Hamburg: Überraschungssieg für Katrin Eckermann bei der Etappe der Global Champions Tour

Katrin Eckermann lässt Weltranglisten Zweiten Ben Maher hinter sich: Sieg für die Deutsche im Großen Preis von Hamburg.

Sie ist Platz 156 der Weltrangliste und sie hat es allen gezeigt, der Nummer eins Scott Brash genau wie vielen anderen, die als potenzielle Favoriten an den Start in Klein Flottbek gegangen waren: KatrinEckermann aus Münster hat im Sattel von Firth of Lorne für die Sensation in Hamburg gesorgt.

Olympiasieger, Die Toppaare der Europameisterschaften alle hat die 23-Jährige im Stechen hinter sich gelassen. Ihr zehnjähriger Hannoveraner Hengst v. For Pleasure-Stakkato schnurte über den Parcours satte 360 Meter in 36,16 Sekunden. Sechs Reiter hatten es nach zwei äußerst anspruchsvollen Runden ins Stechen geschafft. Eckermann war eine der ersten Starterinnen und setzte die Routiniers und Big Names mit ihrer Zeit gehörig unter Druck. Vor drei Jahren war sie schon einmal in den Olymp vorgedrungen, damals im Sattel des Schimmels Carlson, mit dem sie sich in die internationale Spitze vorgearbeitet hatte. Mit Firth of Lorne, der noch im Besitz seines Züchters Meinolf Röllecke aus Bochum ist, hatte sie zuletzt im Januar in Münster gewonnen. Das Flugticket, das obligatorisch ist für die Pferde, die an der Global Champions Tour teilnehmen, wird Firth of Lorne aber zunächst nicht lösen. Ich muss erstmal mit Bundestrainer Otto Becker sprechen, sagte Eckermann nach einer emotionalen Ehrenrunde, bei der die Amazone ihren herrlichen Fuchs in Endgeschwindigkeit über den Rasen galoppieren ließ, beide Arme jubelnd und winkend in Richtung der gut 20.000 Zuschauer, die in den Derbypark im Hamburg gekommen waren. Schon mittags war es brechend voll. Die häufigste Frage der Menschen, die verzweifelt auf ihren Smartphones herumwischten: Hast du auch kein Netz? Ein Tipp gab es, aber der war teuer im Obergeschoss des zweistöckigen VIP-Bereichs sollten Vodaphone-Benutzer noch telefonieren können.

Selbst der Brite Ben Maher, aktuelle die Nummer zwei der Weltrangliste, konnte mit seiner zwölfjährigen Vize-Europameisterin 2013, Cella v. Cento-Chin Chin, das deutsche Fräuleinwunder nicht verhindern. Ich hätte heute nicht schneller reiten können, sagte der schmale Brite. Nach der zweifachen Kombination ist Cella ein ganz bisschen gerutscht, aber das hat auch nicht den Ausschlag gegeben.

Ins gleiche Horn stieß die Nummer eins der Welt, Mahers Kollege in der britischen Goldequipe bei den Olympischen Spielen 2012, Scott Brash. Ich habe Katrin nicht gesehen, sie muss aber wahnsinnig schnell gewesen sein, denn ich weiß, wie schnell Scotts Stute im Stechen ist. Mit Hello Sanctos hatte Brash 37,52 Sekunden gebraucht knapp 1,5 Sekunden mehr als Eckermann, in einem Springen mit dieser Besetzung ist das fast schon eine kleine Welt.

Ihm dicht auf den Fersen war Ludger Beerbaum mit Chaman. Fünf Hundertstel Sekunden trennten den Weltranglistendritten von einem Podiumsplatz. Damit blieb dem 50-Jährigen zwar die obligatorische Champagnerdusch in Formel-Eins-Manier erspart. Aber jede einzelne dieser fünf Hundertstel Sekunden kostete den Mann aus Riesenbeck, dessen Pferde schon morgen den Flieger in Richtung Shanghai betreten, 3000 Euro. Platz drei wurde mit 45.0000 Euro belohnt, der vierte Platz gab 30.000 Euro. Beerbaum war damit der langsamste Nullfehlerritt.

Mit einem Abwurf im Stechen verließ die Portugiesin Luciana Diniz den Parcours. Ihre Hannoveraner Stute Fit for Fun stammt ebenso wie der Sieger von For Pleasure ab. Die zehnjährige Fuchsstute zählt zu den auffälligsten Pferden im internationalen Springgeschehen. Schon beim Weltcupfinale in Lyon gerieten viele Insider ins Schwärmen. One to watch, eine, die man im Auge behalten sollte, sagt man im Englischen. Mit dem langsamsten Ritt im Stechen wurde der Brasilianer Doda de Miranda Sechster im Sattel der niederländischen Wallachs Utje v. Monaco (4/39,62 Sekunden).

Zwei Zeitstrafpunkte nach den beiden Umläufen vereitelten, dass Ex-Derbysieger André Thieme mit Conthendrix v. Contendro noch ins Geschehen eingreifen konnte. Er wurde Siebter, der deutsche Meister Daniel Deusser mit seinem Meisterschaftspferd First Class van Eeckelghem Zehnter. Mit einem Springfehler in den zwei Runden hat der schlacksige Balou du Rouet-Sohn seine Qualitäten unter Beweis gestellt (4/77,32 Sekunden). Hinter ihm landeten die Championatserfahrenen Hengste Codex one /Christian Ahlmann (4/77,73) und Plot Blue/Marcus Ehning (4/77,73) auf den Plätzen elf und zwölf.

Edwina Tops-Alexander, die einzige, die schon an drei Etappen teilgenommen hat was kein Kunststück ist, ihr Ehemann, der niederländische Pferdehändler Jan Tops ist der Organisator der höchst dotierten Serie im internationalen Springsport hat nach Hamburg 77 Punkte auf ihrem Konto und ist die neue Führende in der Wertung der Global Champions Tour. Mit ihrem Belgier Ego van Orti, einem Sohn des Weltmeisters von 2010, Vigo dArsouilles, wurde sie 13. nach einem Abwurf. Ein unglücklicher Fehler, schade, denn mein Pferd sprang wirklich sehr gut heute.

Ob der Sieg von Katrin Eckermann, einer Reiterin, für sie überraschend gewesend sei, wurde die Australierin auf der Pressekonferenz gefragt. Da konnte sie nur ungläubig gucken und energisch den Kopf schütteln: Wir reiten alle gegeneinander, es hat nichts mehr mit Frauen oder Männer zu tun. Katrins Sieg war für mich keine Überraschung, sie war schon vor drei Jahren super. Sie ist eine super ehrgeizige Reiterin, die immer alles gibt.

Hinter Tops-Alexander liegt Ben Maher nun an zweiter Stelle vor Marcus Ehning und Rolf Göran Bengtsson (SWE). Ludger Beerbaum ist Fünfter, der Brasilianer Do de Miranda Sechster im Ranking.

In der kommenden Woche gehen die Topreiter in Shanghai an den Start, es folgen dann die Etappen in Cannes, Monte Carlo und Paris.

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