Weltcup-Finale 2019: Dramen unterm Hallendach – mit Bildergalerie

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Peder Fredricson und Catch Me Not blieben zweimal fehlerfrei, holten den Sieg in der zweiten Wertungsprüfung - das schwedische Publikum jubelte! (© Pauline von Hardenberg)

Die zweite Wertung beim Weltcup-Finale der Springreiter in Göteborg geriet zum Krimi. Die Schweden bejubelten ihren Heimsieger Peder Fredricson, die Deutschen schafften den Durchbruch ins Vorderfeld nicht und die gestern so brillanten Belgier kochten heute auch nur noch mit Wasser. Das ist die Kurzversion eines Springens voller dramatischer Momente, wie sie den Zuschauern selten geboten werden.

Schon bei den ersten Startern, den schlechteren aus dem gestrigen Zeitspringen, wurde deutlich, dass der spanische Parcourschef Santiago Varela bei der zweiten Wertung im Weltcup-Finale 2019, einem Springen mit Stechen, nochmal eine ganze Schippe draufgelegt hatte. Die Fehler summierten sich, zwei Reiter schieden aus, einer gab auf. Erst dem 15. Starter, dem für Österreich startenden Max Kühner, gelang auf seinem zwölfjährigen WM-Schimmel Chardonnay v. Clarimo (Holstein) die erste Nullrunde.

Dann war der Bann gebrochen, sieben weitere fehlerfreie Ritte folgten. Darunter Ludger Beerbaum, der sein Olympiapferd Casello gegen den elfjährigen Cool Feeling getauscht hatte. Der großrahmige Braune löste die Aufgabe mit großer Souveränität. Daniel Deußer verpasste durch einen Abwurf des ansonsten glänzend springenden Tobago Z das Stechen, bei Christian Ahlmann und Clintrexo fielen die Stangen sogar dreimal.

Die Karten sind neu gemischt

Der  Belgier Olivier Philippaerts mit Legend of Love scheiterte an einer blauen Mauer, auch Francois Mathy Jr. mit Uno de la Roque erreichte das Stechen nicht. Apart von Pieter Devos krachte zweimal in einen Oxer, der bisher kaum Probleme gemacht hatte. Ein vorzeitiges Aus für den Reiter, der im Zeitspringen mit Platz zwei überzeugt hatte. Auch der Vortagessieger, der Schweizer Steve Guerdat, kassierte einen Abwurf.

Der Stechparcours hatte es in sich, verführte einige Reiter zu halsbrecherischen Aktionen, die sich durch Abwürfe rächten. Max Kühner ritt als erster Starter auf Sicherheit und ohne Fehler. „Mein Pferd ist von Natur aus nicht schnell“, sagte er über Chardonnay. „Für mich war es wichtig, Null zu bleiben.“ Die Zeit von 39,44 Sekunden reichte für Platz drei.

Schwedischer Sieger

Ludger Beerbaum als zweiter Starter nahm gleich den ersten Sprung mit, endete in 39,72 Sekunden auf Rang acht. Für eine kleine Sensation sorgte der Pole Jaroslaw Skrzyczyinski auf der zehnjährigen Chacco Blue-Tochter Chacclana. Er übernahm mit 39,68 Sekunden vorübergehend Platz zwei. Seine Familie am Einritt machte ihrer Freude so lautstark Luft, dass das Catch Me Not, der Cardento-Sohn des nächsten Starters Peder Fredricson eine gewaltigen Schrecken bekam und eine Satz zur Seite machte. Aber die Konzentration war schnell wieder da und der amtierende Europameister steuerte den sensiblen Schimmel souverän über die Runden, machbare Risiken eingehend, andere vermeidend.

Gefährlich wurden dem Schweden noch die Weltcup-Sieger von Paris 2018, die US-Reiterin Beezie Madden und der 13-jährige Quintero-Sohn Breitling. Wie immer begann der Ritt wie ein Lehrfilm für erstklassiges Parcoursreiten. Das Pferd, locker und leicht an den Hilfen, überwand die Hindernisse in einer fließenden Linie fast schwerelos. Dann der Anritt auf den letzten Oxer. In einer kapitalen Fehleinschätzung wählte Madden die Kurve viel zu eng. Das konnte kein Pferd mehr schaffen, auch nicht ein Crack wie Breitling. Die Zeit hätte locker gereicht (34,75), so wurde Platz fünf draus.

Spanien übernimmt die Führung

Als letzter Starter im Stechen hätte der Spanier Eduardo Alvarez Aznar dem Schweden den Sieg noch entreißen können, doch die Zeit (37,94) reichte nicht ganz. Aber für Platz zwei und, wichtiger noch, für die Zwischenführung vor der dritten Wertung, die Idealposition für Sonntag.

Am Ende des Tages wurden die Platzierungspunkte aus den ersten beiden Wertungen  in Fehlerpunkte umgerechnet. Sonntag werden die Fehler nur noch auf die bisherigen Punkte aufaddiert. Hinter Alvarez Aznar auf Platz zwei liegt Peder Fredricson, gefolgt vom Sieger des Zeitspringens Steve Guerdat und Elizabeth Madden. Die drei deutschen Reiter liegen auf den Rängen zehn (Daniel Deußer), 13 (Ludger Beerbaum) und 15 (Christian Ahlmann). 28 Reiter sind am Sonntag in der ersten Runde, 20 in der zweiten startberechtigt.

Alle Ergebnisse vom Weltcup-Finale 2019 finden Sie hier.

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