Spruce Meadows: Scott Brash ist wieder da

Spruce Meadows Masters 2016

Scott Brash und Ursula XII, Sieger im CP Grand Prix von Spruce Meadows 2016. (© Rolex)

Am Ort seines größten Triumphes, in Spruce Meadows, wo er im vergangenen Jahr als Gewinner des Rolex Grand Slam des Springsports Geschichte schrieb, meldete sich Scott Brash mit einem fantastischen Sieg zurück.

Brash ist damit erst der zweite Reiter, dem es je gelang, zweimal hintereinander den Großen Preis bei den Spruce Meadows Masters zu gewinnen (der erste war Rodrigo Pessoa, der 2000 und 2001 auf Lianos in Spruce Meadows siegreich war). Eine lukrative Angelegenheit! Insgesamt war das Springen mit drei Millionen Kanada-Dollar dotiert, Brash als Sieger nahm allein schon einen Scheck von einer Million Dollar (umgerechnet 681,752 Euro) mit nach Hause. Damit nicht genug, ist er nun wieder im Rennen um den Rolex Grand Slam, dessen nächste Etappe Genf sein wird. Dass er das schaffen kann, was bis dato kaum jemand für überhaupt möglich gehalten hatte, nämlich die Großen Preise von Aachen, Spruce Meadows und Genf hintereinander zu gewinnen, das hat er 2014/2015 schon einmal bewiesen. Ob es ein zweites Mal glücken könnte, da ist Scott Brash allerdings skeptisch – wenngleich er Ursula nun gezielt auf den Großen Preis von Genf vorbereiten möchte. Er sagt: „Das sind die schwersten Großen Preise der Welt: Genf, Aachen, Calgary. Ich fühle mich ziemlich privilegiert, sie einmal in meinem Leben gewonnen zu haben. Aber sie hintereinander zu gewinnen – Du kannst das beste Pferd der Welt haben, aber das ist immer noch sehr sehr schwierig. Ich werde mein Bestes geben. Aber es ist sehr schwierig. Es können 20 oder 30 Jahre ins Land gehen, ehe das wieder einem Reiter gelingt.“

Dabei hatte Brash diesmal nicht seinen Star Hello Sanctos gesattelt, sondern die wie er selbst auch in Schottland geborene 15-jährige Ahorn-Tochter Ursula XII. „Es ist ein wenig anders, aber eigentlich genauso gut!“, jubelte Brash nach seinem Sieg. „Ich freue mich so für mein Pferd Ursula, weil es so ein langer Weg war mit ihr. Sie war immer ein unglaubliches Pferd, bekam aber wahrscheinlich nie die Anerkennung, die sie verdient. Sie war schon das beste Pferd der Welt, hat aber – bis beute – eigentlich nie einen Grand Prix gewonnen. Sie war so oft in so vielen schweren Großen Preisen Zweite, hat aber nie einen gewonnen. Sie hat sich also einen besonderen ausgesucht, um zu gewinnen. Sie war zwei Jahre lang verletzt und dass sie nun wieder an der Spitze des Sports ist und den schwersten Großen Preis der Welt gewonnen hat, macht mich überglücklich, besonders für das Pferd.“

Die Entscheidung fiel im Stechen gegen den aktuellen Olympiasilbermedaillengewinner McLain Ward auf Azur. Brash gab zu: „Da war schon mehr Druck im vergangenen Jahr. Ich denke, niemand hatte dieses Jahr damit gerechnet, dass ich den Großen Preis gewinne. 2015 waren alle Augen auf Sanctos gerichtet. Er war großartig in form, hatte in Genf und in Aachen gewonnen. Jeder sprach davon. Das war dieses Jahr anders. Aber der Druck des Wettkampfes ist immer noch etwas schwieriges. McLain und Azur sind ein fantastisches Paar. Ich wusste also, es würde nicht vorbei sein, bis die beiden fertig sind. Der Druck war da bis zum allerletzten Moment.“

McLain Ward hätte mit seiner zehnjährigen belgischen Stute v. Thunder van de Zuuthoeve natürlich auch gerne gewonnen, war aber auch so zufrieden. Kein Wunder – seine 600.000 Kanada-Dollar (umgerechnet knapp 410.000 Euro) sind schließlich immer noch viel mehr Geld als es anderswo für einen Sieg gibt. „Sie ist immer noch ein junges Pferd und ist immer noch am lernen in Stechen und Springen über drei Runden“, zeigte sich Ward verständnisvoll. „Je älter sie wird, desto besser wird es. Ich denke also, so gut wie sie ist, wird ihre Zukunft noch viel besser sein.“ Er sei nicht enttäuscht, sein Pferd sei spektakulär gewesen.

Dies war erst das dritte Stechen überhaupt in der 40-jährigen Geschichte des Turniers. Parcoursbauer Lepoldo Palacios hatte den Reitern insbesondere im zweiten Umlauf schwierige Aufgaben in den Weg gestellt, und die Zeit war eng bemessen. Das bekam vor allem der Italiener Lorenzo de Luca auf Ensor de Litrange XII zu spüren, der zwar ohne Hindernis- aber eben mit einem Zeitstrafpunkt in Runde zwei Dritter wurde.

Für die Deutschen lief es weniger gut. Bester unter ihnen war noch der Aachen-Sieger Philipp Weishaupt, der auf dem Colman-Sohn Convall mit zwölf Fehlern aus dem ersten Umlauf kam. Meredith Michaels Beerbaum und Fibonacci sammelten 17 Strafpunkte. Die anderen erreichten das Ziel gar nicht erst. Hans Dieter Dreher mit Cool and Easy, Patrick Stühlmeyer auf Lacan, Christian Ahlmann mit Epleaser van’t Heike – sie alle gaben auf. Die beiden Deutschen Meister, Andreas Kreuzer und Calvilot, schieden aus.

Alle Ergebnisse finden Sie hier.

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