Die olympische Dressuraufgabe der Vielseitigkeitsreiter

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Schwedens Sara Algotsson-Ostholt mit Reality in der Dressurprüfung bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio. (© Pauline von Hardenberg)

Die olympischen Vielseitigkeitsreiter folgen den Dressurreitern auf den Fuß. Heute und morgen geht es auch für die Buschreiter ins Viereck – bevor es am Sonntag ins Gelände geht. 63 Reiter gehen an den Start. 3 Minuten und 50 Sekunden dauert die Aufgabe ungefähr, in der Reiter und Pferde versuchen werden, eine harmonische und korrekt gerittene Runde zu zeigen.

Insgesamt können pro Richter 220 Punkte vergeben werden, 200 in den Einzellektionen und 20 weitere durch die zusätzliche Note, nämlich jene für die Harmonie zwischen Reiter und Pferd. Das Besondere: lediglich die Zusatznote hat einen Koeffizienten von zwei, bei den 20 Einzellektionen zählen die Noten jeweils nur einfach.

Die Lektionen der olympischen Dressuraufgabe der Vielseitigkeitsreiter

Nach dem Einreiten im versammelten Galopp beginnt die Aufgabe auf der rechten Hand im versammelten Trab. Und zwar ohne Gruß! Das ist ein äußerst bemerkenswerter Auftakt. Durchparieren bei X zum Trab und weiter. Hintergrund: So wird die Aufgabe kürzer und man wollte den Pferden die Zeit in der Hitze so kurz wie möglich gestalten. Wohl bemerkt Pferden, die am Sonntag auf der Geländestrecke knapp acht Minuten, bzw. einige sicherlich auch länger, mit 570 Metern/Minute auf dem schattenlosen Hochplateau auf der Hafeninsel Sea Forest galoppieren soll. Schatten gibt es da nicht.

Die Reiter wechseln durch die ganze Bahn im starken Trab von M zu K. Auf den Übergängen zwischen Versammlung und Verstärkung liegt hier das besondere Augenmerk. Bewertet werden der Takt, die Balance und die Aktivität der Hinterhand. Ebenso steht die Rahmenerweiterung und Elastizität des Pferdes während des starken Trabs im Fokus.

Auf der Viertellinie nach A zeigen die Reiter-Pferd-Paare das Schulterherein. Durch seine Position kann der Richter bei C die Abstellung und den Winkel der gerittenen Lektion besonders gut bewerten. In die Note fließen Kriterien wie die Regelmäßigkeit der Tritte, die Balance und die Versammlung mit ein.

Im weiteren Verlauf der Aufgabe wird auf Höhe der Linie E-B eine Traversale nach links geritten. Stellung und Biegung, Versammlung und Gleichgewicht (Takt!)  gilt es zu erhalten. Nach dem Schulterherein, zuvor auf der Viertellinie nach A geritten, ist die Fähigkeit gefragt, das Pferd auf kurzem Weg zwischen beiden Lektion geradezurichten und die Traversale vorzubereiten. Der Richter bei C hat hier wieder den zentralen Blick auf die Lektion.

Gleiches gilt nach dem Rückwärtsrichten bei C, gezeigt werden müssen fünf Tritte in gerader und regelmäßiger Trittfolge. Ab M wird zur entfernten Viertellinie die Rechtstraversale geritten. Bei der Linie zwischen B und E wird in ein Schulterherein rechts übergegangen.

Auf der Diagonalen H-X-F werden zwei fliegende Wechsel, jeweils beim Durchreiten der Viertellinie, verlangt.

Im Anschluss wenden die Reiter auf die Viertellinie hinter A ab. Gezeigt wird eine Galopptraversale nach rechts, von Viertellinie zu Viertellinie. Ein fliegender Wechsel erfolgt auf der Viertellinie bei M. Die Korrektheit des fliegenden Wechsels bemessen die Richter wie folgt: Ist er gerade, bergauf gesprungen, ausdrucksstark und spannungsfrei?

Die Aufgabe geht mit starkem Galopp und versammeltem Trab zu Ende, nachdem zwischen B und E die Galopptraversale nach links zu absolvieren ist. Auch diese wird von Viertellinie zu Viertellinie geritten. Der fliegende Wechsel folgt bei Erreichen der zweiten Viertellinie.

Wie funktioniert die Umrechnung in Strafpunkte?

Wie üblich wird für jede Lektion eine Note vergeben. Das Gesamtergebnis in Prozent wird schlussendlich in Strafpunkte umgerechnet. In internationalen Vielseitigkeitsprüfungen geschieht das so: Zur Errechnung der Minuspunkte werden die erreichten Prozentpunkte von 100 abgezogen.

Beispiel: Die Dressuraufgabe wird mit 75 Prozent bewertet. (100 Prozent – 75 Prozent = 25 Prozent) Der Reiter erhält 25 Minuspunkte.

Hierzu werden im weiteren Verlauf die gesammelten Strafpunkte aus der Gelände- und Springprüfung addiert. Die Startfolge wird nicht aus den Fehlerpunkten generiert – die Reihenfolge der Athleten wird nach Zufälligkeitsprinzip ausgelost. Jedes Team kann trotzdem selbst entscheiden, in welcher Reihenfolge seine Mitglieder an den Start gehen.

Wer richtet die Dressuraufgabe der Vielseitigkeitsreiter bei Olympia 2021?

Während bei den Dressurprüfungen insgesamt sieben Richter am Viereck sitzen, sind es bei der Teildisziplin Dressur der Vielseitigkeit nur drei. Chefrichter ist Nick Burton (GBR), ihm zur Seite stehen werden als Richterinnen Jane Hamlin aus den Vereinigten Staaten von Amerika sowie die Schwedin Christina Klingspor.