EM Luhmühlen: Deutsche Buschreiter verteidigen ihre Führung

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Michael Jung und Chipmunk (© von Hardenberg)

Das deutsche Team und Michael Jung führen auch nach der Geländestrecke die Wertung der Europameisterschaft in Luhmühlen an. Ingrid Klimke liegt an Position zwei. (Mit Bildergalerie)

Mit 78,50 Minuspunkten insgesamt liegt die deutsche Mannschaft vor Großbritannien (92,80 Minuspunkte) und Frankreich (93,60). In der Einzelwertung blieben der dreifache Olympiasieger Michael Jung auf Chipmunk und Titelverteidigerin Ingrid Klimke auf Hale Bob an der Spitze und führen mit ihrem Dressurergebnis, 20,90  bzw. 22,20 Minuspunkten, vor dem Franzosen Thibaut Vallette auf Qing du Briot (25,80) das Feld der 72 Starter an.
Damit gehörten sie zu den 20 Reitern, die die 5800 Meter lange Strecke mit 26 Hindernissen und 40 Efforts ohne Hindernisfehler in der erlaubten Zeit von 10.10 Minuten bewältigten. Das war deutlich mehr als die sechs Nuller, die der Aufbauer vorher erwartet hatte. „Der Boden war perfekt, das Wetter war gut, es ließ sich einfach gut reiten“, erklärte Kursdesigner Mike Etherington-Smith die vielen schnellen Ritte.
Trotz vieler Wendungen ging es flüssig vorwärts, nur die Hitze, die sich über Mittag verstärkte, setzte der Kondition bei einigen Pferden zu.

Verwirrung bei Michael Jung

Michael Jung war mehr als zufrieden über die Form von Chipmunk, den er ja erst seit wenigen Monaten unter dem Sattel hat. Es gab allerdings einen haarigen Moment für das Paar, als vor dem letzten Wasser ein Mann auf ihn zu lief, und unklare Zeichen gab. Michael Jung erklärte: „Ich wusste nicht, ob ich angehalten werden sollte, ritt aber weiter. Aber ich verlor die Distanz und den Rhythmus. Aber es ist ist ja nochmal gut gegangen.“
Ingrid Klimke berichtet begeistert vom Publikum, das sie und Hale Bob mit einen Anfeuerungsrufen quasi über die Strecke getragen habe. „Am Vogel im letzten Wasser, da riefen sie ,Hopp‘. Wir haben dann Hopp gemacht.“

Andreas Dibowski auf Corrida ging als dritter Reiter auf die Strecke, seine beiden Vorreiterinnen waren ausgeschieden. Das Paar meisterte alle Sprünge und brauchte zwei Sekunden länger als erlaubt. Mit 35,40 Strafpunkten liegt Dibo jetzt auf Platz 22. „Der Geländekurs ist fantastisch konzipiert, Aufgabe reiht sich an Aufgabe“, sagte er nach seinem Ritt.  „Corrida wurde die ersten zwei, drei Minuten etwas heftig, sprang aber super sicher.“ Am letzten Wasser gab es einen heiklen Moment. Dibowski kam schlecht zu dem großen bunten Vogel im Wasser, der mehreren Pferden Probleme bereitete. Corrida fiel in den Trab, sprang das bunte Ding aber mühelos.

Pech für das deutsche Team

Unglücklicher lief es für Kai Rüder. Die Startprobleme bei Colani Sunrise sind bekannt. Er wurde etwas früh losgelassen und wollte nicht in die Startbox, sondern stellte sich auf die Hinterbeine und versuchte loszurennen, den ersten Sprung schon im Visier. Die Uhr lief bereits mehr als eine halbe Minute, als Rüder endlich starten konnte. Am Ende kassierte er 16 Zeitstrafpunkte, liegt jetzt mit 41,80 Punkten auf Platz 35 und das gute Dressurergebnis hat sich in Luft aufgelöst. „In solchen Momenten kann man nur versuchen, das Pferd wieder auf seine Seite zu bringen, bitte, bitte zu sagen“, erklärte Rüder frustriert nach seinem Ritt.

Einzelreiter top

Einige deutsche Einzelreiter konnten sich mit fehlerlosen schnellen Ritten ins Blickfeld des Bundesstrainers reiten. Sandra Auffarth zeigte mit dem französischen Fuchs Viamant du Matz eine souveräne Runde, hatte zu keiner Zeit einen wackligen Moment. mit 31,70 Punkten, ihrem Dressurergebnis liegt sie auf Platz 13, das Paar ist auf dem aufsteigenden Ast.
Eine Glanzrunde gelang auch Championatsdebütantin Anna Siemer auf Butts Avondale. Sie konnte sogar dreimal die längere Variante reiten und blieb trotzdem in der Zeit. „Ich habe sie einfach galoppieren lassen, in der ganzen Prüfung habe ich vielleicht zweimal geschnalzt.“ (Platz 15, 31,9).
Auf dem schnellsten Pferd des Tages saß Anna-Katharina Vogel, auch sie zum ersten Mal bei einem Championat dabei. Die zwölfjährige Brandenburger Stute Quintana brauchte 9.43 Minuten also 27 Sekunden weniger als erlaubt. „Meine Stute war einfach im Flow“, sagte Vogel, „dann darf man sie nicht stören, sonst verliert sie ihren Rhythmus.“ Die Jury wies sie anschließend darauf hin, dass zu schnell auch nicht optimal sei. Mit 32,30 Punkten liegt Vogel auf Platz 16.
Geradezu ideal lief es auch für den erst zuletzt nachgerückten Christoph Wahler auf Carjatan. Er konnte eindrucksvoll zeigen, dass sein Sturz im Juni in Luhmühlen ein Ausrutscher gewesen war. Ganz sicher und in der idealen Zeit von 10.10 Sekunden brachte er den Schimmel ans Ziel und rangiert mit 33,80 Punkten auf Platz 18.

Felix Etzel blieb auch ohne Hindernisfehler, aber sein Ritt war wahrlich keine Augenweide. Immer wieder am Sprung hinter der Bewegung, mit langen Fahrleinen und groben Zügelhilfen schoss er über die Strecke, dazwischen ließ er seinen Bandit auseinandergefallen daher galoppieren – das war keine Reklame für die Ausbildung, die der Bundeswehrsportschüler doch sicherlich in Warendorf genießt. „Bandit ist auch das schwierigste Pferd“, versuchte Bundestrainer Hans Melzer die Kritik zu dämmen. Mit 36,30 Punkten rangiert Etzel auf Platz 26, Jörg Kurbel mit Entertain you und 39,20 Punkten auf Rang 32. Auch dieser Ritt war mehr erfolgsorientiert als schön anzusehen. Der bewährte 17-jährige Hamilton von Josefa Sommer kam nicht recht in Gang, nach zwei Verweigerungen liegt er nun auf Rang 54 mit 85,70 Punkten.
Die zwölfte deutsche Teilnehmerin, Nadine Marzahl und Valentine, ist im Gelände ausgeschieden, weil sie Sprung 9 ausgelassen hat.

Hier gibt’s alle Ergebnisse.

 

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