Olympia: Auftakt der deutschen Springreiter nach Maß

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Zweite Deutsche war heute Meredith Michaels-Beerbaum. Unverhofft rutschte sie heute morgen kurzfristig ins Team nach. Ihr "Nacho" – wie sie Fibonacci nennt, hat einen super Job gemacht und ... (© Pauline von Hardenberg)

So kann es weitergehen: Die deutschen Springreiter sind im olympischen Turnier angekommen. Bundestrainer Otto Becker zeigt sich höchst zufrieden mit den drei Nullrunden und auch Beerbaums vier Fehler stören nicht.

Große Zufriedenheit machte sich bei den deutschen Springreitern nach dem ersten Springen breit: Christian Ahlmann auf Taloubet Z, Meredith Michaels-Beerbaum auf Fibonacci und Daniel Deußer auf First Class legten eine makellose Nullrunde hin in einem Springen, dass bereits alles andere als einfach war. Lediglich Casello von Schlussreiter Ludger Beerbaum nahm mit der Hinterhand die letzte Stange des letzten Oxers mit. „Ich bin froh, dass wir so gut ins Turnier gekommen sind“, sagte Bundestrainer Otto Becker, „dass sich die Leistung der letzten Wochen bestätigt hat. Aber dafür können wir uns nichts kaufen, es ist noch ein weiter Weg.“ Das Springen zählt nicht für die Mannschaftswertung, die übermorgen mit der ersten Nationenpreisrunde beginnt, aber sehr wohl für die Einzelwertung. In das Finale um die Einzelmedaillen kommen die 35 besten Reiter aus der Runde heute und den beiden Nationenpreisrunden Dienstag und Mittwoch. Freitag fangen sie dann wieder bei Null an.

Der Morgen hatte für das deutsche Team mit einer schweren Entscheidung begonnen. Cornado von Marcus Ehning ging nach dem Trainingsspringen, wo er noch sehr frisch gewirkt hatte, nicht ganz klar, hatte sich offenbar vertreten. Sonntagmorgen nach erneutem Vortraben wurde beschlossen, die Reservistin Meredith Michaels-Beerbaum mit Fibonacci einzutauschen. Das ist bis nach dem Warm up möglich. Im Sechs-Augen-Gespräch informierten Otto Becker und Mannschaftstierarzt Jan Swagemakers den Reiter von der für ihn bitteren Entscheidung. Ehning nahm die Nachricht gefasst auf. „Wie es in seinem Inneren aussieht, weiß ich natürlich nicht. Aber er ist ein Pferdemann durch und durch und hat sich bisher immer fürs Pferd entschieden,“ sagte Otto Becker. Ehning stand bei jedem deutschen Reiter auf dem Abreiteplatz dabei um zu helfen. Er wird noch bis Mittwoch bleiben. „Solche Entscheidungen zu treffen ist eine der weniger angenehmen Aufgaben in diesem Amt“, sagte Becker. Für das Team bedeutet der Tausch seiner Ansicht nach keine Schwächung. „Die Pferde lagen bei der Selektion ja ohnehin sehr dicht beieinander“, sagte Otto Becker. Meredith war von der Entscheidung völlig überrascht und musste sich beeilen, um rechtzeitig in die weiße Reithose zu springen. Vor dem Start hatte Tochter Brianne noch ein Foto von sich gepostet im Deutschland-Trikot vor dem Livestream. „Vielleicht kann ich ihr ja am Montag eine Medaille mitbringen“, sagte Meredith.

Christian Ahlmann als erster deutscher Reiter legte gut vor. Er hatte beim Warm up am Samstag nur wenige Sprünge gemacht, hatte Taloubet in Ruhe das Stadion erkunden lassen. „Mein Pferd ist 16 Jahre alt“, sagte er, „ich versuche jeden Sprung zu sparen. Außerdem muss ich aufpassen, dass er ruhig bleibt, er ist ein richtige Blutpferd.“ Taloubet dankte es ihm mit einer souveränen Nullrunde im ersten Springen. Fibonacci von Meredith Michaels tat es ihm nach und auch bei First Class von Daniel Deußer blieben alle Stangen liegen. Daniel Deußer betont:

