Global Champions Tour Hamburg: Dominator beherrscht das Feld

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Große Freude bei Christian Ahlmann nach einem fantastischen Sieg mit Dominator Z im Global Champions Tour-Grand Prix von Hamburg (© LGCT)

Christian Ahlmann gewinnt mit einer fehlerfreien Stechrunde in 50,51 Sekunden auf Dominator die Global Champions Tour (GCT) in Hamburg vor dem amtierenden Europameister André Thieme auf Chakaria und dem Iren Michael Pender, beide mit genau derselben Zeit von 51,33 Sekunden auf Platz zwei.

Insgesamt gab es, wie bei jeder GCT-Station, 300.000 Euro zu gewinnen. Der Sieger bekam davon 100.000 Euro, die beiden folgenden jeweils 52.500 Euro. Christian Ahlmann setzte alles auf eine Karte, der zwölfjährige Dominator v. Diamant de Semilly-Cassini I (Zang) präsentierte sich in Topform, konnte sich im Hamburger Derbypark von Tag zu Tag steigern. Kassierte er am Freitag noch zwei Abwürfe und wirkte zuweilen etwas spannig, beließ er es in der Qualifikation am Vormittag bei einem und blieb schließlich im GCT-Grand Prix ohne Fehler. Er sprang kraftvoll und ließ sich auf kürzesten Wegen durch den Kurs steuern, wobei er zu den acht Parcourshindernissen noch einen kleinen Satz über einen Blumentopf einbaute, um einem Kameramann auszuweichen.

„Er hat da einen kleinen Schrecken gekriegt,“ sagte Christian Ahlmann, der hier in Hamburg schon mal vor neun Jahren die Global Champions Tour gewonnen hat, damals mit Codex One. „Wir hatten bei diesem Turnier ja nicht den besten Start, aber es ist extrem glücklich geendet. Heute ist Dominator Hammer gesprungen, ich konnte im Stechen fast bei jeder Distanz einen Galoppsprung einsparen.“

Es ist der bisher größte Erfolg des Hengstes, der im Olympiajahr 2021 nicht fit war, und in der Weltcup-Saison nicht genügend Punkte zusammensprang, weil im Frühjahr 2022 Pandemie-bedingt mehrere Qualifikationsturniere ausfielen. „So richtig viel ist ja in seiner Karriere noch nicht passiert, dies ist der erste wirklich große Sieg. Dominator ist eines dieser ganz besonderen Pferde, die man braucht, um oben mitzuspielen“, sagte Ahlmann.

Die Weltmeisterschaft im August in Herning ist sein großes Ziel, aber er bleibt Realist: „Ich sehe das von Turnier zu Turnier, muss mich mit vielen guten Runden erst wieder reinarbeiten. Aber ich bin überzeugt, dass wir das könnten.“

Wanderer zwischen zwei Welten

André Thieme ist in einer anderen Situation. Er nahm das Sieggeld gewissermaßen im Vorbeireiten mit. Der amtierende Europameister hat ein ganz eigenes Konzept, startete weder im Weltcup noch in einer Mannschaft der Global Champions League, sondern verbringt seit einigen Jahren als Wanderer zwischen zwei Welten die Wintermonate in USA, wo er Geld verdient, durch Turniererfolge und Pferdehandel. Chakaria reiste mit über den Ozean, wurde nach Absprache mit Bundestrainer Otto Becker insgesamt sehr dosiert eingesetzt und kam mit mehreren Siegen zurück.

Nach zwei Abwürfen in der Qualifikation am Samstagvormittag wusste sie anscheinend im Grand Prix, worauf es ankam, blieb null und lieferte eine schnelle Stechrunde. Das Paar ist fest für das deutsche WM-Team eingeplant, bis dahin soll die zwölfjährige Fuchsstute v. Chap-Askari (DSP) nur noch beim CSIO Sopot und in Aachen gehen. „Eigentlich steht das Derby hier mit Contadur in Hamburg für mich im Fokus. Ich wusste, dass Chakaria in Topform war, deshalb habe ich sie mitgenommen, habe auch nicht extra auf Gras geübt. Ich bin froh, dass ich nach den beiden Abwürfen in der Qualifikation im Stechen dabei war, dass wir nicht nur so rumgespielt haben.“

Für André Thieme hat sich nach eigenen Worten nach der Europameisterschaft 2021 in Riesenbeck alles geändert. Er kann sich inzwischen die Springen aussuchen, in denen er seine Stute startet. „Es ist gar nicht so einfach, die richtige Mischung zu finden, damit sei in Form bleibt: nicht zuviel zu springen, aber auch nicht zu wenig. Ich hoffe, ich kriege das hin.“

Er liebe dieses Pferd wie seine Frau, hat Thieme mehrfach versichert. Als eine Fernsehreporterin daraus machte „Ich liebe dieses Pferd mehr als meine Frau“, wurde es einen Moment still im Hause Thieme. Zum Glück konnte die Aussage durch ein klärendes Telefongespräch korrigiert werden und noch vor Ausstrahlung der Sendung den Familienfrieden retten.

Irisches Talent

Für den elfjährigen irischen Wallach Calais, einen Sohn des Holsteiners Cavalier Royale, unter dem 22 Jahre jungen Michael Pender (IRL) war es, wie für Dominator, ebenfalls der bisher größte Erfolg seiner Karriere. „Unser bestes Ergebnis“, strahlte Pender, der bereits an sechs Europameisterschaften teilgenommen hat, angefangen im Ponyalter.

Am Ende des Tages konnte auch Bundestrainer Otto Becker, der erst am Morgen vom CSIO Rom angereist war, zufrieden sein. Fünf deutsche Reiter von insgesamt acht konnten das Stechen erreichen. Vierter (0/52,00) wurde Mario Stevens, der in allen drei GCT-Springen mit dem erst neunjährigen  Stakkato Gold-Sohn Starissa eine glänzende Figur machte: Souverän und mit ruhiger feiner Hand ritt er den Braunen über die Kurse.

Gar nicht zufrieden sah Marcus Ehning aus, als er die Ziellinie passierte. Ein Abwurf von Stargold im kostete den Sieg, die Zeit hätte gereicht (50,96), so blieb Platz fünf. Dennoch gehörten Ehnings Runden auf dem elfjährigen Stakkato-Gold-Sohn in ihrer stilistischen Perfektion zu den besten des Turniers. Trösten konnte er sich außerdem damit, dass er zusammen mit Englands Altmeister John Whitaker als Team „Valkenswaard United“ die Etappe der Global Champions League von Hamburg für sich entscheiden konnte.

Schietwetter? Gibt’s nicht!

Immer wieder gingen heftige Regengüsse über dem Derbypark nieder. Trotzdem sei der Boden hervorragend gewesen, zu keinem Zeitpunkt rutschig, versicherte Christian Ahlmann. Turnierleiter Volker Wulff freute sich über Menschenschlangen an den Kassen. „Es stimmt tatsächlich, die Hamburger kommen zum Derby, egal wie das Wetter ist.“

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