WM Herning: Mannschaftsweltmeister Schweden, Deutschland Fünfter nach Thieme Abflug

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Nun sind die Schweden nicht nur Olympiasieger, sondern auch Weltmeister. Und das voll verdient. Ebenso wie Silber für die Niederlande und Bronze für die britischen Kämpfer. (© Pauline von Hardenberg)

Mannschaftsweltmeister Schweden, die Niederländer gewinnen Silber vor den Briten. Nach einem zweiten Umlauf, in dem Überraschungen zur Tagesordnung waren, werden die Deutschen Fünfte, trotz eines Sturzes von André Thieme. Damit ist die Qualifikation für die Olympischen Spiele in Paris Team Deutschland gelungen.

Die Art und Weise wie die Schweden Mannschaftsweltmeister wurden, nötigt Respekt ab. Selbst der Einbruch von Team-Olympiasieger Peder Fredricson, dessen All In drei Abwürfe unterliefen, änderte nichts am Gold. Das stand schon vor Peder Fredricsons Ritt als letztem Starter fest. Sein Bruder Jens ist überraschender Zweiter in der Einzelwertung (2,71), die von seinem Teamkollegen, dem Weltranglistenersten Henrik von Eckermann (0,58) angeführt wird. Der Belgier Jérôme Guery ist mit Quelhomme de Hus Dritter (3,35).

Es muss sich fast wie eine Heim-WM angefühlt haben, so viele gelb-blaue Flaggen und dazugehörige schwedische Fans waren im Stadion.Schweden Mannschaftsweltmeister, Heja Sverige!

Niederländer Zweite hinter Mannschaftsweltmeister Schweden

Beinahe zwölf Punkte, also fast drei Abwürfe, lagen die Schweden vor allen anderen. Betrachtet man die Abstände und die Nationen, die dahinter kamen (und die, die gar nicht mehr im Rennen waren, so wie Titelverteidiger USA) und die Olympia-Quali verpassten, wiegt dieses Gold noch extra.

Die Niederländer zeigten beständig gute Runden. Fehlerfrei blieb mit einer super Runde Harrie Smolders mit Monaco (11./7,52), Am meisten ärgerte sich über die Zeit, die einigen Reitern die Suppe versalzte, Jur Vrieling, der mit Long John Silver zwei Zeitfehler kassierte. Sanne Thijsen erwischte den mittleren Sprung in der abschießenden Dreifachen Kombination, in die die Niederländerin nicht ideal hineingekommen war. Auch Maikel van der Vleuten und Beauville patzten einmal. Sie hatten einen Abwurf an Sprung vier. Das Hindernis, zwei luftige Planken über runden Elementen, war häufige Fehlerquelle.

Pauline von Hardenberg

Harrie Smolders‘ Monaco sprang von Runde besser. Heute lieferten die beiden vielleicht eine der souveränsten Leistungen des Abends. Und der 13-jährige Holsteiner v. Cassini II wirkte noch immer frisch. (© Pauline von Hardenberg)

Bronze für die Briten

War der Auftakt der Briten noch durchwachsen, Ben Mahers Hengst Faltic nahm gleich den ersten Sprung mit, Joseph Stockdale hatte auch einen Abwurf, wurde es dann doch noch die Bronzemedaille. Denn Harry Charles rettete mit einer schnellen Nullfehlerrunde auf Romeo die Situation. Wobei das Klassement ständig wechselte. Kein Abend für Statistiker, und auch keiner für schlechte Nerven.

Scott Brash und Hello Jefferson kamen als Zweite der Einzelwertung in den Kurs mit seinen 17 Sprüngen. Sie dürften nach diesem Nationenpreis von Aussprüngen die Nase voll haben. Sowohl bei der Zweifachen als auch der Dreifachen Kombination rollten hier die Stangen aus den Auflagen – Streichergebnis, jetzt Platz 13 (8,23).

Thieme stürzt, Olympia 2024 Paris gesichert

Das, Achtung – Griff in die Floskelkiste –, Wechselbad der Gefühle für die Deutschen hätte kaum intensiver sein können. Bei Marcus Ehning und Stargold sah es bis zu Sprung sechs nach einem weiteren Stilspringen über 1,65 Meter à la Ehning aus. Aber über diese Triplebarre kam Marcus Ehning mit viel Speed, der folgende Steilsprung war dann für Stargold nicht mehr fehlerfrei zu überwinden. Ärgerlicherweise gab es dann auch noch einen weiteren Abwurf an einem Steilsprung in der Dreifachen Kombination. Marcus Ehning, erster Starter des deutschen Teams, hatte spontan nach dem Ritt keine Erklärung zur Hand: „Irgendwie war nicht so mein Tag heute. Ich kann nicht sagen, dass er schlecht gesprungen ist. An der Triplebarre habe ich vielleicht ein bisschen zu lange gewartet.“ Ehning ist jetzt 22. (10,4).

Ohne Abwurf kamen Jana Wargers und Limbridge ins Ziel. Nur etwas schneller wäre es noch besser gewesen. Der Holsteiner „fühlte sich von Sprung eins bis zum letzten Sprung  so konzentriert an, er war total bei mir. Wir waren beide sehr fokussiert“. Ein Zeitfehler kam auf das Resultat von gestern. „Statt kurze neun ganz kurze zehn“ Galoppsprünge habe sie zur Dreifachen Kombination geritten. So erklärte die Championatsdebütantin, dass sie minimal aus der Zeit war. Jana Wargers ist vorm Finale der Top 25 die beste Deutsche, rangiert mit 9,08 Strafpunkten auf Position 17.

