Genf: Ben Mahers Explosion „on fire“ im Rolex Top Ten Final

Genf – CHI Genève Rolex Grand Slam 2021

Heidi lässt grüßen – Ben Maher und Explosion auf dem Weg zum Sieg im Rolex Top Ten-Springen 2021. (© www.sportfotos-lafrentz.de)

Es war eine Art Kampf der Giganten im Rolex Top Ten Finale 2021in Genf – Explosion W versus King Edward, Einzel- gegen Mannschaftsolympiasieger.

King Edward und Henrik von Eckermann (SWE) waren die ersten mit null Fehlern aus dem ersten Umlauf gewesen, die in die entscheidende zweite Runde gingen, hatten also reelle Siegchancen. Und der Fuchs lieferte. Wieder einmal. Eine riskante, aber lohnende Möglichkeit abzukürzen, ergab sich von Hindernis zwei auf drei. Letzterer war ein luftiger roter Steilsprung, der im ersten Umlauf schon einige Abwürfe produziert hatte und nun aus einer engen Wendung heraus angeritten werden konnte, wenn man schnell sein wollte. Von Eckermann wagte es und sein Fuchs zeigte seine ganze Klasse.

Es war dicht, aber der Sohn des Celler Landbeschälers Edward war geschickt genug, auch aus dieser Situation noch kraftvoll abzudrücken und dann gleich weiter zu galoppieren. Er ist einfach unglaublich vorsichtig und dabei wahnsinnig flink und sicher auf den Füßen, wie er auch im Rest des Parcours demonstrierte. Bei 51,16 Sekunden stoppte die Uhr. Das hatte vor ihnen keines der anderen Paare geschafft. Aber ob es reichen würde? Nach ihm kamen noch einige gute Paare. Das wusste von Eckermann. „Ich habe getan was ich konnte. Ich weiß nicht, ob es genügen wird, aber heute bin ich sehr glücklich!“

Daniel Deußer und Killer Queen mit Vorbeiläufer

Das nächste Paar, das den Parcours des Genfer Palexpo betrat, war kein geringeres als die Sieger von Aachen, Daniel Deußer und Killer Queen. Erst der King, dann die Queen. Die ist mindestens ebenso vorsichtig, wie der quirlige kleine Fuchs und hat noch dazu den Vorteil, ihres langen Galoppsprungs. Den schien Daniel Deußer nutzen zu wollen und kam mit einigem Schwung um die Kurve von Hindernis eins auf zwei. Der Sprung kam schnell und Killer Queen wischte vorbei. Den Rest des Parcours brachten die beiden ohne Probleme hinter sich.

Was war da passiert an Hindernis zwei? „Gute Frage, weiß ich auch nicht“, meinte ein einigermaßen fassungsloser Daniel Deußer im anschließenden Interview. Er habe Sonntag ja eine Challenge vor sich als Gewinner des Rolex Grand Prix von Aachen und damit Anwärter auf den Rolex Grand Slam, merkte der Interviewer, Turnierleiter Alban Poudret, an. Deußer: „Absolut! Und jetzt bin ich wach!“

Ben Maher und Explosion W

Von König und Königin ins Vereinigte Königreich. Die beiden Einzel-Olympiasieger, Ben Maher und Explosion W, waren als nächste dran. Diese beiden hatte Henrik von Eckermann besonders im Kopf, als er von den Paaren sprach, die nach ihm dran waren. „Ich wusste, wenn Explosion fehlerfrei geht, wird er schneller sein. Ich wollte so viel Druck machen, dass er einen Fehler macht.“ Doch den Gefallen taten Maher und sein Superstar dem Schweden nicht.

Obwohl das mit dem Druck machen funktioniert hat, wie Maher zugab: „Diese Wendung von Hindernis zwei auf drei lag mir gar nicht! Also habe ich mich entschieden, den langen Weg zu gehen und dafür schneller zu sein.“ Der Plan ging auf. Explosion kam schräg an Hindernis Nummer drei heran, aber Maher erwischte eine ideale Distanz und Explosion segelte in der ihm eigenen Manier darüber. Den Rest der Runde setzten sie ähnlich fort – flüssig, immer auf Ideallinie und so am Ende in gerade mal 49,57 Sekunden im Ziel. Das war der klare Sieg.

„Als ich groß wurde, habe ich diese Prüfung immer verfolgt und mir gewünscht, hier eines Tages mitreiten zu können“, erzählte er. „Aber ich hatte hier nie so richtig Glück, einmal war ich Dritter. Doch ein Pferd wie Explosion macht einem das Leben jeden Tag ein bisschen leichter. Ich würde ihn für kein Pferd der Welt eintauschen.“

Ähnlich klang das, was der schlussendlich zweitplatzierte Henrik von Eckermann über seinen King Edward sagte: „Ich hatte zweimal Glück, erst als ich meinen Sohn bekam und dann, dass ich dieses Pferd bekommen habe.“ Zuvor war es nämlich seine Verlobte Janika Sprunger gewesen, die den elfjährigen Wallach geritten hat. Aber als sie aufgrund ihrer Schwangerschaft nicht mehr reiten konnte, übernahm von Eckermann die Zügel. Mit bekanntem Ergebnis: Mannschaftsolympiasieger, Sieger im Super Grand Prix der Global Champions Tour und heute nun Zweiter.

Von Eckermanns Fazit: „Eigentlich bin ich nicht glücklich, Zweiter zu sein, aber heute konnte ich ihn nicht schlagen, selbst wenn ich hinter ihm gewesen wäre, hätte ich nicht schneller sein können.“

Rang drei an Jérôme Guery bei Premiere

Nur noch der belgische Bronzemedaillengewinner von Tokio, Jérôme Guery auf dem Quidam de Revel-Sohn Quel Homme de Hus, hätte Maher den Sieg streitig machen können. Aber obwohl er alles versuchte, kam er nicht annähernd an die Zeit der beiden vor ihm platzierten heran. Und dann mähte Quel Homme de Hus auch noch die Mauer gewissermaßen nieder. „Zu viel Risiko“, lautete Guerys Analyse. Traurig war er dennoch nicht. Für ihn war es eine Premiere. Noch nie durfte er in dieser Prüfung dabei sein. „Ich bin sehr glücklich, Teil dieses Springens zu sein“, so der Belgier. „Ich wusste, dass es nicht möglich sein würde die beiden zu schlagen, weil sie so schnell waren.“

Die weiteren Plätze

Vierter wurde Kevin Staut (FRA) auf Tolede de Mescam Harcour, einer der zwei „Gäste“, die aktuell nicht unter den Top Ten der Weltrangliste sind, und die die Plätze der abwesenden Marlon Modolo Zanotelli und Julien Epaillard einnehmen konnten. Staut ist derzeit die Nummer 15.

Gast Nummer zwei war Steve Guerdat (SUI), aktuell 13. der Weltrangliste, der mit Victorio des Frotards Rang sieben belegte.

Dazwischen schoben sich Scott Brash (GBR) auf Hello Jefferson und Daniel Deußer mit Killer Queen. Achter war Peder Fredricson (SWE) mit Catch Me Not S, Neunter ein enttäuschter Titelverteidiger Kent Farrington (USA), der meinte, er stehe ja gerade in der Kiss and Cry-Corner, heute sei definitiv ein „Cry-Tag“ nach je einem Abwurf auf seiner Stute Austria. Das Schlusslicht bildeten Publikumsliebling Martin Fuchs und sein Hengst Chaplin.

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