FEI: „Harmonization“ gestoppt, alles bleibt wie gehabt

FEI Sports Forum™ 10/4/17 PM

Diskussionsrunde beim FEI Sportforum: Christian Baillet, Kazuya Hirayama, Rob Ehrens, Peter Bollen and John Madden. (© FEI/Richard JuilliartM)

„Harmonization“, also „Harmonisierung“ – ein Wort, das eigentlich das Gegenteil von Konflikt verspricht, hat in den vergangenen Wochen für eine Menge Unruhe im Springreiterlager gesorgt. Nach dem Sportforum des Weltreiterverbandes FEI in Lausanne steht nun fest: Alles bleibt beim Alten.

Bei der Diskussion ging es um die Frage, ob die Startgelder auf internationalen Springturnieren in Europa denen in Nordamerika angepasst werden. In diesem Fall müssten die Reiter bis zu einem Prozent der Gewinngelder zahlen, um überhaupt starten zu dürfen. In Zahlen ausgedrückt: Das könnte die Reiter bis zu 1000 Euro pro Pferd kosten, nur um teilnehmen zu können. Das wäre dann zweieinhalb mal soviel wie auf Turnieren in Europa.

Veranstalter versus Reiter

Die Idee kam von den Veranstaltern. Die fürchten, dass das neue Reglement zur Turniereinladung, nach dem die Veranstalter statt bisher 30 Prozent nur noch 20 Prozent der Teilnehmer selbst einladen dürfen. Und: Nach dem Reglement gibt es keine erkauften Startplätze mehr und damit weniger Einkommen für die Organisatoren. Auf diese Art und Weise sollen die Startplätze nach Leistungen verteilt werden und nicht nach dem Bankkonto. Aus sportlicher Sicht richtig, für die Organisatoren ein Problem, wie sich in einer hitzigen Debatte offenbarte.

Peter Bollen, Mitglied des FEI Jumping Commitee und Vorsitzender der International Equestrian Organisers‘ Alliance (IEOA), erklärte: „Die meisten der heutigen Turniere sind nicht profitabel. Und die große Mehrheit ist bedroht durch die neuen Einladungsregeln. Das ist kein Gerücht, das ist ein Fakt.“ Und weiter führte er aus: „Es ist nicht die Absicht der IEOA, den Sport elitärer zu machen. Unser Ziel ist es, die einzigartigen Turniere überleben zu lassen.“

Statement eines Turnierorganisators

Stephan Conter von den Stephex Stables, der selbst auch mehrere Turniere ausrichtet, unter anderem den CSI5* in Knokke, erklärte: „Wir wollen alle ein Einkommen haben. Wir sind einverstanden, die Pay Cards (erkaufte Startplätze, Anm. d. Red.) abzuschaffen. Aber wir müssen etwas verdienen und wir wollen genauso behandelt werden, wie alle anderen Turnierorganisatoren. Ich denke, wir sollten darüber nachdenken und darüber sprechen, wie viele Einladungen wir als Organisatoren aussprechen können. Natürlich müssen wir die besten Reiter der Welt nehmen und jedem eine Chance geben. Aber es ist wie ein Wirtschaftsunternehmen. Sie haben Turniere auf Zwei-Sterne-Ebene, deren Organisation 700.000 bis 800.000 Euro kostet. Und wir organisieren Turniere, die 2,5 bis 3 Millionen kosten. Da sollte unterschieden werden. Oder wir müssen eine Lösung bei den Startgeldern finden. (…) Sie haben der Global Tour Ihr Einverständnis gegeben – keine Kritik daran! Aber sie können selbst entscheiden, wen sie einladen. Wenn ihr wollt, dass alle Turnierorganisatoren von Zwei- bis Fünf-Sterne-Niveau sterben, und wenn ihr für uns entscheiden wollt, wer bei unseren Turnieren reitet und was sie bezahlen, welche Turniere bleiben dann übrig? Nur die Global Tour oder denken wir auch an die anderen Fünf-Sterne-Turniere?“

Conter erklärte weiter, die Reiter seien bereit, mehr für Turniere mit qualitativ hochwertiger Infrastruktur auszugeben. Und dass sich die Reiter angesichts der Anzahl der Turniere im FEI-Kalender aussuchen könnten, was sie bezahlen wollen und wo sie starten wollen auf Basis dessen, was sie sich leisten können.

Am Ende fasste Conter die Kritik der Turnierveranstalter noch einmal wie folgt zusammen: „Wir wollen dieselben Regeln wie andere Organisatoren.“

Sicht der Reiter

Die Diskussion musste aufgrund der begrenzten Zeit abgebrochen werden. Zum Thema Harmonization hatte sich der irische Nachwuchsreiter Jack Dodd (23) zu Wort gemeldet. Er erklärte: „Ich spreche hier im Namen der meisten jungen Reiter und ich denke, wenn Sie die Startgelder anheben, wird das den Sport töten. Es wird die Zwei- und Drei-Sterne-Turniere das Leben kosten, weil ich beispielsweise alle Kosten für meine Pferde selbst trage – so wie viele andere Reiter. Wenn die Startgelder höher werden, gehe ich eben auf nationale Turniere. Wenn man sich die in Holland in und Belgien anschaut, wie z.B. Opglabbeek (BEL), die gute Zwei- und Drei-Sterne-, aber auch gute nationale Turniere veranstalten, warum sollte ich dann an absurd hohe Startgelder zahlen, wenn ich einfach am nationalen Turnier teilnehmen kann. Wenn das mehrere Leute so machen, werden sie das Preisgeld in den nationalen Prüfungen hochsetzen und dann wird die FEI Reiter verlieren.“

Auch die Deutsche Reiterlichen Vereinigung (FN) sowie die anderen Europäischen Verbände inklusive der European Equestrian Federation (EEF) haben sich vehement gegen das Konzept der „Harmonization“ ausgesprochen. Unter anderem würde dadurch die wichtige Verbindung zwischen Zucht und Sport zerstört und die Schere zwischen Basis- und Hochleistungssport würde sich immer weiter öffnen.

Fazit: alles beim Alten

Von der FN kam ein Gegenvorschlag: Wieso passt Nordamerika sich nicht an das europäische System an. Das stieß ebenfalls auf wenig Gegenliebe. Und so bleibt nun alles beim Alten.

Quelle Zitate: www.worldofshowjumping.com

Die gesamte Debatte kann man hier einsehen.

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