Daniel Deußer vor Katrin Eckermann im Global Champions Tour Super Grand Prix

Eine Art Kampf der Giganten soll der Super Grand Prix der Global Champions Tour in Prag sein. Das war dieses Springen. Und der größte Gigant war am Ende der kleinste im Stockmaß: Daniel Deußers Tobago. Kaum 1,60 Meter, aber anscheinend mit dem Herz eines Secretariat ausgestattet.

So klein er ist, so gewaltig ist Daniel Deußers Tobgo Z, vor allem, was seine Einstellung angeht. Wenn es drauf ankommt, ist er voll da. So auch heute. Über zwei Umläufe wurde der Global Champions Tour Super Grand Prix 2022 entschieden. 1,25 Millionen Euro gab es zu verteilen, und Tobago Z bescherte seinem Reiter bzw. den Stephex Stables den Löwenanteil in Höhe von exakt 302.115,38 Euro.

Fünf Paare waren fehlerfrei aus dem ersten Umlauf gekommen. Aber nur zweien gelang es ein zweites Mal, mit weißer Weste ins Ziel zu kommen. Schon die erste Runde war anspruchsvoll, die zweite nicht minder. Wie Daniel Deußer später sagte: „Er hat sich das Herz aus dem Leib gesprungen.“ An einigen Oxern schien es, als ob Tobago sich schon in der Luft noch ein paar Zentimeter höher schrauben wollte. Daniel Deußer unterstützte ihn optimal mit Hilfen, Stimme, allem, was ihm zur Verfügung stand, und die beiden kamen fehlerfrei ins Ziel. Und sie waren schneller als die bis dato führende Katrin Eckermann, die draußen in der Abreitehalle einmal tief durchatmete: 65,22 Sekunden für Deußer und seinen 14-jährigen Otangelo-Sohn. Ein Video des Rittes sehen Sie hier.

Daniel Deußer nach seinem Triumph: „Ich muss sagen, ich bin immer noch sprachlos, wie dieses Pferd gesprungen ist! Er hatte eine Weile Pause und kam danach wirklich stark zurück. So, wie er in den letzten Wochen gesprungen ist, wusste ich, er ist mein Pferd für den Super Grand Prix.“

Stolz auf ihr Pferd war auch Katrin Eckermann. Sie und Cala Mandia, ihre erst neunjährige Westfalen-Stute v. Capistrano, waren in Miami zum ersten Mal bei einer Global Tour-Etappe dabei gewesen und haben diese prompt gewonnen. Heute setzten sie ihrer super Saison in 66,47 Sekunden ohne Abwurf die Krone auf.

Dabei waren die beiden die ersten gewesen, denen zwei Nullrunden gelungen waren. Damit hatten sie ihre Kollegen einem Druck ausgesetzt, dem letztlich nur Daniel Deußer und Tobago Z gewachsen gewesen waren. Eckermann sagte später im Interview, sie sei eigentlich sehr entspannt gewesen, als sie in die zweite Runde einritt. Das lag an Cala Mandia: „Meine Stute ist unglaublich gesprungen. Sie hat es mir heute wirklich leicht gemacht.“

Rang drei ging an McLain Ward und HH Azur. Der US-Reiter hat gut taktiert. Mit einem Zeitfehler in Runde eins konnte er im zweiten Umlauf nichts riskieren. Er sah nur zu, dass er null und innerhalb der erlaubten Zeit blieb. Die lag bei 72 Sekunden und Ward gelang eine Punktlandung: 71,76 Sekunden, strafpunktfrei, gut 202.000 Euro für sein Team.

Christian Ahlmann und Mandat van de Neerheide hatten ebenfalls zu den Null-Fehler-Paaren in Runde eins gehört. Doch im zweiten Umlauf fielen zwei Stangen, Platz acht. Christian Kukuk und seine neunjährige Emerald-Tochter Nive van’t Zorgvliet hatten erst acht, dann vier Fehler, Platz zehn.

Pechvogel des Tages war Sanne Thijssen mit ihrem wunderbaren Holsteiner Hengst Con Quidam. Der 16-jährige Quinar Z-Sohn war mit 29 Fehlern aus dem ersten Umlauf gekommen, allerdings vor allem, weil die beiden die erlaubte Zeit um mehr als 20 Sekunden überschritten hatten. Das war richtig Arbeit. In der zweiten Runde brach Thijssen nach dem ersten Hindernis ab. Sie sagte später, sie habe eigentlich gar nicht mehr einreiten wollen, weil sie schon in der ersten Runde wusste, dass das ein schwieriger Parcours für ihren Hengst werden würde. Dennoch habe er alles gegeben und die zweite Runde hätte sie ihm gerne erspart.

Aber: „Das hätte bedeutet, dass wir gar nichts bekommen hätten. Die Regeln sagen, wir müssen zumindest in beiden Umläufen an den Start gehen“, erklärte Thijssen ihr Vorgehen. „Das hätte bedeutet, seine Anstrengung in der ersten Runde wäre umsonst gewesen. Also bin ich über Sprung eins geritten und habe dann aufgehört.“ Für Rang 13 gab es immer noch knapp 21.000 Euro.

Alle Ergebnisse finden Sie hier.


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