CCIO4* Aachen: Ein Küchentisch mit vier Beinen und ein Satz mit X

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CCIO4* Aachen, Sieg für US-AmerikanerWilliam Coleman (© CHIO Aachen)

Das waren nicht die Tage der deutschen Buschreiter. Bei der Kurzvielseitigkeit im Rahmen eines CCIO4* in der Aachener Soers nahm das Gastgeberteam Platz fünf von sechs ein, (178,30), rund 60 Punkte von den siegenden Briten (116,20) entfernt.

Platz drei ging ganz knapp an die USA (116,50), vor Irland (127,20) und Neuseeland (129,50). Das Bad des letzten Franzosen im Teich und sein damit verbundenes Ausscheiden bewahrte die Truppe von Hans Melzer vor der roten Laterne. Wobei das Bild nicht so schwarz ist, wie man es malen könnte. Neben der ersten Garde, die in Tokio war, der zweiten, die zur Europameisterschaft in der kommenden Woche nach Avenches reist, musste Melzer nehmen, was übrig ist. Und das Repertoire an Vier- und Fünfsterne-Pferden und -reitern ist bekanntlich nicht so üppig wie in Großbritannien. Mit einer anderen Teamzusammensetzung (Andreas Ostholt, Sophie Leube, Malin Hansen-Hotopp) wäre übrigens sogar ein Sieg drin gewesen, aber dafür hätte es wohl wahrsagerischer Fähigkeiten bedurft.

An der Spitze stand am Ende des CCIO4* der US-Amerikaner William Coleman auf dem 13-jährigen irischen Wallach Off the Record, von dem sein Reiter behauptet, er sei steif wie ein Tisch mit vier Beinen. Für einen Tisch lief der Braune außerordentlich schnell: nur zwei Sekunden über der Bestzeit von 6:53 Sekunden, die kein Reiter erreichte. Nach einer 29,7-Dressur blieb er im Springparcours Zeit- und Springfehlerlos, was nur noch zwei weiteren Reitern gelang (30,5 Punkte). Auf den nächsten drei Plätzen folgten englische Amazonen, zweimal Laura Collett mit Dacapo v. Diarado (32,7) und Mr. Brass v. Charrico (36,2), beides Holsteiner wie schon ihr Olympiapferd London, dazwischen schob sich auf Platz drei Emilie Chandler mit dem Iren Gortfadda Diamond (33,9).

CCIO4*: Ostholt bester Deutscher

Die Ehre der Gastgebernation rettete Andreas Ostholt mit Corvette v. Chacco Blue (37,2), der nach einer ordentlichen Dressur, einem abwurffreien Springparcours und einer schnellen, dabei sicheren Geländerunde Fünfter und damit bester Deutscher wurde.

Der Aufbau sei für ihn in diesem Jahr besonders schwierig gewesen, sagte Parcourschef Rüdiger Schwarz, weil das Niveau der 40 Reiter sehr unterschiedlich war, Fünfsterne-Olympiareiter neben Startern, die sich erstmal einer solchen Aufgabe gegenüber sahen. Und Aachen gilt per se als schwieriger mit dem aus Platzgründen kurvenreichen Platz. Das Ziel jeden Aufbauers: Alle kommen heil nach Hause, die Besten liegen vorn und das Gelände gab den Ausschlag. All das ist Schwarz hervorragend gelungen: ein „Runterfaller“, also Sturz eines Reiters, drei Verweigerungen und einmal Auslösen des Sicherheitssystems MIM, das an insgesamt neun Sprüngen angebracht worden war, das war’s.

