Christian Ahlmann gewinnt den Großen Preis von Aachen

Wer sagt, dass im Stechen der letzte Starter die besten Chancen hat? Christian Ahlmann und Codex One zeigten, dass es genau umgekehrt ist. Der erste Reiter im Stechparcours um den Großen Preis von Aachen stand bei der Siegerehrung ganz vorne, auch wenn er am Ende der Langsamste war.

Der zwölfjährige Contendro I-Sohn Codex One verhalf Christian Ahlmann zu seinem bisher größten Erfolg in der Aachener Soers und den Gastgebern zum erneuten Sieg im Großen Preis von Aachen seit 2011. Fünf Reiter, drei Deutsche und zwei US-Amerikaner, hatten sich nach zwei Umläufen für das Stechen qualifiziert. Als erster Starter legte Ahlmann eine flotte fehlerfreie Runde hin, aber dass die 46,59 Sekunden zu unterbieten sein würden, stand schon nach dem zweiten Starter fest. Allerdings gelang es keinem der Mitbewerber um die 300.000 Euro-Prämie, alle Stangen im Kurs von Frank Rothenberger oben zu lassen.

Alle patzten mindestens einmal, die letzte Reiterin, Lauren Hough auf der schwedischen Stute Ohlala sogar zweimal. Zweiter hinter Ahlmann wurde der US-Amerikaner Kent Farrington auf dem zwölfjährigen KWPN-Wallach Voyeur, der bereits den Preis von Europa gewonnen hatte. Er ist ein gefürchteter Konkurrent in Stechen und schnellen Springen und legte diesmal mit 43,91 auch die schnellste Zeit vor, gleichwohl die Stange am letzten Hindernis, dem Rolex-Steilsprung, ging mit. Marcus Ehning mit Plot Blue (4/46,01) landete auf Rang drei vor Daniel Deusser auf Cornet dAmour (4/46,44).

Ludger Beerbaum verpasste mit Chiara nach einem Abwurf im zweiten Umlauf das Stechen, Meredith Michaels-Beerbaum trat nach einer Verletzung des erst neunjährigen Fibonacci nicht mehr zum zweiten Umlauf an. Im ersten hatte der Schimmelwallach mit gewaltigen Sätzen imponiert. Für bange Minuten sorgte Katrin Eckermann, die auf Firth of Lorne quasi ihren Sturz am Wassergraben von Donnerstagabend wiederholte. Wieder kam der Fuchshengst, der zunächst zurückgehalten, dann überfallartig zum Sprung geschickt wurde, unpassend an den Graben, trat hinein und stürzte. Eckermann konnte wegrollen, blieb aber zunächst liegen, das Pferd humpelte auf drei Beinen zum Ausgang. Am Ende konnte Bundestrainer Otto Becker Entwarnung geben. Die Reiterin hatte sich das Schlüsselbein gebrochen, das Pferd sich durch ein stumpfes Trauma eine Stauchung zugezogen, aber keinen Knochen gebrochen.

Durch seinen Sieg im Großen Preis von Aachen haben sich die WM-Aussichten von Christian Ahlmann deutlich verbessert. „Ich denke, wir sind der WM ein ganzes Stück näher gekommen“, sagte er. Aufgrund einer Verletzung hatte Codex One ein halbes Jahr pausiert, erst wieder im Frühjahr vorsichtig angefangen. Deswegen hatte Ahlmann auch Verständnis dafür, dass er nicht ins Aachen-Team berufen worden war. „Da waren andere einfach besser gewesen“, sagte er. „Ich habe mich dann ganz auf den Großen Preis konzentriert.“

Erst morgen will der Springausschuss des Deutschen Olympiade-Komitees für Reiterei (DOKR) eine Longlist für die Weltmeisterschaft herausgeben, einige Pferde will sich Otto Becker auf den Turnieren der nächsten Wochen noch ansehen.

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