Julia Krajewski akzeptiert Verwaltungsstrafe

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Julia Krajewski mit Samourai du Thot beim Vet-Check der EM in Strzegom. (© Pauline von Hardenberg)

Das Verfahren um den positiven Medikationsbefund bei Julia Krajewskis Erfolgspferd Samourai du Thot ist abgeschlossen. Sie akzeptiert die Verwaltungsstrafe.

Anfang November sorgte die Meldung, dass Samourai du Thot positiv auf eine unerlaubte Medikation getestet wurde, für Aufruhr. Getestet wurde der Wallach von Julia Krajewski am letzten EM-Tag in Strzegom und sowohl die A- als auch die B-Probe ergaben den Befund des Wirkstoffs Firocoxib. Eine Substanz, die schmerz- und entzündungshemmend wirkt und beim Weltreiterverband (FEI) unter „Controlled Medication Substance“ gelistet ist. Bedeutet konkret, dass es sich nicht um Doping handelt, da die Substanz im Training erlaubt ist, aber auf Wettkämpfen nicht.

Daraufhin wurde der deutschen Equipe die Silbermedaille aberkannt und Krajewski hatte 21 Tage Zeit, sich zu entscheiden, ob sie eine administrative Strafe annimmt oder vor das FEI-Tribunal zieht. Sie hat sich jetzt für die Verwaltungsstrafe von 1.500 Schweizer Franken entschieden. Dazu kommen noch 2.000 Schweizer Franken an Verwaltungskosten. Umgerechnet muss sie damit insgesamt knapp 3.000 Euro bezahlen. Eine Wettkampfsperre bekommt die 29-Jährige nicht. Alternativ hätte sie auch vor das FEI-Tribunal ziehen können, aber das wäre nur sinnvoll gewesen, wenn sie eindeutig hätte beweisen können, wie die Substanz in das Blut des elfjährigen Wallachs gekommen ist. Aber selbst wenn sie die FEI dann freigesprochen hätte, wäre die Silbermedaille trotzdem weg gewesen. Laut der FN wisse man aber nach wie vor nicht, wie die Substanz ins Blut des Pferdes gekommen ist. Das DOKR hatte in alle Richtungen ermittelt.

DOKR entscheidet über Krajewskis Zukunft

Auch die Nationale Anti-Doping-Agentur hatte unmittelbar nach der Rückkehr der Championatspferde Proben genommen und am Ende auch die der FEI bestätigt. Alle Kaderreiter sind dazu verpflichtet, ein Behandlungsbuch zu führen, um nachvollziehen zu können, wann welche Medikamente verabreicht wurden. Die Behandlung mit der Substanz fehlte im Behandlungsbuch und das zog automatisch eine Vertragsstrafe nach sich. Das Deutsche Olympiade-Komitee (DOKR) entscheidet jetzt über Julia Krajewskis Zukunft als Kaderreiterin und Nachwuchsbundestrainerin.

Und das sagt Julia Krajewski selbst

Drei Wochen ist es jetzt her, dass uns die B-Probe Gewissheit über die positive Medikationskontrolle von Sam in Strzegom gegeben hat und uns erschüttert und ratlos zurückließ.

Erst einmal möchte ich auf diesem Weg sagen, dass mich die zahlreichen wohlgesinnten Rückmeldungen zu diesem Thema überwältigt haben. Ich möchte mich vor allem bei all denjenigen bedanken, die mir Hilfe und Unterstützung angeboten haben und trotz allem weiter hinter mir stehen. Das hat mich motiviert, nicht einfach den Kopf in den Sand zu stecken, auch wenn ich häufig kurz vor der Verzweiflung stand.

Das FEI Reglement sieht für meinen Fall zwei Möglichkeiten vor: Zum einen eine Verwaltungsstrafe zu akzeptieren, diese wirkt allerdings wie eine Vorstrafe bei der FEI, zum anderen den Gang vor das FEI-Tribunal anzutreten. Dort könnte ich entweder freigesprochen oder zu einer maximal 6-monatigen Sperre (diese gilt dann auch für Trainertätigkeiten) verurteilt werden. Der Reiter gilt immer als verantwortliche Person für das Pferd, und das Reglement ist sehr klar: Für einen Freispruch reicht es nicht aus, die eigene Unschuld glaubhaft darzulegen, zu allererst muss die Frage beantwortet werden wie die Substanz Firocoxib in mein Pferd gelangt ist. Gelingt dies nicht, ist mit einer Verurteilung und Sperre zu rechnen. Selbstverständlich war es mein oberstes Ziel, genügend Beweise finden und liefern zu können, um einen Freispruch zu erwirken und meine bisher weiße Weste zu behalten.