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Am Ende entschied die Zeit. „Das war kein leichter Kurs“, sagte Schwarz, „ich habe absichtlich einige Hinderniskomplexe eingebaut, an denen das Tempo heruntergefahren werden musste, dadurch wurde die Zeit knapp.“ Die relativ vielen Fehler, die im Springparcours am Abend zuvor gemacht wurden, erklärt er sich zum einen durch die Art des Hindernismaterials, viele einfarbige Hindernisse, anders als die bunt gestreiften Stangen, die die meisten Pferde kennen. „Außerdem spielen auch die langen Wege eine Rolle. Das ist für viele Pferde ungewohnt. Es ist viel schwieriger, einen Sprung aus einer langen Entfernung anzureiten als nach einer Wendung.“

Die Hoffnungen der deutschen Mannschaft auf einen vorderen Platz pulverisierten sich bereits nach dem Springen. Sandra musste Auffarth mit dem erst achtjährigen Polen Rosveel v. Bolshoi nach unglücklichem Springparcours – zwei Abwürfe und eine Verweigerung – als erstes ins Gelände. Gleich am Anfang verlor der Braune ein Vordereisen, später auch das zweite. „Schon am Eulenloch kam ich ins Rutschen und musste bei den Wendungen weiter ausholen. Das hat mich extrem viel Zeit gekostet.“ Die Reiterin wählte daraufhin zweimal die längere Alternative und brachte ihr junges Pferd sicher nach Hause (71,3, Platz 32) „Er hat alles angepackt, so ein ehrliches Pferd, das ist schon sehr beeindruckend.“ Auch Josephine Schnaufer-Völkel auf der 14-jährigen Westfalenstute Pasadena v. Primeur’s As musste bei ihrem ersten Mal als Teamreiterin mit einem 17,2-Fehler-Rucksack (vier Abwürfe plus 1,2 Zeitfehler) aus dem Springen in den Cross starten. Dort löste sie ihre Aufgabe gut, ohne Hindernisfehler mit 14,4 Zeitfehlern (29.).

Das Streichergebnis lieferte diesmal Ingrid Klimke mit der neunjährigen noch recht grünen Siena just do it. Für die Reiterin war es einer der ersten Auftritte nach einem folgenschweren Sturz im Frühjahr, der sie den Olympiastart gekostet hatte. Einer für ihre Verhältnisse mäßigen Dressur (34,7) und einem Abwurf im Springen folgte eine an sich gute Geländerunde, die durch eine Verweigerung an Sprung 8a getrübt wurde. (72,7 Minuspunkte, Rang 33.) „Ich bin zwar nicht zufrieden mit dem Ergebnis“, sagte Ingrid Klimke nach ihrem Ritt, „aber mit der Entwicklung des Pferdes. Nach dem Fehler ist sie super gegangen und kam fit ins Ziel. Sie ist ja noch ein junges Pferd und hat hier viel gelernt und gezeigt, dass sie Potential hat.“

Für Lichtblicke sorgten andere: Sophie Leube lieferte auf der elfjährigen Conthargos-Tochter Jadore Moi mit 24,5 Minuspunkten die besten Dressur, bekam zwar zwei Abwürfe im Springen, aber arbeitete sich durch eine schnelle Geländerunde am Ende wieder auf Platz acht vor (38,5).

Malin Hansen-Hotopp, auch sie zum ersten Mal in Aachen dabei, wurde dank einer der schnellsten Runden des Tages mit nur 2,8 Zeitfehlern am Ende 12. (41,3). Und auch mit einem weiteren Neuling, Jérôme Robiné auf dem elfjährigen Iren Black Ice, mit einem Abwurf im Springen und sechs Zeitfehlern im Gelände 21., war der Bundestrainer zufrieden. „Wir wussten ja, dass für uns in diesem Jahr nicht viel zu holen war“, sagte Hans Melzer. So kann nur besser werden. Zum Beispiel in Avenches, seinem letzten Championat als Bundestrainer.

Das Ergebnis finden Sie hier.

  1. Müller

    Schreibt Frau Pochhammer Herr Melzer musste nehmen was übrig bleibt, hat sie Recht. Wie verhält sich das jedoch mit der jahrelangen Aussage des Leitenden Bundestrainers, dass er aus dem Vollen schöpfen kann?
    Recht hat Frau Pochhammer auch mit ihrer Feststellung, dass das Repertoire an Vier- und Fünfsterne-Pferden und -reitern nicht so üppig ist, wie in Großbritannien.
    Doch ich kann mich noch an Zeiten erinnern, als der jetzige britische Trainer bei uns als Co-Trainer tätig war und Deutschland das größte Repertoire an Vier- und Fünfsterne-Pferden und -reitern hatte.
    Woran mag das wohl liegen?


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