Leipzig: Weltcup-Qualifikation an Gregory Wathelet

Leipzig – Partner Pferd 2017

Gregory Wathelet und Coree, Sieger im Weltcup-Springen von Leipzig 2017. (© www.sportfotos-lafrentz.de)

Gregory Wathelet war der Held des Tages in Leipzig nach seinem Sieg im Weltcup-Springen. Aber auch die Deutschen können sehr zufrieden auf diesen Tag zurückblicken.

Am Ende ging das Weltcup-Springen von Leipzig, wie alle anderen großen Springen auch, ins Ausland. Der Belgier Gregory Wathelet (0/41,77) auf der elfjährigen westfälischen Schimmelstute Coree v. Cornet Obolensky gewann die 20 Punkte für den Sieg plus 40.000 Euro Gewinngeld vor dem Franzosen Kevin Staut auf dem 16-jährigen Reveur de Hurtebise v. Kashmir van Schuttershof (41,94). Der konnte damit seine Führung in der Weltcup-Zwischenwertung bequem ausbauen. Dritter wurde als bester Deutscher Niklas Krieg auf Carella (43,76).

75 Prozent mit Gewinnchancen

Ungewöhnlich viele Reiter, 16 von 40, erreichten das Stechen. Das lag nicht daran, dass Parcourschef Frank Rothenberger etwa die Klasse der Reiter und Pferde unterschätzt hatte. „Das Gewinnen ist schwerer geworden“, sagt der vierfache Olympiasieger Ludger Beerbaum, mit seinem Rio-Pferd Casello auf Rang vier. „Zwar sind die Springen nicht technisch anspruchsvoller, aber heute kann zwei Drittel eines Starterfeldes gewinnen, früher war es vielleicht ein halbes Dutzend.“

Junge Garde auf dem Vormarsch

Zwar ging der Wunsch von Bundestrainer Otto Becker („Mir ist egal, wer gewinnt, Hauptsache, es ist ein Deutscher.“) nicht in Erfüllung, aber zufrieden konnte er allemal sein mit den jüngeren Reitern, die auf sein Bundestrainer-Kontingent einen Startplatz erhalten und sich am Freitag qualifiziert hatten. Auch wenn es verfrüht wäre, von einem Generationswechsel zu sprechen, nutzen die Nachrücker die Chance, die Etablierten vor sich her zu treiben. Niklas Krieg, der im Vorjahr als Überraschungssieger in Leipzig gefeiert worden war, legte als einer der ersten Starter im Stechen einen flotten Ritt hin, der die folgenden Reiter so unter Druck setzte, dass ihnen so mancher Flüchtigkeitsfehler unterlief.

Es liegt im Blut

Die meisten der jugendlichen Aufsteiger kommen immer noch aus Reiterfamilien. Der 23-jährige Krieg wird trainiert von seinem Vater Andreas Krieg, vor einigen Jahren noch selbst ein international erfolgreicher Springreiter. Marcus Brinkmann (36), auf Pikeur Dylan Fünfter, ist als Juniorpartner in der väterlichen Bekleidungsfirma so etwas wie einer der letzten Amateure im Springreiterlager. Sein Vater Wolfgang Brinkmann, der 1988 zusammen mit Dirk Hafemeister, Franke Sloothaak und Ludger Beerbaum olympisches Gold gewann, kann für seinen Sohn nicht nur gute Pferde besorgen, manche züchtet er auf seinem Gestüt bei Herford sogar selbst. Auch Guido Klatte und Maurice Tebbel, beide 23 Jahre alt und beide im Stechen, kommen aus Reiterfamilien.

Beerbaums Pläne

Ludger Beerbaum vollzieht den Ausstieg aus dem großen Sport in kleinen Schritten: Zwar verabschiedete er sich nach Rio aus der deutschen Nationalmannschaft, aber in Leipzig war er in allen Springen vorne dabei, mit seinen alten Cracks und seinen jungen Talenten gleichermaßen. Im Weltcup war er der einzige der alten Garde, der den ehrgeizigen jungen Leuten Paroli bieten konnte. Eine großen Teil seiner Zeit widmet Beerbaum inzwischen dem Aufbau des Springsports in China, berät und trainiert junge Reiter. „In Asien gibt es ein riesiges Potenzial“, sagt er, „anders als in Europa.“ Und schließlich braucht jeder Chinese, der jetzt noch Anfänger ist, irgendwann ein gutes Pferd, wenn er ein Großer werden will.

Weltcup-Chancen

In diesem Jahr werden die jungen Reiter ihre Leipzig-Leistung kaum in einen Start beim Weltcup-Finale in Omaha im US-Staat Nebraska Ende März ummünzen können. Die Startplätze für die verbleibenden drei Wertungen, die letzten Gelegenheiten, noch Punkte zu sammeln, sind so gut wie vergeben. Nach Zürich (29. Januar) gehen Daniel Deußer, Christian Ahlmann, Ludger Beerbaum, Marco Kutscher und Holger Wulschner, nach Bordeaux (5. Februar) reisen Deußer, Ahlmann, Marcus Ehning und Guido Klatte. Einen weiteren Reiter will Becker noch nominieren. Nach Göteborg (26. Februar) schließlich sollen die Reiter fahren, die aufgrund ihre bisherigen Punkte die größte Chance haben, am unter dem 18 besten Westeuropäern zu landen. Zur Zeit liegen folgende Reiter unter dem besten 20 der Weltcup-Zwischenwertung: Marcus Ehning (41 Punkte, 6.), Ludger Beerbaum (41 Punkte, 7.), Holger Wulschner (31 Punkte, 18.) und Daniel Deußer (29 Punkte, 19.)