Hickstead: Entscheidung im Stechen, Becker-Equipe enttäuscht

Die siebte Etappe der FEI-Nationenpreisserie im britischen Hickstead geriet zu einem echten Thriller, bei dem im Stechen zwischen drei Teams die vorderen Plätze verteilt wurden. Unglücklicherweise hatte die Mannschaft von Bundestrainer Otto Becker mit dieser Entscheidung nichts zu tun.

Belgien, die Schweiz und die USA hatten allesamt jeweils vier Fehlerpunkte nach den beiden Nationenpreisumläufen auf dem Derbyplatz in Hickstead. Belgiens Equipechef Dirk Demeersman schickte Pieter Devos auf dem 14-jährigen AES-Wallach Dylano (v. Cento Lano) ins Stechen – obwohl die zwei in beiden Umläufen das Streichergebnis mit vier und zwölf Fehlern bildeten. Für die Schweiz trat Jannika Sprunger auf ihrer erst neunjährigen Baloubet du Rouet-Tochter Bonne Chance an, die erst vor wenigen Wochen in Falsterbo gezeigt hatte, dass sie der neue Star der Schweizerin ist. WM-Bronzemedaillengewinnerin Beezie Madden und ihr grandioser Belgier Cortes ‚C‘ (v. Randel Z) mussten für die USA ran. Am Ende zeigte sich, dass Dirk Demeersman genau wusste, weshalb er Pieter Devos in die entscheidende letzte Runde geschickt hatte. Er und sein Dylano waren das überragende Paar mit einer fehlerfreien 42,60 Sekunden-Runde. Damit ließen sie Sprunger und Bonne Chance, die ebenfalls ohne Strafpunkte ins Ziel kamen, locker hinter sich (44,17 Sekunden). Beezie Madden zeigte untypischerweise Nerven und leistete sich zwei Abwürfe. Das bedeutete den dritten Platz für die USA hinter Belgien und der Schweiz.

Enttäuschend verlief der Nationenpreis für die Deutschen: Platz fünf. Dabei hatte man sich einiges vorgenommen. Das könne er auch nicht schönreden meinte ein geknickter Otto Becker hinterher: „Wir waren wieder nicht gut genug.“ Wobei Meredith Michaels-Beerbaum und ihr zehnjähriger For Feeling-Sohn Fibonacci ein Lichtblick waren mit zwei super Null-Fehler-Runden. Auch Christian Ahlmann und Epleaser van’t Heike v. For Pleasure gelang im zweiten Umlauf ein fehlerfreier Ritt, nachdem sie vorher einen Abwurf hatten. Janne-Friederike Meyer und ihre Nachwuchshoffnung Goya (v. Wandor van den Mispelaere) leisteten sich jeweils einen Spring- und einen Zeitfehler. Richtig doof lief es für Mario Stevens und Brooklyn. Der Balou du Rouet-Sohn konnte sich mit dem Platz in Hickstead überhaupt nicht anfreunden und lieferte in beiden Runden mit jeweils neun Fehlern das Streichergebnis. Das hatten sich alle anders vorgestellt. Bundestrainer Otto Becker: „Wenn wir bei der EM in Aachen aufs Treppchen wollen, müssen wir uns gewaltig steigern.“

Und nicht nur in Hinblick auf die EM muss noch was kommen. Für Deutschland war Hickstead der letzte von vier Nationenpreisen der FEI-Serie, bei dem die Qualifikation fürs Finale in Barcelona Ende September noch aus eigener Kraft möglich war. Ob die Punkte für Barcelona reichen, hängt jetzt vom Abschneiden der anderen Nationen bei der kommenden Station in Dublin, Irland, ab. Gewertet werden nur die vier Turniere, die sich die Nationen teils ausgesucht haben, teils vom Weltverband FEI zugelost bekamen. Deutschland hatte bei den CSIO in St. Gallen und Rotterdam jeweils den vierten Platz und in Falsterbo den zweiten belegt.

Deutschland liegt in der Gesamtwertung der Europa-Division I derzeit an fünfter Stelle. Belgien führt vor Frankreich, den Niederlanden und Schweden. Sieben Teams der Division I dürfen am Finale teilnehmen.