Spring-Nationenpreis in Aachen: Deutschland gewinnt fast ohne Abwurf

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Janne Friederike Meyer-Zimmermann und Messi, CHIO 2022 (© von Korff)

Team Deutschland siegt im Spring-Nationenpreis in Aachen vor 40.000 Zuschauern. Matchwinnerin des Abends ist Janne Friederike Meyer-Zimmermann mit zwei Nullrunden. Belgien wird Zweiter vor den Briten.

Bundestrainer Otto Becker konnte seine Freude nicht verbergen über den Triumph seiner Reiter beim Spring-Nationenpreis in Aachen. „Alle vier hatten es durch ihre Vorleistungen verdient, im Team zu sein“, sagte er, „und alle haben geliefert.“ Am Ende warteten die Zuschauer vergebens auf den Schlussreiter Andre Thieme, der bereits auf dem Abreiteplatz im Sattel von Chakaria die Glückwünsche entgegennahm. Nach dem Abwurf des letzten belgischen Reiters stand selbst ohne eine zweite Runde des Europameisters der Sieg für die Gastgeber mit fünf Strafpunkten fest.

Einbruch der Schweiz im zweiten Umlauf des Spring-Nationenpreis

Zweite der acht Mannschaften wurde Belgien (8) vor den Briten, ebenfalls acht Punkte, aber mit langsamerer Zeit im zweiten Umlauf. Der Platz vier mit großem Abstand (18) war am Ende eine Enttäuschung  für die Schweizer, die nach dem ersten Umlauf noch mit Deutschland gleichauf an erster Stelle gegen hatten. Aber im zweiten Umlauf lief fast nichts mehr für die Eidgenossen im Spring-Nationenpreis. Zwar gelang Steve Guerdat auf dem 13-jährigen Venard de Cerisy v. Open up Semilly einer von vier Doppelnullern, aber seine Teamkameraden kassierten zwei und mehr Abwürfe. Das hintere Feld füllten Frankreich (24), USA (27), Niederlande (29) und Brasilien (39) auf.

Debüt von Jana Wargers im Aachener Spring-Nationenpreis

Jana Wargers, zum ersten Mal in einer Mannschaft beim Aachener  Spring-Nationenpreis und gleich zur Anfangsreiterin bestimmt, lieferte auf dem 13-jährigen Holsteiner Hengst Limbridge v. Limbus-Cambridge eine sichere, souveräne Runde ab. Leider eine Sekunde zu langsam, das kostete einen Zeitfehler, aber war schon mal gut vorgelegt. In der zweiten Runde berührte Limbridge wirklich nur mit der Hufspitze die oberste Stange des Oxers Nummer acht, vier Fehler, fünf insgesamt, das war ein hervorragendes Ergebnis für die die 30-Jährige. „Ich wusste, dass ich meinem Pferd vertrauen kann, das gab mir Sicherheit.“ Den Fehler erklärte sie sich durch einen Moment der Unaufmerksamkeit vor dem Sprung, als sie merkte, dass ihr Pferd ein Eisen verloren hatte.

Mumbai mit zunächst zwei Abwürfen

Der zweite deutsche Starter Christian Kukuk patzte im ersten Umlauf an der Dreifachen, Fehler am mittleren und am Aussprung, acht Fehler und damit Streichergebnis. Mit einer überzeugenden Nullrunde im zweiten Umlauf wetzte er die Scharte wieder aus. „Ich habe nach dem ersten Umlauf nichts in der Vorbereitung verändert, denn ich hatte ein gutes Gefühl gehabt, bis auf die letzte gebogene Linie hin zur Dreifachen. Im zweiten Umlauf hat mein Pferd gezeigt, dass es etwas gelernt hat, es war eine der besten Runden seines Lebens.“

Junge Mutter Doppelnull mit einer Message

Janne Friederike Meyer-Zimmermann kam am Ende des Tages aus dem Strahlen nicht mehr heraus. Mit zwei Nullrunden war sie Teambeste, die bisherige Krönung einer Turbosaison, die mit dem ersten Fünfsterne-Start im Mai in Hamburg erst begonnen hatte. „Messi ist mein Traumpferd“, sagte sie, „Wir konnten beweisen, dass es die richtige Entscheidung war, uns in die Mannschaft zu nehmen.“

Dass sie so schnell in den Top-Sport zurückkehren konnte, verdankte sie unter anderem Otto Becker, der ihr Startgenehmigungen für große Turniere besorgte, nachdem sie durch ihre Babypause um mehr als 100 Plätze auf der Weltrangliste zurückgefallen war. Da sie  nur fünfeinhalb und nicht sechs Monate wegen ihrer Schwangerschaft pausiert hat, verfielen  die Punkte, die ihr normalerweise in der Babypause gutgeschrieben worden wären, eine Regel, gegen die die deutsche FN jetzt angehen will. „Jede Frau muss selbst entscheiden, wann sie wie lange eine Babypause einlegen will“, forderte Janne Meyer-Zimmermann in Aachen erneut.

Der amtierende Europameister André Thieme hatte mit einer Nullrunde im ersten Umlauf gezeigt, dass er und seine Stute Chakeria in Bestform sind. In der zweiten Runde warteten die 40.000 Zuschauer vergebens auf ihn. Er konnte seine  Stute schonen und sich auf den Großen Preis von Aachen am Sonntag konzentrieren. Für Otto Becker war dieser Sieg eine Bestätigung für seine Entscheidung, solche Reiter in die Mannschaft zu berufen, die sich auch im übrigen Jahr in Nationenpreisen beweisen und nicht zu viel „andere Verpflichtungen“ haben. Damit meint er wohl, ohne es auszusprechen, die Global Champions Tour, die viele Top-Reiter mehr beschäftigt als es dem Bundestrainer lieb sein kann.

Die Ergebnisse finden Sie hier.

 

  1. V.Geiger

    Kann mich jemand aufklären, um was für eine seltsame Konstruktion (mit Schweifriemen und undefinierbaren Seilen, die vom Sattelgurt zwischen die Beine des Pferdes liefen) es sich bei dem Pferd Cordial von Megane Moissonnier handelt. Diese seltsamen Masken und Scheuklappen, abenteuerliche Gebissvariationen und Sporenschutzgurte ist man ja mittlerweile (leider) schon fast gewöhnt. Aber auch nach langer Recherche im Internet, konnte ich dazu nichts finden. Vielleicht kann ja auch jemand aus der St.Georg-Redaktion was dazu sagen. Wozu dient das?


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