Wie sah meine Recherche aus?
Ich habe zwei erfahrene Experten aus England, einen Toxikologen und einen Fachanwalt, hinzugezogen, welche mich in meiner Vorgehensweise beraten haben. Wir haben alle Abläufe rund um Sam zwischen dem 3. und dem 20. August nachvollzogen, um uns einen vollständigen Überblick über Trainingsinhalte, Futtermittel sowie Zusatzfuttermittel, seine Aufenthaltsorte und die jeweils zuständigen Personen vor Ort zu verschaffen. In diesem Zusammenhang haben wir diverse Futtermittel auf Firocoxib testen lassen, allesamt negativ. Des Weiteren wurden die Gegebenheiten und die teaminternen Abläufe während des Championats rekonstruiert und überprüft. Die uns zugänglichen Blutproben wurden weiter analysiert, ohne aufschlussreiche Ergebnisse. Und ich habe mit unseren Gastgebern im Trainingslager und mit dem zuständigen FEI-Steward gesprochen. Der Vollständigkeit halber haben wir die Listen der nächtlichen Stallwache angefordert, in die sich jeder eintragen musste, der nach 22:00 Uhr den Stallbereich betreten wollte. Allerdings konnten uns diese Listen seitens des zuständigen Stewards nicht mehr vorgelegt werden. Da der Stallbereich in Strzegom aber ohnehin nicht vollständig umzäunt war, war es ohne weiteres möglich, diesen Bereich unbemerkt zu betreten, und damit ohne sich am Eingang eingetragen zu haben.
Um Fehler unsererseits auszuschließen, wurden alle Tierarztrechnungen meiner Pferde der vergangenen Jahre kontrolliert. Equioxx oder Previcox, die einzigen beiden Medikamente, in denen Firocoxib enthalten ist, tauchen nirgendwo auf. Eine Kontamination durch Urin (Hund und Mensch) lässt sich mittlerweile auch mit Sicherheit ausschließen. Bestätigen lassen sich weiterhin die Erkenntnisse, dass die Aufnahme der Substanz nur über die Medikamente Previcox oder Equioxx erfolgt sein kann, und zwar zu einem Zeitpunkt zwischen der Dressur und dem Gelände auf der Europameisterschaft.
Alle Ergebnisse dieser Recherche haben bestätigt, dass ich einen Fehler in meinem eigenen Stallmanagement mit Gewissheit ausschließen kann. Weder ich noch eine der Personen aus unserem direkten Umfeld haben Sam, wissentlich oder unwissentlich, eines dieser Medikamente verabreicht.

Nach Ablauf der durch die FEI gesetzten Frist am 30.11.2017, muss ich mir nun leider eingestehen, mein Ziel „Freispruch“ nicht erreichen zu können. Die Erkenntnisse, welche wir bis hierhin gesammelt haben, reichen für den Gang vor das FEI-Tribunal nicht aus. Deshalb akzeptiere ich die Verwaltungsstrafe. Für die FEI ist der Fall damit abgeschlossen, für mich persönlich aber nicht. Ich muss mir überlegen, was dieser Fall für meine Zukunft bedeutet. Die Ungewissheit darüber, was mit Sam wirklich passiert ist, belastet mich sehr. Das Wohlergehen meiner Pferde ist für mich die oberste Priorität und ich muss alles daransetzen, dass so etwas künftig nicht wieder passieren kann. Daher werde ich mich in den nächsten Monaten damit auseinandersetzen, wie ich einen möglichst umfassenden Schutz zu Hause und auf Turnieren sicherstellen kann.

Ich habe mich in den letzten Wochen auch gefragt, ob und wie ich für mich, aufgrund meiner aktuellen Situation, in diesem Sport eine Zukunft sehe. Ich bin aber zu dem Schluss gekommen, dass ich diesen Sport vor allem deshalb betreibe, weil er mir unheimlich viel Spaß macht und die Leistungen, welche ich mit meinen Pferden gemeinsam erbringe, mir ein unvergleichliches Gefühl von Partnerschaft und Zufriedenheit bereiten. Die Arbeit mit meinen Pferden war in den vergangenen Wochen das einzige, wobei ich den Kopf frei kriegen und wieder Kraft tanken konnte. Den Glauben an Fairness und Kameradschaft in unserem Sport möchte ich mir unter allen Umständen bewahren, und die vielen Reaktionen aus der gesamten Vielseitigkeitsfamilie bestärken mich darin. Für mich und meine Pferde beginnt nun die Winterarbeit und damit die Vorbereitung auf die neue Saison. Dies fällt mir zwar noch nicht leicht, aber ich hoffe, nun ein wenig Ruhe dafür zu finden, um dann gestärkt ins neue Jahr gehen zu können.

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  1. Anne

    Naja das ist ein sehr sehr schwacher Vergleich. Die Folgen sind hier auch wesentlich größer. Ich möchte nicht in Ihrer Haut stecken. Das ist schrecklich! Ich wünsche ihr Alles Gute.


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