Zweite Wertung Weltcupfinale Springen: Sieg für US-Amerikaner Kent Farrington, Deutschland stark vertreten

Kent Farrington (USA) und Voyeur

(© Kent Farrington USA und Voyeur)

Vier Deutsche unter den ersten Zehn, und ein Olympiasieger
sowie der Lokalmatador in der Pole Position. Das Finale im Weltcup der
Springreiter wird spannend. Morgen haben die Weltcuppferde frei, nicht wegen
des Osterhasen, sondern weil ihren Kollegen im CSI und den Dressurpferden die
Arena gehört.

Einfach mal laufen lassen! Diesem Prinzip folgend hat der US-Amerikaner Kent Farrington die zweite Wertung zum Weltcupfinale gewonnen. Als einziger von stattlichen 21 Reitern, die es ins Stechen geschafft hatten, blieb der 33-Jährige unterhalb der 40-Sekunden-Marke. Mit dem Niederländer Voyeur v. Tolano hatte der Weltranglistensiebte auf der letzten Linie in Richtung des Schlussoxers volle Fahrt voraus gedacht und nicht einmal gezogen. So flog der Chin Chin-Enkel in 39,69 Sekunden ins Ziel und setzte den Rest des Startfeldes unter Druck. Der Mann aus Florida freute sich umso mehr, weil Voyeur nach einer längeren Verletzungspause wieder zurück im Sport ist. Der Wallach sei stark aber spektakulär.

Olympiasieger Steve Guerdat kam mit Nino des Buissonnets immerhin bis auf sechs Zehntel Sekunden an den US-Amerikaner heran. Die Uhr blieb bei 40,29 Sekunden stehen, bescherte dem Schweizer Platz zwei in der Prüfung, 26.250 Euro Preisgeld und vor allem die komfortable Situation als Führender nach zwei Wertungsprüfungen in die Entscheidung am Ostermontag zu gehen. Dort geht es über zwei Umläufe. Für den ersten sind die 30 besten Paare nach den zwei Qualifikationen zugelassen, im entscheidenden zweiten Umlauf geht es für die 20 Top-Kombinationen um den Titelgewinn. Die Punktewertung lässt den Besten mit null Punkten an den Start gehen. In diesem Fall sind das gleich zwei, Steve Guerdat und der Franzose Patrice Delaveau, der mit dem Holsteiner Lacrimoso heute Fünfter wurde (41,66).

Vorjahressiegerin Elizabeth, Beezie, Madden und Simon haben sich auch wieder ins Gespräch gebracht: Sie wurden Dritte im Stechen, 40,35 Sekunden, in dem insgesamt elf Reiter fehlerfrei blieben, und rangiert jetzt mit vier Punkten an vierter Stelle des Klassements, zusammen mit Pius Schwizer (SUI) und Ludger Beerbaum, die beide einen Abwurf zu verzeichnen hatten.

Noch vor diesem Trio rangiert auf der aussichtsreichen Position drei als bester Deutscher Daniel Deusser, der mit dem Westfalen Cornet damour v. Cornet Obolensky Vierter wurde (40,61 Sekunden). Er geht mit zwei Punkten am Montag an den Start. Ich war gestern Sechster, heute Vierter, zwei liegen noch vor mir. Also war ich gut, aber nicht gut genug. Alles liegt dicht zusammen, da kann ein Abwurf schnell noch einiges verändern.

Und auch Christian Ahlmann liegt nach einer guten Runde mit Aragon Z v. Askari auf Rang sieben und kann mit fünf Strafpunkten noch von einer Top-Platzierung träumen, es sind ja noch zwei schwere Runden, da kann einiges passieren. Gleichauf mit ihm: der Weltranglistenerste Scott Brash (GBR) und der heutige Sieger Kent Farrington (USA). Marcus Ehing ist Zehnter und hat sechs Zähler auf dem Konto. Sein Hengst Cornado sprang eine Spitzenrunde, bei der Ehning wie er selbst sagt nicht das Allerletzte riskiert hat. Als ihm zu seinem 40. Geburtstag die Halle ein herzliches Happy Birthday sang, zückte Ehning artig den Helm, immerhin.

21 Nuller, 11 fehlerfreie Stechritte Parcourschef Frank Rothenberger sah aus, als ob er in eine Zitrone gebissen hätte, eine besonders saure. Dabei hatte er sich lediglich an den Richtern die Zähne ausgebissen. Wie allgemein üblich, wollte er nach dem dritten Reiter eventuell noch einmal die erlaubte Zeit überdenken. Die Arena in Lyon ist groß, der Boden exzellent, da kann man beherzt galoppieren. Doch schon als Rothenberger sich den Richtern näherte, blockte die Jury ab. Sollte er die Zeit diskutieren wollen, sei er chancenlos. Der Idealweg sei gemessen worden, die Grundgeschwindigkeit stünde in der Ausschreibung, auf ein Herabsetzen der erlaubten Zeit, was automatisch sicherlich den ein oder anderen Springfehler mehr zur Folge gehabt hätte, wurde also verzichtet. Ich wollte keine Zeit verschwenden, wusste aber, dass es zu viele Nuller geben würde. Gestern hatte er acht bis zehn davon versprochen. Im Normalparcours, nicht im Stechen. John Roche, Direktor Springen beim Weltreiterverband FEI, sträubte sich gegen Rothenbergers Darstellung, wonach es eine Regeländerung sei, die die inflationären sauberen Runden mit sich gebracht hätte. Vielmehr, so Roche, gäbe es die Regel, diese sei nun nur strikt angewendet worden. Der Engländer machte dabei deutlich, dass er das allgemeingültige Prozedere, nach den ersten drei Reitern gegebenenfalls regelnd einzugreifen, für eine Unsitte hält. Da meldete sich Steve Guerdat zu Wort. Er wollte wissen, ob denn ein Weltcupfinale der richtige Ort sei, die Regel erstmals so strikt durchzupauken. Oder ob es nicht viel besser sei, einen so erfahrenen Parcourschef wie Frank Rothenberger gewähren zu lassen, schließlich mache der einen um ein Vielfaches besseren Job als jeder von der FEI eingesetzte Richter. Deutliche Worte, um die der Mann aus Genf selten verlegen ist. Roche gab sich zwar nicht einsichtig, beschied aber immerhin, das hier jeder seine Meinung kundtun dürfe. Welch demokratischer Ansatz.

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