„Ich bin froh, dass es jetzt endlich losgeht und wir nicht länger rumhängen“

Auch Ludger Beerbaum als letzter deutscher Reiter legte eine gute Runde hin, nahm lediglich die letzte Stange des letzten Oxers mit. „Ich habe ihn da einfach hinlaufen lassen, die eigentliche Schwierigkeit war die Kombination davor.“ sagte er. „Ich bin absolut zufrieden mit meinem Pferd, der Fehler heute spielt überhaupt keine Rolle.“ Auch Beerbaum war von der Entscheidung, Fibonacci gegen Cornado auszutauschen zunächst überrascht. „Aber das ist Jammern auf hohem Niveau“, sagte er, „Meredith hätte jederzeit von Anfang an dabei sein können.“

Insgesamt bliebe 24 von 70 Startern ohne Abwurf, auch drei von vier Brasilianern, was bei dem heute fast ausverkauften Stadion für einen Riesenjubel sorgte. Auch der Neu-Ukrainer René Tebbel steuerte Zipper fehlerfrei über die Runden und der Ägypter Karim Elzogby seine Amelia. Andere mussten die ersten Niederlagen einstecken. Die Französin Penelope Leprevost wurde von Flora de Mariposa aus dem Sattel katapultiert. Sie und fünf andere Reiter bleiben theoretisch in der Wertung mit 47 Strafpunkten (Das Ergebnis des schlechtesten Reiters plus 20 Strafpunkte), die Chancen für die Einzelwertung sind aber jetzt schon gleich Null. Zwei Reiter wurden disqualifiziert, der Niederländer Jur Vrieling. Dessen Zirocco Blue haute zweimal entschlossen die Bremse rein, was ihm einige derbe Hiebe eintrug und dem Reiter die Disqualifikation wegen unmäßigen Peitschengebrauchs. Vrieling ist in der Einzelwertung raus, darf aber in den beiden Nationenpreisrunden für das Oranje-Team starten. Für den belgischen Einzelreiter Nicolas Phillipaerts, dem übermäßiger Sporeneinsatz vorgeworfen wurde, ist Olympia bereits beendet. Die Kontrollen nach dem Ritt sind sehr streng. Mit einem weißen Tuch wird geprüft, ob irgendwo Blut zu sehen ist, was zum sofortigen Ausschluss führt. Eine Kanadierin und eine Japanerin wurden verwarnt. Sie müssen jetzt kürzere Spore anziehen.

Pauline von Hardenberg

Nicolas Phillippaerts wurde disqualifiziert. Zilverstar hatte mindestens einmal zu oft den Sporen spüren müssen (© Pauline von Hardenberg)

Florian Meyer zu Hartum ist so nett und wird nach jedem Springen der nächsten Tage ein Kritik zum Parcours schreiben

Pauline von Hardenberg

Springreiter Florian Meyer zu Hartum analysiert für St.GEORG jeden Parcours in der nächsten Woche (© Pauline von Hardenberg)

„Das erste Springen, das bereits für die Einzelwertung zählt, war für mich ein reeller Viersterne-Grand Prix. Die erste Tour war noch brav. Auch die Dreifache (Steil, steil, Oxer), ist für Pferde dieser Klasse normalerweise kein Problem. Nach fünf und sechs musste man auf den 4,30 Meter breiten Wassergraben zuwenden, und danach auf gebogener Linie auf eine weiße unterbrochene Mauer, knapp 1,60 Meter hoch. Da musste man das Pferd schnell wieder zusammen haben. Die meisten Fehler gab es in der zweiten Parcourshälfte. Bei Sprung neun kam es zu Abwürfen und auch Stehern, weil das Pferd vom Wasser darunter abgelenkt wurde. Bei der Planke Nummer zehn sprangen die Pferde auf die Bande zu, mussten dann auf die Zweifache abwenden, Oxer-Steil auf zwei Galoppsprünge. Diese Hindernisse waren sehr luftig gebaut, mit irritierenden „Noten“, dann auf fünf Galoppsprünge der letzte Oxer. In dieser Linie gab es die meisten Fehler ich hätte nicht gedacht, dass am Ende diese Linie so schwierig sein würde.“

 

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