André Thieme und Chakaria: Was war das?

André Thieme konnte sich einmal mehr auf ganz besondere Unterstützung verlassen. Seine Mecklenburger Fußballkumpels, die ihm in Riesenbeck Glück gebracht hatten, waren vor Ort. Alle in unifarbenen Polohemden mit Aufdruck „Team Thieme“ und „Germany“. Bei den ersten Reitern sah man sie sich mit dem ein oder anderen hopfenhaltigen Kaltgetränk auf den großen Moment ihres Idols vorbereiten. Doch die erhoffte Traumrunde wurde zum Albtraum. An Sprung drei, den Hans Christian Andersen Oxer, kam Chakaria etwas dicht heran. Sie machte einen Riesensatz, schmiss die Hinterhand hoch. Thieme bekam einen Schlag an den Allerwertesten, wurde förmlich aus dem Sattel katapultiert. Unsanft landete er im Sand.

Die Fuchsstute galoppierte mehrere Runden im Stadion, niemand konnte sie stoppen. Erst als Marcus Ehning eine Stange in die Hand nahm und der Stute sich damit beherzt in den Weg stellte, konnte die Chap-Tochter eingefangen werden. Thieme ist unverletzt. Das ist dann aber auch die einzig positive Nachricht dieser Runde.

Pauline von Hardenberg

Tschüss, Chakaria! Die Wege der beiden Europameister trennten sich heute im Parcours … (© Pauline von Hardenberg)

Ahlmann hätte Silber retten können

Nicht nur bei den Deutschen, sondern auch bei anderen Teams mit Ausnahme von Mannschaftsweltmeister Schweden, ging einiges durcheinander. So rutschten die Franzosen auf Rang sechs ab, die Schweizer wurden Achte – damit sind die Eidgenossen vorerst nicht für Olympia Paris qualifiziert. Christian Ahlmann und Dominator hätten mit einer Nullrunde tatsächlich noch Teamsilber für Deutschland sichern können. Hätte … Das Paar sah gut aus bis zum vermaledeiten letzten Oxer der dreifachen Kombination. Dort fiel die Stange. Allerdings war die Harmonie zwischen Reiter und Pferd schon vor der Kombination auf der letzten Linie nicht ideal. Der Hengst schwamm etwas hin und her, sprang in den Kreuzgalopp, nachdem er sich bereits am Oxer zuvor mächtig hatte anstrengen müssen. Die zweifachen Global Champions Tour-Etappensieger der Saison sind nun 18. (9,28).

Einzelwertung: Top 5 eng beieinander

Schon gestern wollte Leone Jei, der Schimmel des Schweizers Martin Fuchs nicht ins Stadion. Heute war das nicht anders. Martin Fuchs stieg ab, sein Pfleger führte den immer noch nicht zufriedenen Schimmel in die Bahn. Fuchs stieg auf, schaffte es dann, im Schritt den Baltic-Sohn in die Arena zu reiten. Was dann folgte, war einfach eine schnelle, gute und souveräne Nullrunde. Damit ist Fuchs nun Vierter (4,36). Dicht auf mit der zweiten Clear Round des Abends: Die gelang dem Österreicher Max Kühner mit Elektric Blue P (4,49) zu Beginn der Prüfung.

Pauline von Hardenberg

Wenn es einen Sonderehrenpreis für die furioseste Aufholjagd gibt, Max Kühner und Elektric Blue P haben ihn sich verdient! Auf Rang 40 lagen sie nach dem Zeitspringen. Nach zwei fehlerfreien Nationenpreisumläufen liegen sie an aussichtsreicher fünfter Stelle. Das Erfolgsrezept? Kühner ist jeden Morgen um fünf Uhr mit „Blue“ spazieren gegangen und hat Zwiegespräche mit ihm geführt, wie er seinem Verband mitteilte. Der Wallach ist nämlich nicht nur super sensibel, sondern auch super schlau. Ganz offensichtlich haben die beiden sich verstanden! (© Pauline von Hardenberg)

Schwarze WM für die USA

Keine Olympiaqualifikation und kein Reiter im Finale. Das US-Team wird Herning schnell vergessen wollen. Immerhin war die Equipe als Titelverteidiger nach Dänemark gereist. Zuerst erlebte das US-Wunderkind Brian Moggre ein kleines Desaster als sein Pferd Balou du Reventon vor Sprung vier, dem luftigen Steilsprung mit zwei Planken über drei runden Scheiben als Unterbauten, mehrfach hartnäckig stieg. Danach bekam der Amerikaner zwar „den Gang wieder rein“, aber das Ergebnis war dahin. Aber es geht noch schlimmer: Eine schwarze Runde, trotz des Flutlichts im Stadion, das nicht ganz ausverkauft war, hatte McLain Ward. Der Team-Silbermedaillengewinner der Olympischen Spiele von Tokio hatte seinen zweifachen Aachen-Sieger Contagious gesattelt. Und der hatte beschlossen, heute mal auf 1,50 Meter-Niveau unterwegs zu sein. Nach drei Abwürfen bis Sprung sechs gab der Teamweltmeister von Tryon auf.

Die Kanadierin Beth Underhill wurde nach der obligatorischen Kontrolle nach dem Ritt ausgeschlossen. An der Flanke ihres Pferdes Nikka vd Bisschop wurde Blut festgestellt.

Die Ergebnisse finden Sie hier. Und hier finden Sie das Standing der Einzelwertung nach dem die Schweden Mannschaftsweltmeister geworden sind.