Kevin Staut und Cheppetta mit wichtigem Sieg im Großen Preis beim Saut Hermès

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Kevin Staut beim Weltcup-Finale in Paris 2018 (© www.paulinevonhardenberg.com)

Frankreichs Kevin Staut hat schon viele Große Preise in seinem Leben gewonnen, aber der heute beim Saut Hermès in Paris dürfte einen besonderen Stellenwert einnehmen. Und das nicht nur, weil er vor heimischem Publikum stattfand.

Wobei auch das sicherlich eine Rolle gespielt hat. Zwölf Paare hatten das Stechen um den Großen Preis beim Saut Hermès erreicht, nur vier blieben ein zweites Mal ohne Abwurf. In Führung gegangen war zwischenzeitlich – mal wieder – der Weltranglistenerste Peder Fredricsson, heute auf Hansson WL, der 36,22 Sekunden schnell gewesen war. Dann hieß es zittern für den Schweden, denn da kamen noch einige gute Paare.

Unter anderem Kevin Staut mit Cheppetta. Die Runde der beiden war wohl überlegt. Der Galoppsprung der Holsteiner Chepetto-Tochter ist nicht der größte, ihre Art zu springen eher unauffällig, aber sehr effizient. So nutzte Kevin Staut kurze Wege und die Stute suchte sich mit gespitzten Ohren jeden Sprung. Am Ende stoppte die Uhr bei 35,50 Sekunden. Staut klopfte Cheppetta mit beiden Händen den Hals ob ihrer tollen Leistung. Man konnte tatsächlich sehen, wie sie mitgedacht hat. Aber zum Siegesjubel war es noch zu früh.

Denn unter den nachfolgenden Paaren waren unter anderem als letztes Paar Henrik von Eckermann und King Edward, der geniale kleine Edward-Sohn, der Henrik von Eckermann letztes Jahr die Saison seines Lebens beschert hatte mit dem Olympiagold in Tokio und dem Super Grand Prix der Global Champions Tour, und der vor wenigen Wochen in Doha schon wieder Zweiter gewesen war. Auch heute gab dieser enorm vorsichtige Flummi wieder alles, aber die Zeit reichte nicht. Die beiden waren 0,55 Sekunden langsamer als Kevin Staut und Cheppetta.

Damit stand die Reihenfolge fest: Erster Kevin Staut auf Cheppetta, Zweiter Henrik von Eckermann (SWE) mit King Edward, Dritter sein Landsmann Peder Fredricson auf Hansson WL und Nummer vier im Bunde der Fehlerfreien war der Argentinier José María Larocca auf Finn Lente.

Die Ergebnisse der deutschen Starter sahen so aus: Christian Ahlmann und Dominator Z sprangen mit vier Fehlern in 34,04 Sekunden auf Platz sechs. Marcus Ehning und Calanda landeten direkt dahinter, und für Christian Kukuk und Checker wurde es nach zwei Abwürfen Rang zwölf. Daniel Deußer und Tobago Z hatten einen Abwurf im Normalparcours. Acht waren es bei Philipp Schulze Topphoff und Concordess.

Der Sieger konnte sich hinter den Kulissen vor Freude kaum halten. Es ist anzunehmen, dass die Kollegen Kevin Staut diesen Sieg von Herzen gegönnt haben, denn der letzte große Erfolg ist eine ganze Weile her für ihn. Und gerade mit Cheppetta ist dies der erste wirklich große Sieg. Vor zwei Jahren kam die Holsteiner Stute zu Staut. Der war damals schon seit rund einem Jahr selbstständig und hatte die bunte Braune nach eigener Aussage bereits länger im Auge.

Cheppetta hatte zunächst mit Martin Fuchs und dann mit der Belgierin Celine Schoonbroodt-de Azevedo zahlreiche Erfolge bis auf Fünf-Sterne-Niveau. Sie sollte die Nummer eins für Staut werden. Doch es kam anders. Cheppetta hatte ein Problem mit dem Auge, das behandelt werden musste. Sie hat gut ein Jahr lang pausiert vom Turniersport und musste ganz neu wieder aufgebaut werden. Erst seit letztem Herbst hatten zunächst Laura Rayjasse und dann Staut selbst sie vorsichtig wieder zurück in den Turniersport gebracht. Paris war erst das zweite Fünf-Sterne-Turnier für das Paar. Zuvor hatten sie allerdings bereits einen Großen Preis über 1,50 Meter beim CSI3* in Vilamoura gewonnen. Aber heute hat die Stute bewiesen, dass sie bei Staut wirklich in die Hufspuren einer Silvana etc. treten kann.

Weitere Ergebnisse

Am Vormittag siegte Italiens Emanuele Gaudiano einmal mehr mit Carlotta in einem Zwei-Phasen-Springen über 1,50 Meter. 29,56 Sekunden ließen die beiden den Franzosen Mathieu Billot auf H hinter sich. Auch die Plätze drei und vier gingen nach Frankreich dank Gregory Cothard mit Cocaine du Val und Julien Anquetin im Sattel von Z Ice Cube Z.

Das anschließende U25-Springen über zwei Umläufe ging an Belgiens Thibeau Spits auf Juragold Bormes vor Scarlett Charles (GBR) mit Lordanos Junior und Anna Carway (IRL) im Sattel von Ajaccio. Die beiden deutschen Reiter Max Haunhorst auf Cornando hatten nach elf und 17 Fehlern mit der Entscheidung nichts mehr zu tun.

Die Teamwertung ging nach Belgien, dank dem Sieger Spits und seinem Kollegen Gilles Thomas auf Jetric van Beek Z, die an den Vortagen bereits super vorgelegt hatten. Zweite wurden die britischen Schwestern Sienna und Scarlett Charles vor den Iren Matt Garrigan auf HHS Seattle und Anna Carway.

Unfall von Twentytwo des Biches

Der Große Preis musste zwischenzeitlich unterbrochen werden, weil der Schweizer Bryan Balsiger und seine Stute Twentytwo des Biches nach dem letzten Hindernis schwer gestürzt waren. Balsiger blieb unverletzt, aber die Stute rappelte sich zwar schnell auf und galoppierte durch die Bahn, konnte aber das rechte Vorderbein nicht aufsetzen. Sie wurde eingefangen und mit dem Ambulanztransporter aus der Halle gebracht. Die Turniertierärzte vor Ort nahmen die Erstversorgung vor, dann wurde die Stute in die nächstgelegene Klinik gebracht. In der Pressekonferenz nach der Prüfung konnte die Turnierleiterin Sylvie Robert dann beruhigende Nachrichten übermitteln:

„Wie Sie gesehen haben, sind sie gestürzt, aber Twentytwo geht es gut. Sie ist auf dem Weg zur nächsten Klinik, wo man sich um sie kümmern wird. Ich möchte mich bei den Rettungsteams bedanken, die sehr effizient gearbeitet haben. Ich denke besonders an ihre Besitzerin (Christiana Duguet, Anm. d. Red.) und ihren Reiter, die von diesem Unfall auf der Strecke sehr bewegt waren. Es geht ihr gut, das ist die Hauptsache, und wir wünschen ihr eine schnelle Genesung.“ So wird Robert von der französischen Website grandprix-replay.com zitiert.

Diesen guten Wünschen schließen wir uns von Herzen an!