Die Jagd nach dem Rolex Grand Slam hat für Philipp Weishaupt wieder begonnen

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Die nächste Möglichkeit auf einen Majorsieg hat Philipp Weishaupt in Genf. (© www.rolexgrandslam.de)

Philipp Weishaupt hat bereits zum zweiten Mal in seiner Karriere die Möglichkeit, den Rolex Grand Slam zu gewinnen. 2016 gewann er den Großen Preis beim CHIO Aachen, patzte aber in der Station dadrauf, den Masters in Spruce Meadows. Ein Jahr später gelingt ihm dann der Sieg in Kanada. Jetzt geht die Jagd nach dem großen Geld wieder los.

Es ist ein verrücktes Jahr für Philipp Weishaupt. Erst muss er sich Anfang des Sommers in den USA einer spontanen Blinddarm-OP unterziehen, dann wird er kurz darauf Zweiter im Großen Preis des Sommerturniers in Spruce Meadows. In Aachen hatte er die Möglichkeit seinen Sieg vom letzten Jahr zu wiederholen, aber es klappte nicht. Dafür stimmte die Leistung im Nationenpreis, die ihren Teil zur Nominierung ins EM-Team beitrug. In Göteborg hatte er dann als einziger deutscher Reiter noch die Möglichkeit nach einer Medaille zu greifen, aber Convall patzte. Am letzten Wochenende stimmte dafür alles und Convall schenkte ihm den Sieg bei den Masters vor den Toren Calgarys (CAN).

Das Quäntchen Glück…

…spielt bei solchen Siegen natürlich auch immer mit hinein. Philipp Weishaupt ist fest davon überzeugt, dass dieses ihren Teil zum Sieg beitrug, denn wäre alles nach Plan gelaufen, wäre er vor McLain Ward gestartet und i möglicherweise wäre ihm der Sieg verwehrt geblieben. Convall hatte nämlich ein Eisen verloren und ehe das wieder raufgenagelt war, startete der Amerikaner McLain Ward vor ihm und hatte einen Fehler in der Kombination. Als er wieder aus dem Parcours kam, riet er Philipp in der Kombination lieber einen Galoppsprung mehr zu machen.

Das habe ich auch gemacht, denn Convall und sein Pferd sind sich sehr ähnlich. Hätte ich diesen Tipp nicht gehabt, wäre mir das Gleiche wie ihm passiert

„Hier Doppelnull zu reiten ist mehr als Besonders, das gibt es nur selten. Schwerer als hier wird es nicht! Aber ich mag es, wenn der Parcours so anspruchsvoll ist, dann sind Konzentration und Motivation größer, als wenn es schon 15 Nullrunden gibt. Ich hatte schon die ganze Woche ein sehr gutes Gefühl auf Convall, auch in der dressurmäßigen Arbeit. Ich habe sogar McLain am ersten Tag gesagt, wir wären in einer super Form für Sonntag, aber er hat nur über mich gelacht.“ – Aber wie heißt es so schön: Wer zuletzt lacht…

Eine Million kanadische Dollar sackte Weishaupt für seinen Sieg ein, doch anstatt sich einen langen Urlaub zu gönnen, bleibt er realistisch: „Es ist toll, aber ich werde nicht die nächsten sechs Wochen auf Hawaii verbringen. Wir können mit der Summe unsere Pferde für eineinhalb Monate füttern – das war’s! Wir haben in Deutschland einen großen Betrieb. Das Preisgeld ist unglaublich und das meiste was man überhaupt gewinnen kann, aber der Sport ist auch sehr kostspielig. In unserem Stall stehen 100 Pferde und es gibt neben Convall vielleicht noch einen und die restlichen 98 müssen von den beiden durchgefüttert werden.“

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Die Siegerfaust nach dem zweiten Umlauf. Kein Reiter vor ihm schaffte es, Doppelnull zu reiten. (© www.rolexgrandslam.com)

Rolex Grand Slam

Der Rolex Grand Slam of Show Jumping verbindet die Großen Preise in Aachen (GER), Genf (SUI), Calgary (CAN) und ‘s-Hertogenbosch (NED) zu einem Wettbewerb um die wohl prestigeträchtigste und am schwierigsten zu erringende Trophäe im internationalen Pferdesport.
Wer bei drei Turnieren in Folge triumphiert, gewinnt den Rolex Grand Slam of Show Jumping – und zusätzlich zum Preisgeld eine Million Euro. Einem Reiter ist das bisher gelungen: Scott Brash. Mit Hello Sanctos hat er 2015 das scheinbar Unmögliche möglich gemacht.

