Die Siegerin der ersten Wertung beim Weltcupfinale holte sich mit dem zwölfjährigen Quintero-Sohn Breitling mit einem souveränen Ritt als letzte Starterin im Stechen auch die zweite und hat nun beste Aussichten, nach 2013 erneut den Weltcup mit nach Hause zu nehmen. Sie startet am Sonntag mit dem Idealergebnis von null Fehlerpunkten und hat damit einen Springfehler Vorsprung zum Zweiten, dem Schweden Henrik von Eckermann (4) und Devin Ryan (USA) (6). „Mein Pferd fühlte sich heute phantastisch an“, sagte sie. „Vor allem die Linkskurve im Stechen auf den Doppelsprung war entscheidend. Das war lange unser Problem, weil Breitling immer zu kurz wendete und dann nicht sauber sprang. Aber das haben wir geübt und jetzt hat es hervorragend geklappt.“

Beezie Madden auf dem Weg gen Triumph im Weltcupfinale

Es gibt Reitkunst eben nicht nur auf dem Dressurviereck zu sehen, manchmal auch im Parcours. Der Stechritt von Elizabeth Madden war so ein Ritt. Anders als einige ihrer Vorreiter schaltete die 53-Jährige nicht auf Rennmodus um, sondern legte nur unmerklich zu und verschenkte keinen Zentimeter, nicht über dem Sprung, nicht in den Wendungen. Am Ende ließ sie mit null Fehlern in 33,32 Sekunden die Stech-Konkurrenten hinter sich.

Der Niederländer Harry Smolders legte mit dem energischen Fuchs Emerald sichtbar ein flottes Tempo vor, 33,44 Sekunden zeigte die Uhr, Platz zwei. Im Nachhinein ärgerte er sich ein wenig, dass er nicht gleich auf Emerald, sondern im Zeitspringen auf Zinius gesetzt hatte, dem zwei Fehler und damit acht Strafsekunden unterliefen. Nach zwei Wertungen rangiert der Niederländer jetzt auf Rang sieben (9 Punkte).

Dem Schwede Henrik von Eckermann gelang mit seiner fixen zwölfjährigen Montender-Tochter Mary Lou eine feine Runde, die für heute für Platz drei reichte und für Sonntag alle Optionen offen lässt.

Auf das falsche Ross hatte hingegen der französische Mannschaftsolympiasieger Kevin Staut am ersten Tag gesetzt. Nach dem desaströsen Parcours seines 17-jährigen Olympiapferdes Reveur de Hurtebise im Zeitspringen, das daraufhin umgehend in Rente geschickte wurde, gelang Staut mit dem zwölfjährigen Hengst Silver Deux de Virton zwei sichere Runden. Er wurde Fünfter, ist aber in der Zwischenwertung auf Platz 19 und damit raus aus der Entscheidung. Titelverteidiger McLain Ward (USA) mit HH Azur legte zwar die schnellste Zeit im Stechen von 32,74 Sekunden vor, kassierte aber am Einsprung der Zweifachen einen Abwurf. Er behauptet sich zusammen mit Oliver Phillipaerts (BEL) und Douglas Lindelöw nach zwei Prüfungen in der Zwischenwertung auf Platz vier.

Absturz der Deutschen

Mit einer Riesenenttäuschung endete die zweite Wertungsprüfung für die beiden deutschen Reiter. Marcus Ehning scheiterte an der Dreifachen: Der 15-jährige Westfale Cornado kam zu dicht an den Einsprung, nahm als Folgefehler auch die gelbe Planke am mittleren Steilsprung mit. Ein Abwurf am letzten Hindernis besiegelte das Schicksal des dreifachen Weltcupsiegers und seines NRW-Landbeschälers. „Ich habe mich von der Zeit ein bisschen verrückt machen lassen. Springen kann er nicht besser, das nehme ich auf meine Kappe.“

Noch schlechter lief es für den bis dahin besten Deutschen, Daniel Deußer und den 15-jährigen Cornet d’Amour, wie Cornado ein Cornet Obolensky-Sohn. An Hindernis fünf, einer zweifachen Kombination, schien der Schimmel den Einsprung gar nicht als Hindernis wahrzunehmen, stolperte mehr oder weniger darüber und zog vor dem zweiten Sprung die Notbremse. Beim zweiten Versuch klappte es, aber am luftigen Steilsprung Nummer elf fiel erneut die oberste Stange. „Das müssen wir erst mal sacken lassen“, sagte Bundestrainer Otto Becker

Was sonst noch auffiel

Im Umlauf war die Zeit so knapp bemessen, dass sechs fehlerlose Reiter mit einem Zeitfehler das Stechen verpassen, darunter der Este Urmas Raag auf der edlen zehnjährigen Verdi-Tochter Ibelle van de Grote Haart. Mit langen Zügeln und hoher Nase ließ der Reiter die Stute gehen, die alle Klippen fast von alleine zu meistern schien – ein Pferd, um das ihn wohl nicht nur Jagdreiter beneiden. Mit nur einem Zeitfehler blieb auch der Kolumbianer Carlos Enrique Lopez Lizarazo auf dem 13-jährigen Admara ohne Abwurf. Das Pferd warf bei jedem Hindernis die Hinterbeine himmelhoch Richtung Hallendach, das sah alles andere als natürlich aus. FEI-Springchef John Roche wies darauf hin, dass die FEI Hinterhandgamaschen verboten habe – allerdings erst in drei Jahren für Senioren. Zu stramm angezogene Gamaschen können derart unnatürlich Reaktionen bewirken. Ob das bei Admara der Fall war, wird herauszufinden sein.

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