Unabhängig vom Kalenderjahr startet ein Grand-Slam-Zyklus für jeden Reiter individuell mit dem ersten Sieg in einem der Großen Preise. Philipp Weishaupt muss jetzt also in Genf und ‚s-Hertogenbosch triumphieren, wenn er den Rolex Grand Slam knacken will. Es lohnt sich aber auch schon zwei Siege innerhalb eines Grand Slam-Zyklus‘ zu feiern: Ein Sieg in Genf, also der nächste Station, würde schon mit 500.000 Euro belohnt werden. Gewinnt Weishaupt nicht in Genf, aber dafür wieder ‚s-Hertogenbosch kann er zwar den Grand Slam nicht mehr gewinnen, bekommt aber immerhin noch 250.000 Euro on top.

Die absolute Krönung ist seit diesem Jahr: Für einen vierten Sieg nach dem Grand Slam bekommt der Reiter nochmal eine Million zusätzlich, also zwei Millionen Euro insgesamt.


Interview mit Rolex

Herzlichen Glückwunsch zu Ihrem Sieg im CP ‚International‘, presented by Rolex, dem Großen Preis des CSIO Spruce Meadows ‚Masters‘ 2017! Andere Reiter träumen ihr ganzes Leben lang von einem Majorsieg, Sie dürfen nun schon ihren zweiten feiern. Ist die Freude genauso groß wie beim ersten Mal?

Philipp Weishaupt: Definitiv! Aachen und Calgary, das sind zwei Große Preise, die jeder Reiter einmal gewinnen möchte. Das Gefühl, in meiner vergleichsweise jungen Karriere nun schon beide gewonnen zu haben ist einfach nicht in Worte zu fassen! Ich muss mich ganz, ganz herzlich bei meinem Pferd LB Convall bedanken, der so viel zu diesen Siegen beigetragen hat. Ohne ihn wären sie nicht möglich gewesen. Seine Qualität ist einfach unglaublich! Als wir in Aachen gewonnen haben, war LB Convall erst neun Jahre alt und am Anfang seiner Karriere. Der Sieg kam für viele überraschend und hat ihn erst international bekannt gemacht. In Calgary zählten wir von Anfang an zu den Favoriten und es war für mich nicht unbedingt leicht, diese Rolle auch zu erfüllen. Aber LB Convall hat es mir leichtgemacht. Er hat mir über die ganzen Turniertage hinweg ein fantastisches Gefühl gegeben und ist am Sonntag ganz fantastisch gesprungen.
Er kennt sich in Spruce Meadows ja auch bestens aus…

Weishaupt: In der Tat. In seinem jungen Alter von zehn ist LB Convall schon fünf Mal in Calgary gewesen. LB Convall liebt einfach den „International Ring“. Solche riesigen Rasenplätze liegen ihm ganz besonders. In den vergangenen zwei Jahren haben wir im Sommer jeweils fünf Wochen an der Sommer-Turnierserie von Spruce Meadows teilgenommen. Das waren immer tolle Vorbereitungen für den CHIO Aachen und selbstverständlich auch für das ‚Masters‘.

Bei den nächsten beiden Etappen des Rolex Grand Slam of Show Jumping werden Sie sich allerdings in der Halle und auf Sand beweisen müssen. Wie schätzen Sie Ihre Chancen auf einen weiteren Majorsieg ein?

Weishaupt: Ich glaube an LB Convalls Qualität, auch in der Halle, und werde ihn natürlich so gut wie möglich auf die Hallenturniere vorbereiten. Aber man kann sich so gut wie möglich vorbereiten und noch so gut in Form sein, am Ende gehört einfach auch ein wenig Glück dazu, damit es für einen Majorsieg reicht. Das, was Scott Brash vor zwei Jahren mit seinen drei Majorsiegen in Folge geschafft hat, war sensationell und wird wahrscheinlich so schnell nicht noch einmal passieren. Aber die Grand-Slam-Etappen sind die vier schönsten Turniere der Welt. Die zwei besten Hallenturniere und die zwei besten Außenturniere in einer Serie vereint zu wissen, ist etwas ganz Besonderes und jeder Reiter träumt davon, den Grand Slam zu gewinnen. Ich werde es auf jeden Fall mit allen Kräften versuchen!

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